Little Britain Steinbutt & ich

Auch dieses "Kaufmanns-Und" ist in London allgegenwärtig: Eine Filiale der Bekleidungskette Marks & Spencer.

(Foto: REUTERS)

Am Weltmittelpunkt des "&" wird einem wieder klar, dass es durchaus englische Vokabeln gibt, die man im Laufe seines Lebens bereits behutsam in den eigenen Wortschatz eingereiht hat.

Von Christian Zaschke, London

Die Jermyn Street ist die Hemdenstraße Londons, es sitzen dort ein paar ziemlich bekannte Schneider, unter ihnen New & Lingwood, Hilditch & Key, Hawes & Curtis, Turnbull & Asser und Harvie & Hudson. Auch Schuhmacher wie Foster & Son oder Crockett & Jones laden dazu ein, schnell ein paar Tausend Pfund auf den Kopf zu hauen. Aber keine Sorge, es ist keine übertrieben vornehme Straße.

Im Grunde ist die Jermyn Street ziemlich hässlich, und gleich neben St. James's Church hat sich sogar die Filiale eines Kettenkaffeeladens ins Straßenbild geschmuggelt. Es soll Menschen geben, die entgegen aller Vernunft tatsächlich immer noch dann und wann eine Zigarette rauchen, was bekanntlich gesundheitsschädlich ist, impotent macht etc. pp.

Daher sei nur sehr nebenbei verraten, dass diese Filiale über einen recht schönen Hinterhof verfügt, in dem man zum Kettenkaffee eine Zigarette unter freiem Himmel genießen könnte. Stilles Wasser wird kostenlos gereicht, die Ascher werden regelmäßig geleert.

Es heißt, die Hemdenlädendichte in London sei so hoch wie nirgends sonst auf der Welt. Vor allen Dingen aber gibt es nirgends sonst so viele Geschäfte mit einem "&" im Namen. Daher ist die Jermyn Street gewissermaßen der Weltmittelpunkt des "&", auf Deutsch: Kaufmanns-Und. Der wunderbare Sender BBC Radio 4 schickte neulich eine kleine Abordnung in die Jermyn Street, um für eine Reportage über das "&" zu recherchieren. Radioleute postierten sich vor den Läden, um nichtsahnende Passanten zu fragen, wie dieses "&" wohl auf Englisch heiße.

Das beste englische Wort, das ich vor dieser Radio-4-Sendung kannte, ist "turbot". Ich hatte es mit Anfang 20 eher zufällig auf einer Schautafel mit Fischen entdeckt und sehr behutsam in meinen Sprachschatz eingefügt. Dort schlummerte es vor sich hin. Eines Tages saß ich mit Freunden in einem Restaurant in einer mittelgroßen Küstenstadt im Norden Deutschlands. Die Stadt ist unter anderem dafür bekannt, eine höhere Dönerlädendichte aufzuweisen als Berlin.

Es heißt, die Dönerlädendichte in der mittelgroßen Küstenstadt sei so hoch wie nirgends sonst auf der Welt. Aus unerfindlichen Gründen machte das Restaurant, in dem wir saßen, in Fisch. Auf einer Tafel stand: "Heute Steinbutt". Mein Kumpel Lehmann, damals Haus-Anglist unserer Studenten-WG, zeigte beiläufig auf die Tafel und beschied: "Was Steinbutt auf Englisch heißt, weiß auch kein Mensch." Ich habe bis zum Hauptgang darüber nachgedacht, ob ich ihn eines Besseren belehren soll.

Das "&" heißt auf Englisch, wie ich nun weiß, "ampersand". Ich habe es sehr behutsam in meinen Sprachschatz eingefügt.