Magazin: Landlust Radikale Sensationsarmut

Drei Verlage versuchen, den großen Erfolg des Magazins Landlust zu kopieren. Aber warum wollen so viele Menschen Artikel über den "ehrwürdigen Efeu" und den "majestätischen Uhu" lesen?

Von K. Riehl

Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut ist nur sehr selten in einen handfesten Skandal verwickelt - nicht einmal eine von Mensch zu Mensch übertragbare Krankheit ist nach ihm benannt. Wohl deshalb ist das Tier in der medialen Aufmerksamkeit stark unterrepräsentiert.

Doch während an den Kiosken auch diesen Monat Katie gegen Angelina, Madeleine gegen Letizia auf den Titelseiten der buntesten Blätter um die Gunst der celebritygeilen Konsumenten buhlen, thront ein Regal weiter das Magazin Landlust. Auf seinem Titel trabt das Kaltblut, die Ausgabe wird voraussichtlich mehr als eine halbe Million Mal verkauft.

Seit Ende 2005 erscheint Landlust im Landwirtschaftsverlag und versteht sich als Beitrag zu den "schönsten Seiten des Landlebens". Die üblichen Titel aus diesem Zeitschriftensegment schaffen mit Texten zu Schweinezucht und Schweinemast eine Auflage in Höhe von gerade mal 14.000 bis 113.000 Stück. Landlust stand im dritten Quartal 2009 bei 549.277 Exemplaren. Zum Vergleich: Das Peoplemagazin Gala verkauft um die 360.000 Stück, die Frauenzeitschrift "Freundin" 525.882.

Inzwischen liegen drei weitere Hefte zur Lust im Land in der Auslage, die dem Original - nun ja - gleichen. Im August 2008 brachte der neu gegründete Hannes Scholten Verlag aus Stuttgart "Liebes Land" heraus, verkaufte mit der ersten Nummer allerdings bloß 71.116 Exemplare. Die WAZ-Gruppe (Echo der Frau, Neue Welt) legte im Sommer mit einer WAZ-Version nach (Landidee), im Oktober erschien dann Landleben aus dem ipm-Verlag, der sein breites Angebot an Wohn- und Gartenheften (Homes and Gardens) um einen Ableger im Landhausstil erweiterte. Über ihre Verkaufszahlen - wer hätte es anders erwartet - will sich die WAZ nicht äußern, bei ipm wird von einer Testphase gesprochen. Man darf annehmen, dass Kopieren nicht immer die clevere Lösung ist.

Liebe, Land, Leben - man hätte denken können, dass sich weitere Wortkombinationen verbieten. Nicht für das Medienhaus Burda (Bunte), das sich jetzt den Titel "Landglück" schützen ließ. Eine "präventive" Maßnahme, heißt es. Doch Burdas Verlagsgruppe "Living/Garden" in Offenburg arbeitet schwer an dem Thema: Mein schöner Garten präsentierte einen Sonderdruck (Lust auf Landleben), das Schwesterblatt Wohnen und Garten versuchte sich an Countryside.

Was sind die Gründe für den Erfolg, der Landlust fast spielerisch zufällt? Ein Rückzug in die Natur, weil alle Konsumphantasien geträumt und ausgelebt wurden? Weil der Börsencrash den Schein des Lebens bloßgestellt hat? Trendforscher identifizierten die Zielgruppe als das Hauptkriterium. Es handelt sich um "Lohas": gut verdienende Städter, die ihr Müsli im Bioladen mischen lassen, handgestrickte Mützen schätzen und den Rückzug ins Einfache suchen.

Lesen Sie auf Seite 2, warumThemen wie Klimawandel oder die Not der Milchbauern nicht ins gedruckte Paradies passen.