In der Obhut der französischen Polizei befinden sich inzwischen auch mindestens drei Gemälde, die Parisot Modigliani zugeschrieben hat, deren Echtheit aber zumindest umstritten ist. Eines davon, eine von Parisot als Jugendwerk mit lediglich gefälschter Signatur bewertete "Promenade in Livorno", wurde vor einer Versteigerung im Pariser Auktionshaus Drouot beschlagnahmt. Die beiden anderen Gemälde - ein "Junger Mann mit Schnurrbart" und ein "Mädchen mit Ponyfrisur" - wurden aus Ausstellungen in Frankreich entfernt.
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...der gekonnt gedrehte, anatomisch glaubwürdige "Liegende Akt auf roter Couch" von 1917 aus der Staatsgalerie Stuttgart: ein echter Modigliani. (© Foto: Foto: Interfoto / Katalog)
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Immer wieder tauchten in den vergangenen Jahren auch bei verschiedenen, meist kleineren, Auktionshäusern angebliche Modigliani-Werke auf, denen außer Parisot kein anerkannter Experte zuvor die Echtheit attestierte - im März 2006 beispielsweise ein gezeichneter "Knieender Frauenakt" bei Tajan in Paris und im Juni 2007 die Zeichnung eines "Jungen Mädchens" bei Waddington's in Toronto.
Im Herbst 2007 überraschte Parisot dann die Kunstwelt bei einer Pressekonferenz in Belgrad mit der Enthüllung, auch dort sei ein unbekanntes Modigliani-Gemälde gefunden worden. Das angeblich 1918 entstandene Bildnis eines jungen Mannes mit leicht gewelltem Haar gehöre einem Serben, der inzwischen nicht mehr in seiner Heimat lebe. Insgesamt 17 Jahre habe es gedauert, die Echtheit des Bildes zu bestätigen. Wie, wann und vor allem wo der serbische Besitzer das Gemälde kurz nach der Öffnung des Ostblocks erworben haben sollte, wurde auf der Pressekonferenz nicht mitgeteilt.
Malerische Fehler
Fragwürdige Arbeiten mit unklarer Herkunft finden sich nun auch in der von Christoph Vitali verantworteten Bonner Modigliani-Ausstellung. Den "Liegenden Akt (Céline Howard)" beispielsweise lehnten nach Recherchen des Fachmagazins "Art+Auction" sowohl Sotheby's als auch Christie's ab. Beiden Auktionshäusern sei das Gemälde zur Auktion angeboten worden. Der New Yorker Galerist, der den Besitzer vertritt, bestreitet das allerdings, verweist auf eine angeblich "gusseiserne Provenienz" und auf das Gutachten eines Labors in der Nähe von Köln. Das private Institut ist allerdings einschlägig bekannt dafür, dass es regelmäßig Rückschlüsse vom verwendeten Material auf einen Künstler zieht - und damit nicht immer richtig liegt.
Vergleicht man das Bild mit dem authentischen "Liegenden Akt auf roter Couch" aus der Stuttgarter Staatsgalerie, fallen malerische Fehler auf: Das Gesicht wirkt maskenhaft flach, Schulterblatt und Brüste sitzen an Stellen, die anatomisch nicht zu erklären sind. Der Körper liegt nicht auf dem Kissen, er scheint darüber zu schweben, und der aufgestellte linke Oberschenkel wächst nicht aus der Hüfte, sondern aus dem Bauch.
Modiglianis lang gestreckte Körper sind häufig angespannt, der "Liegende Akt auf roter Couch" wendet sein Becken beispielsweise mit gekonnter Drehung dem Betrachter entgegen. Die so entstehende Diagonale betont noch die kontrastreiche Formulierung des Hintergrundes: Modigliani bettet seinen Akt vor schwarzem Hintergrund auf Rot, vom weißen Kopfkissen aus zieht er sich als abfallende Diagonale über die Leinwand. In dieser Bildkonstruktion und Zeichnung gewinnen auch gedehnte Glieder glaubwürdig an malerischm Zusammenhalt - im Vergleich dazu wirkt der Leib von Céline Howard auf rotem Fond so schlaff, als sei er aus Nudelteig ausgewalzt.
Keine Beweise
Malte Modigliani überhaupt jemals eine Céline Howard? Das lässt sich nicht mehr nachvollziehen, erklärte Marc Restellini schon 2000 gegenüber "Art+Auction". Der ehemalige künstlerische Direktor des Pariser Musée du Luxembourg und jetzige Leiter der privat geförderten Ausstellungshalle "Pinacothèque de Paris", begann 1997 in Zusammenarbeit mit dem Pariser "Institut Wildenstein" damit, ebenfalls einen Kanon der authentischen Modigliani-Gemälde und -Zeichnungen zusammenzustellen. Auch mit ihm hatte Christoph Vitali im Vorfeld seiner Ausstellung Gespräche geführt. Restellini schloss aber eine Zusammenarbeit mit dem bereits engagierten Parisot kategorisch aus - und Vitali entschied sich wegen dessen vermeintlich besserer Kontakte zu Leihgebern für den Nachlassverwalter.
