Max Mosley und die "Bild" Party mit Folgen

Die Bild-Zeitung berichtete offenherzig über Mosleys Präsenz auf einer Party mit Sadomaso-Elementen. Der Formel-1-Chef klagte - und einigt sich jetzt mit Springer.

Von Hans-Jürgen Jakobs

Im englischen Guardian hat Max Mosley Ende 2008 ein besonderes Interview gegeben. Da differenzierte der mächtige Präsident der Formel 1 etwa zwischen Sex und Sadomasochismus. Sex sei ein "sehr merkwürdiges, tierisches Ding, das man nicht ganz versteht", meinte Mosley: Aber warum sollte man sich sorgen, solange keiner verletzt werde?

Nun hat der Mann aus London auch einem deutschen Presseorgan ein sehr ausführliches Interview über Mädchen und Motoren gegeben, das an diesem Samstag erscheint - just in Bild, jenem Blatt, das derart offenherzig über Mosleys Präsenz auf einer Party mit Sadomaso-Elementen berichtete, dass der Rennsport-Funktionär eine Klage über 1,5 Millionen Euro Schmerzensgeld anstrengte. Der Staatsanwalt ermittelte sogar bei Springer, der Heimstatt von Bild.

Das aktuelle, harte Interview über die wichtigen Fragen im Leben des Max Mosley gehört zu einer außergerichtlichen Einigung, die seine Anwältin Tanja Irion nach Information der Süddeutschen Zeitung mit Springer geschlossen hat. Danach breitete sich der Brite im Blatt aus; das Interview wurde groß auf Seite eins angekündigt. Springer verpflichtet sich zudem, auf Wunsch Mosleys 200.000 Euro zu spenden - jeweils die Hälfte davon fließen an eine Stiftung der Formel 1-Organisation und an eine Kinderklinik des Berliner Herzzentrums.

Fall erledigt, Klage zurückgezogen

Damit ist der spektakuläre Fall erledigt, Mosley zieht die Klage zurück. Es gab Strafanzeigen gegen Redaktionsverantwortliche und 30 Unterlassungsbegehren. Zu Prozessen vor dem Hamburger Landgericht, die für Korrespondenten vieler Zeitungen wohl ein Pflichttermin geworden wären, kommt es nicht.

Bild-Chefredakteur Kai Diekmann stemmte sich öffentlich gegen Mosleys juristische Offensive mit Verweis auf einschlägiges Recherchematerial: "Es ist eine Schande, dass wir - soweit wir das wissen - zusammen mit dpa als einzige gegen Mosley vor Gericht kämpfen", sagte er Ende Mai. Anwältin Irion hatte gegen Dutzende deutscher Medien, darunter die Süddeutsche Zeitung, einstweilige Unterlassungsverfügungen erwirkt.

In Deutschland machte Mosley geltend, er habe wegen der Berichte berufliche Nachteile gehabt. Alles in allem ging es um die Frage, ob Nazi-Symbole eine Rolle bei der Party des Formel-1-Chefs gespielt hatten, dessen Vater Sir Oswald Mosley einst in den dreißiger Jahren die britischen Faschisten angeführt hatte.

Auch für Springer gab es ein Prozessrisiko. Die britische Gazette News of the World, die exklusiv über Mosleys Stelldichein mit fünf Damen berichtet hatte, wurde vor gut einem Jahr wegen Verletzung der Intimsphäre zu 60.000 Pfund Schadenersatz verurteilt. Das Blatt hatte eine Gespielin mit einer Minikamera versehen, entsprechende Clips landeten bei YouTube. Bild zeigte Bilder - und war damit voll im Privatleben.

Ein Verlagssprecher erklärt auf Anfrage lediglich, dass man "grundsätzlich" keine Auskunft über die Berichterstattung vom kommenden Tage gebe.