Literatur Verliebt bis zur Schmerzgrenze

Lesefest "Lit.love" setzt auf rosa Luftballons und Emanzipation

Von Franziska Rentzsch

München Auch wenn man am Wochenende nichts ahnend das Verlagsgebäude von Random House betreten haben sollte, kann man in etwa abschätzen, in welch einer Veranstaltung man da gelandet ist. Die Geländer sind mit rosa Herzchen-Luftballons verziert, an den Wänden steht in dicken Lettern "Love", und die Toiletten sind nicht nur mit Büchern über das Schlussmachen ausgestattet, sondern einheitlich zum Frauenbereich erklärt. Es ist wieder "Lit.love" in München: Zum zweiten Mal haben neun Verlage eine Reihe von Autorinnen eingeladen, ihre Büchertische aufgestockt, rosa Bändchen verteilt und die Türen für ein fast ausschließlich weibliches Publikum geöffnet.

Liebe soll es also sein, von der da gelesen und in der geschwelgt werden will. Dabei kann die Definition derselben bisweilen unappetitlich ausfallen. Wie würde etwa die Nachwuchsautorin Ulla Scheler ihre erste Liebe in drei Worten beschreiben? Als "Magen-Darm-Grippe", sagt sie. "Es fühlt sich alles anders an, es ist von allem zu viel, und man ist froh, wenn es vorbei ist." Und wie schreibt man dann von dieser üblen Liebe? Die Bestsellerautorin Lucinda Riley hat ihr eigenes Rezept: "Zuerst erbreche ich alle meine Gedanken in mein Mikrofon, und den Berg an Erbrochenem tippe ich dann ab." Keine schöne Vorstellung, und trotzdem ist Riley eindeutig der Star des Festivals. Dabei kommt sie deutlich damenhafter daher, als sie spricht, mit Chanel-Täschchen, schlank, braun gebrannt. Nach der Familie und dem Schreiben sind "Häuser" ihr drittliebstes Hobby. Kostspielig könnte man meinen, aber nicht für eine Lucinda Riley, die gerade erfolgreich ihre Reihe "Die sieben Schwestern" an Hollywood verkauft hat.

Nun liefert ein Literaturfest über Liebe nicht unbedingt die neuesten Erkenntnisse - dass Verliebtsein schön und schrecklich sein kann, der Traummann auch Ecken und Kanten haben darf, und man in der Regel weiß, wie es für die Protagonisten am Ende ausgeht, ist ja bekannt. In den begleitenden Gesprächsrunden aber klingt vor allem an, dass es einer Betonung starker Frauen heute durchaus noch bedarf. Zwar ist der Liebesroman in erster Linie ein "Wohlfühlroman". In zweiter Linie aber, und da sind sich Autoren und Verleger einig, habe er eine emanzipatorische Aufgabe, solle die Stärke der Frau herausstellen und weibliche Vorbilder schaffen.

Dabei scheint das Literaturfest für die Besucherinnen vor allem eines zu sein: eine Gelegenheit, sich in die langen Schlangen vor den Verkaufs- und Signiertischen einzureihen. Verhängnisvoll, wie sich zuweilen zeigt. Denn da der Verlag die Bücher auch gerne nach Hause liefert, vergisst die eine oder andere schon mal ihre Emanzipation: "Vielleicht schicken Sie das Paket doch lieber an eine andere Adresse. Wenn mein Mann das sieht ..." Stark sein, liebe Frauen!