Ein anderer, angeblich 1916 gemalter "Liegender Frauenakt", den Parisot 1996 im vierten Band seines Werkverzeichnisses ("Témoignages") als authentisches Werk publiziert hat, enthält nach materialtechnischen Untersuchungen des University College London Titaniumweiß - einen Farbzusatz, der erst später in den Handel kam. Parisot bestreitet dies inzwischen und will mit einem neuen Gutachten belegen, dass die Farbe schon früher verfügbar gewesen sei- entgegen allen anderen Erkenntnissen, wie etwa denen des angesehenen Doerner-Instituts der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München.
Auch das in Bonn gezeigte Frühwerk "Medea", das der damals gerade 16-jährige Modigliani laut Katalog im Jahr 1900 als Bildnis einer Jugendfreundin auf Sardinien gemalt haben soll, gilt als zweifelhaft. Mit dem Profilporträt wirbt auch eine Website im Internet für Grundstücksverkäufe auf einer "Azienda Modigliani" in der Nähe von Cagliari und behaupten unter Berufung auf Christian Parisot, Modiglianis Vater sei auf Sardinien als Unternehmer tätig gewesen. Für einen Aufenthalt dort gibt es in der seriösen Modigliani-Literatur aber keinerlei Beweise. Im Jahr 1900 schwebte Modigliani wegen einer Tuberkulose-Erkrankung zwischen Leben und Tod. Dass seine Mutter ihn zu der Zeit nach Sardinien reisen ließ, ist unwahrscheinlich. Ebenso gibt es keinen Beleg für eine geschäftliche Tätigkeit seines Vaters dort.
Verblüffend ähnlich
Als mögliche Fälschung gilt nach SZ-Informationen auch das angeblich 1918 entstandene Brustbild "Junge Brünette", das seinen Weg auf die zehntausendfach gedruckten Plakate, Aufkleber und auf den Ausstellungsfolder fand, der gleich drei der anzuzweifelnden Werke werbewirksam als Originale abbildet. Es ähnelt verblüffend Modiglianis "Sitzender Frau in blauem Kleid" von 1917 aus dem Moderna Museet in Stockholm. Der Kopist verstand allerdings weder die Frisur der Frau auf dem Originalbild, noch erkannte er - vielleicht wegen einer schlechten Malvorlage -, dass die Farbe ihres Kleides nicht schwarz war. Das in Bonn ausgestellte Brustporträt "Maria" schließlich versinkt in völlig Modigliani-untypischem Farbmatsch.
Klären wird die Bonner Staatsanwaltschaft müssen, ob die Verantwortlichen in der KAH schon vor der Ausstellungseröffnung etwas von Parisots Machenschaften ahnten. Über sie war schließlich in den vergangenen Jahren immer wieder in der Fachpresse und auch - von Stefan Koldehoff, einem der beiden Verfasser dieses Textes - im Bonner Katalogbuch berichtet worden, gegen das von Parisot informierte Leihgeber rechtlich vorzugehen drohten.
Wurden alle, zum Teil von Christian Parisot vermittelten Leihgaben von kompetenten Experten auf Echtheit hin untersucht? Gab es aussagefähige Originaldokumente zu ihrer Herkunft? Für Fragen über seine Zusammenarbeit mit Christian Parisot war Vitali nicht zu erreichen.
Zwei Lager
Es habe schon im Vorfeld der Bonner Ausstellung Unregelmäßigkeiten gegeben, räumte KAH-Intendant Robert Fleck, der im Januar von Christoph Vitali die künstlerische Leitung des Hauses übernommen hatte, im Mai bei einer Podiumsdiskussion über "Original, Fälschung oder Kopie?" ein: "Die Ausstellung wurde entschieden und kuratiert von Christoph Vitali in Zusammenarbeit mit Susanne Kleine als Projektleiterin. Es gab deutlich zwei Lager in der Modigliani-Forschung, und man kann so eine Ausstellung nur machen, wenn man sich für eines der beiden entscheidet", erzählte er. "Die Versuche, fragwürdige Bilder durch die Ausstellung weißzuwaschen, waren so vielfältig und erfindungsreich - ich habe nicht einmal geahnt, dass es so etwas gibt, die Vorbereitung war wirklich nicht langweilig."
Mit der Intendanz der KAH übernahm Robert Fleck im Januar von Christoph Vitali als erste Ausstellung seiner Amtszeit auch dessen problematisches Modigliani-Projekt. Dass die Zusammenarbeit mit Christian Parisot Schwierigkeiten mit sich brachte, die viel zu lange ignoriert oder verdrängt worden waren, wurde spätestens zu diesem Zeitpunkt deutlich.
Der Vertrag mit Christian Parisot sei im Januar ausgelaufen, bestätigte Robert Fleck in einem Gespräch mit der SZ. Danach hätten Christoph Vitali, Susanne Kleine und er selbst eigenhändig die möglichen Leihgeber kontaktiert und Werke ausgewählt: "Parisot rief dann sogar an und fragte nach - er war überrascht, dass wir nicht mehr auf ihn zurückkamen. Aber jedes Werk - und das war anhand der Vorlagen, E-Mails oder Abbildungen sehr kompliziert - wurde von uns zu dritt geprüft. Zuletzt ist es dann das Gefühl, das entscheidet."
