Doch drei Jahre später übertraf sich Jackson bei weitem. Seine epochale Platte "Thriller" mit weltweiten Hits wie "Billie Jean" und "Beat It" wurde zum meistverkauften Popalbum aller Zeiten. Jackson spielte im Weißen Haus, er sang als primus inter pares die von ihm und Lionel Richie geschriebene Benefiz-Hymne "We Are The World", er drehte mit "Thriller" das aufwendigste und bekannteste Video aller Zeiten.

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Jackson war damit der erste Popstar mit einem globalen Publikum geworden. Die bis dato gültigen rassenspezifischen Genregrenzen von Rock und R&B waren Geschichte. Und er war der erste Schwarze, der das afroamerikanische und das weiße Publikum gleichermaßen begeisterte. Damit legte er den Grundstein für die Entwicklung des Pop und seiner Rezeption in den achtziger und neunziger Jahren.

Trotz seiner jüngsten Geldprobleme war Jackson auch ein immens erfolgreicher Geschäftsmann. Schon 1984 kaufte er Northern Songs, einen Katalog von Tausenden Musiktiteln, zu dem auch das gesamte Beatles-Werk gehört. 2007 kamen die Rechte an der Musik von Stars wie Beck und Eminem hinzu. Ein Teilverkauf an Sony linderte finanzielle Schwierigkeiten.

Doch schon vor "Bad" (1987), seinem zweiten großen Albumerfolg, begann Jackson mit der Transformation seiner selbst in eine Kunstfigur, die später immer gespenstischere Züge annahm. Schon die goldbetressten Phantasieuniformen, die Lederhosen, der Nietenzierat, die weißen Socken und die ins Gesicht baumelnden nassen Locken, mit denen er in den frühen achtziger Jahren auftrat, waren merkwürdige stilistische Statements: nicht schön, nicht männlich und nicht sexy, obwohl sie behaupteten, all das zu sein. Doch sie passten zu seinen exaltierten Tanzbewegungen, dem Falsett-Gekiekse und den gepressten Atemstößen, die zu seinen Markenzeichen wurden.

Als Jacksons Haut jedoch zusehends heller wurde, als sich seine Nase in das Näschen einer Comic-Figur zu verwandeln begann, als sein Kinn plötzlich einen 90-Grad-Winkel beschrieb, gesellte sich zu Jacksons Musikkarriere eine zweite Existenz hinzu: die des "Wacko Jacko", dem Liebling der Klatsch- und Sensationspresse. Jackson hatte viel davon selbst verschuldet, als er fälschlich behauptete, er schlafe in einem Sauerstoff-Zelt, um langsamer zu altern. Doch schon seine Freundschaft zum Affen Bubbles, war nicht mehr erfunden.

Ebensowenig wie die zu dem 13-jährigen Jordan Chandlers, der aussagte, Jackson habe ihn auf der Neverland-Ranch, Jacksons Kindertraum von einem Haus, sexuell missbraucht. Nachdem die Geschichte monatelang durch die Presse gezogen worden war, einigten sich Chandlers Vater und Jackson 1994 außergerichtlich. Jacksons Heirat mit Elvis Presleys Tochter Lisa Marie im selben Jahr musste vor diesem Hintergrund erscheinen wie ein PR-Manöver.

Zwei Jahre später ließen sie sich scheiden. Auch seine zweite Ehe, mit der Krankenschwester Deborah Rowe, bot der Yellow Press reichlich Stoff. Nach der Scheidung 1999 erhielt Jackson das Sorgerecht für die Kinder, die seitdem, oft mit Tüchern verhüllt oder in anderer Maskerade, immer wieder mit ihm auftauchten. 2002 folgte ein drittes Kind, das von einer Leihmutter ausgetragen wurde. Doch Jacksons Image als Vater war für immer ruiniert, seit er den Säugling im selben Jahr mit dem ausgestreckten Arm im vierten Stock des Berliner Hotel Adlon über den Balkon hielt.

Der letzte Schlag kam mit der britischen TV-Doku "Living with Michael Jackson", in der Jackson gänzlich unbefangen von seinen Nächten mit dem 13-jährigen Gavin Arvizo erzählt. Der fünfmonatige Missbrauchsprozess "The People vs. Michael Jackson" Anfang 2005 wurde zu einem der größten Medienspektakel der letzten Jahre. Dass Jackson am Ende freigesprochen wurde, war letztlich nicht mehr als eine Fußnote. Seine Karriere galt als beendet.

Nur selten machte Jackson nun noch Schlagzeilen: Mal sah man ihn in einer Buchhandlung in Las Vegas, dann tauchte er in Dubai auf. Die Konzerte in London, die eine Million Menschen besucht hätten, sollte die jahrelange Durststrecke beenden - und nebenbei helfen, ausstehende Rechnungen zu begleichen.

Doch niemand hatte sich wirklich vorstellen können, wie der Peter Pan des Pop würdig altern könnte.

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  1. Der Peter Pan des Pop
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(sueddeutsche.de/cag)