Nachruf Regisseur Andrzej Żuławski gestorben

Er war wild und lebensgierig und drehte Anstößiges mit Romy Schneider.

Er feierte das Leben, in all seinen Filmen und in den vielen Beziehungen, die er mit Schauspielerinnen, oft sehr viel jüngeren, unterhielt - Sophie Marceau etwa, mit der er ab 1985 zusammenlebte, da war sie achtzehn. 1988 drehten sie gemeinsam den Film "Meine Nächte sind schöner als deine Tage".

Am 22. November 1940 ist Andrzej Żuławski in Lwów geboren, unter den gern zu Experimenten und Exzessen bereiten polnischen Filmemachern wurde er schnell der wildeste. Er verwandelte die polnische Liebeslust und -angst in mythische Leinwandstücke, und als er Probleme mit der Zensur bekam, verlegte er sie nach Berlin oder Paris. 1975 stürzte er Romy Schneider in eine Porno- und Impotenzspirale, im Film "Nachtblende". 1981 betrog Isabelle Adjani ihren Mann, im geteilten Berlin, mit einem schleimigen Tentakelmonster in "Possession". Es ist der kühnste Film über die fantastische Radikalität der Liebe, die über menschliche Vorstellungen und Tabus hinwegstürzen muss, von einer bösen Unbedingtheit, die in vielen Ländern Anstoß erregte. Der Film wurde verstümmelt oder verboten - auch in der Bundesrepublik. In "Meine Nächte sind schöner als deine Tage" erlebt die junge Sophie Marceau den ultimativen Liebesakt mit einem todkranken Mann, Sprache und Erinnerung sind zerstört, nur die Körper kommunizieren.

Żuławskis Lebenslust war allesverzehrend, dämonisch. Als er keine Filmprojekte mehr zusammenbekam, schrieb er Romane. 2015, nach fünfzehn Jahren Abstinenz, schaffte er doch noch einen Film, auf dem Festival in Locarno, der seines Lebens Verrücktheit zusammenfasst: "Cosmos", nach dem Roman von Witold Gombrowicz. Pure Exaltation, ein Film der Schreie und Verführungen, sinistrer Anwandlungen und toter Vögel. Am Mittwoch ist Żuławksi im Alter von 75 Jahren in Warschau gestorben.