In einigen Fällen allerdings trog das Gefühl offenbar.
Stefan Koldehoff hat für das Begleitbuch zur Bonner Ausstellung den Beitrag über die Fälschungsproblematik bei Modigliani geschrieben, ohne zu diesem Zeitpunkt die Auswahl der ausgestellten Werke zu kennen.
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(SZ vom 26.06.2009/kar)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Leider habe ich den Artikel erst heute entdeckt und gelesen.
Es gibt ein paar Ungereimtheiten bezüglich der Auseinandersetzung wann zum ersten Mal Titaniumweiss al Malmittel eingesetzt wurde bzw für einen Maler zur Verfügung gestanden haben kann.
Das schwächt die Argumentation der beiden SZ Autoren (angebliche Fälschung eines 1916 gemalten Modigliani).
Aus der Sicht eines Malers ist das Titaniumweiss ein Segen, da es das toxische Bleiweiss ablöste.
Hier das Zitat aus den SZ Artikel und ein paar Quellen zum selber beurteilen.
( )Ein anderer, angeblich 1916 gemalter "Liegender Frauenakt", den Parisot 1996 im vierten Band seines Werkverzeichnisses ("Témoignages") als authentisches Werk publiziert hat, enthält nach materialtechnischen Untersuchungen des University College London Titaniumweiß - einen Farbzusatz, der erst später in den Handel kam. Parisot bestreitet dies inzwischen und will mit einem neuen Gutachten belegen, dass die Farbe schon früher verfügbar gewesen sei- entgegen allen anderen Erkenntnissen, wie etwa denen des angesehenen Doerner-Instituts der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München. ( )
SZ-online, von Catrin Lorch und Stefan Koldehoff, Auf der faulen Haut Modigliani-Fälschungen, 25.06.2009,
Titandioxyd, ist ein Oxid des Metalles Titan, soll zu Anfang des 19.Jahrhunderts zum erstenmal dargestellt worden sein. Um 1870 wird von einem Versuch berichtet, Titandioxid als Pigment zu verwenden, aber erst nach dem ersten Weltkrieg begann in den USA und in Norwegen die fabrikatorische Herstellung einer Titanweißsorte, die 25 Prozent Titandioxid als deckende und färbende Bestandteil enthielt.
Aus: Max Doerner, Malmaterial und seine Verwendung im Bilde, 14.Auflage, Stuttgart 1976, S. 25
Die KRONOS INTERNATIONAL, Inc. ist ein deutsch-amerikanisches Unternehmen der chemischen Industrie und Produzent von Titandioxyd.
Die Geschichte des Unternehmens beginnt 1916 mit der nahezu gleichzeitigen kommerziellen Herstellung von Titandioxid in Fredrikstad (Norwegen) und Niagara Falls (USA). Das Pigment aus dem norwegischen Werk wurde bereits unter dem Namen "Kronos Titan White" vermarktet.
In Norwegen betreibt die Tochtergesellschaft Titania A.S. eine eigene Ilmenit-Mine, aus der der Rohstoff für die Titandioxid-Produktion stammt.
HISTORY OF OUR TiO2 PRODUCTS
NL Industries, Inc. was organized as a New Jersey corporation in 1891 and predecessor companies of its majority-owned subsidiary, KRONOS Worldwide, Inc.,
An Werken Modiglianis, der 1920 - übrigens als Italiener, für den italienisches und nicht französisches Recht gilt - gestorben ist, bestehen in Deutschland keine Urheberpersönlichkeits- oder Nutzungsrechte mehr."
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Was hat das mit dem Urheberrecht zu tun, wenn man eine Ausstellung mit Bildern macht, die der Künstler verkauft hat, damit der Eigentümer diese ausstellt. Es ist allenfalls für den Katalog von Relevanz.
"...Wann dieser Vertrag begann und ob Parisot ein Honorar erhielt, will die Leitung der Kunst- und Ausstellungshalle heute ebensowenig beantworten wie die Frage nach dem Gesamtetat der Ausstellung..."
Warum nicht? Immerhin profitiert die Kunsthalle von öffentlichen Mitteln, da sollte sie auch verpflcihtet sein, deren Verwendung offen zu legen.
"Ein einziges Mal nur, bevor er in den Ruhestand gehe, wolle er seine Sicht auf Modigliani zeigen, hatte Vitali Freunden und Kollegen immer wieder erzählt..."
Tja, das ging dann ja wohl nach hinten los. Wo Eitelkeit über Vernunft siegt, ist üblicherweise nicht mehr zu retten. Trotzdem: Schöne Bilder, wenn auch gefälscht und zu teuer eingekauft. Immerhin gibt´s einen Krimi gratis dazu.
ist leider seit jeher von mafiösen Strukturen durchzogen.Mittlerweile gibt es quantitativ gesehen ein vielfaches an Plagiaten als an bestätigten Originalen.Ich als Freischaffender stehe auf dem Standpunkt, wer einen Modigliani haben möchte, sollte sich einen malen.