Nach jahrelanger Krankheit Christoph Schlingensief ist tot

Christoph Schlingensief ist tot. Der 49-Jährige erlag am Samstag in Berlin seinem Krebsleiden. Er war einer der bedeutendsten Regisseure im deutschsprachigen Raum. Im Juli hatte er ein Theaterprojekt nach einer neuen Diagnose absagen müssen.

Der Regisseur Christoph Schlingensief ist tot. Er starb am Samstag in Berlin, wie seine Ehefrau Aino mitteilte. Schlingensief wäre im Oktober 50 Jahre alt geworden.

Nach mehr als zwei Jahren hat Christoph Schlingensief den Kampf gegen den Lungenkrebs verloren. Er wurde 49 Jahre alt.

(Foto: ddp)

Schlingensief gehörte zu den bedeutendsten Regisseuren der Gegenwart und hat wie nur wenige die deutschsprachige Film- und Theaterwelt irritiert und beflügelt. Er war Anfang 2008 an Lungenkrebs erkrankt und operiert worden. Darüber erstattete er ausführlich in einem bewegenden "Tagebuch einer Krebserkrankung" Bericht.

Nach Rückschlägen ging es Schlingensief, der zuletzt im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg lebte, dann wieder besser. Die gesundheitlichen Fortschritte animierten ihn auch wieder zu neuen künstlerischen Aktivitäten. Mit ihnen verarbeitete er gleichzeitig seine Krebserkrankung auf der Bühne. Diese Produktionen wie "Mea culpa" oder "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" am Wiener Burgtheater und bei der Ruhrtriennale hatten 2008 und 2009 große Beachtung gefunden.

Im vergangenen Jahr gehörte der Regisseur auch zur Jury der Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Im Mai 2010 inszenierte er das Opernprojekt "Via Intolleranza II" nach Luigi Nono in Brüssel und anderen Orten.

Schlingensief machte bis zuletzt Pläne: Im kommenden Oktober stand eine Inszenierung zur Wiedereröffnung des Berliner Schillertheaters als Ausweichspielstätte von Daniel Barenboims Staatsoper auf seinem Terminkalender - der Tod kam ihm nun zuvor.

Zuletzt hatte Schlingensiefs überraschende Berufung zur künstlerischen Gestaltung des deutschen Pavillons bei der Biennale in Venedig 2011 Aufsehen erregt - für ihn selbst "eine Überraschung, eine Freude, aber auch eine schwere Last". An der Pressekonferenz zur Vorstellung seiner Pläne hatte er Anfang Juli in Frankfurt am Main aber krankheitsbedingt nicht teilnehmen können.

"Ein paar harte Neuigkeiten"

Auch sein für die diesjährige Ruhr-Triennale vorgesehenes Stück "S.M.A.S. H. - In Hilfe ersticken" musste er Anfang Juli nach einer neuen, schweren Krebsdiagnose absagen. In einem Brief an sein Team nannte er als Begründung "neue Befunde" in seinem Krankheitsfall - "ein paar harte Neuigkeiten".

Sein letzter Traum aber hieß Afrika mit einem eigenen "Festspielhaus" in Burkina Faso, wozu er sogar unter dem Motto "Von Afrika lernen" Hilfe vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler sowie Unterstützung durch das Goethe-Institut und die Bundeskulturstiftung und Prominente wie den Schriftsteller Henning Mankell oder Sänger Herbert Grönemeyer erhielt. Im Februar 2010 legte er den Grundstein dazu.

Krebs hat "alles in den Boden gerissen"

Schlingensief sprach zuletzt lieber von einem "Operndorf" mit Schule und Theatersaal, das kein "abgehobenes Bayreuth" werden sollte, wie der Regisseur betonte

Von 2004 bis 2007 hatte Schlingensief selbst sein spektakuläres Debüt als Opernregisseur bei den Bayreuther Festspielen mit Richard Wagners Spätwerk "Parsifal", Wagners "Weltabschiedswerk", gegeben.

Im Sommer 2009 heiratete der krebskranke Schlingensief im brandenburgischen Hoppenrade seine langjährige künstlerische Mitarbeiterin Aino Laberenz. Im Mai 2010 sagte er in einem Interview, er wisse seit einigen Monaten, dass er neue Metastasen habe. Durch den Krebs sei "alles in den Boden gerissen worden".