Das Rätselraten hat ein Ende: Der begehrteste Literaturpreis der Welt geht in diesem Jahr an den französischen Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio. Berühmt wurde er mit dem Roman "Das Protokoll".
Lyriker, Dramatiker und Romanciers - die diesjährigen Kandidaten für den begehrten Literatur-Nobelpreises kamen aus allen literarischen Richtungen - und aus aller Herren Länder.
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Literatur-Nobelpreisträger 2008: Jean-Marie Gustave Le Clézio. (© Foto: afp)
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Zum wohl glücklichsten Literaten machte die schwedische Nobel-Akademie nun den französischen Novellist Jean-Marie Gustave Le Clézio. Der Preis wurde dem 68 Jahre alten Autor zuerkannt als "dem Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase, dem Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilsation". Bekannt wurde der Novellist im Jahr 1963 mit dem Buch "Das Protokoll". Le Clézio gehörte in diesem Jahr zu dem erweiterten Favoritenkreis. Er ist seit 1985 der erste französische Literatur-Nobelpreisträger.
Der am 13. April 1940 in Nizza geborene Le Clézio wurde mit seinen zivilisationskritischen, zum Teil autobiografischen Romanen um versunkene, weit entfernte Welten zu einem der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart. Viele Werke des am 13. April 1940 in Nizza geborenen Autors erschienen auf Deutsch: "Der Goldsucher", "Onitsha", "Ein Ort fernab der Welt", "Revolutionen" und zuletzt "Der Afrikaner".
Das Raunen
Wer "das Vorzüglichste in idealistischer Richtung geschaffen hat", dem steht nach Ansinnen des Stifters Alfred Nobel der Nobelpreis für Literatur zu. Im vergangenen Jahr war das nach Ansicht der Jury die Britin Doris Lessing. 2006 wählte die Jury den populären türkischen Schriftsteller und Menschenrechtler Orhan Pamuk in den literarischen Olymp. 2005 ging der Preis an Harold Pinter aus Großbritannien, 2004 an die Österreicherin Elfriede Jelinek.
Seit Beginn der Vergabe des Nobel-Literaturpreises nahmen lediglich zwei Herren die höchste literarische Ehre nicht an: 1958 musste der sowjetische Autor Boris Pasternak den Preis auf Druck seiner Regierung hin zurückweisen. Der Franzose Jean-Paul Sartre weigerte sich 1964, die Auszeichnung anzunehmen, weil er in der Annahme des Preises zu Zeiten des Kalten Krieges ein politisches Statement sah, dem er sich verweigern wollte.
In kaum einem anderen Feld sind die Spekulationen im Vorfeld der Vergabe so ausufernd und nebulös wie in der Literatur. "Die Akademie wählt am liebsten einen Europäer", schrieb die Stockholmer Zeitung Dagens Nyheter am Mittwoch. Nobelpreis-Juror Horace Engdahl erklärte in einem in Fachkreisen heftig diskutierten Interview mit der Nachrichtenagentur AP Europa zum "literarischen Zentrum der Welt". An der Spitze des vermeintlichen europäischen Favoritenfeldes wurden in den Wochen vor der Verkündung bevorzugt ein Italiener und ein Portugiese gesehen:
Claudio Magris, Professor für Moderne deutschsprachige Literatur an der Universität von Triest und Essayist und Kolumnist für die italienische Tageszeitung Corriere della Sera, machte sich vor allem mit seinen Werken zur mitteleuropäischen Kultur einen Namen. Sein bekanntestes Buch "Danubio" ist eine literarische Reise entlang der Donau.
Der portugiesische Schriftsteller António Lobo Antunes gilt seit Jahren als aussichtsreicher Kandidat auf den Literaturnobelpreis. In seinen Büchern thematisiert er die Geschichte und Gegenwart seines Heimatlandes. Sein Hauptaugenmerk liegt auf dem Schicksal des "kleinen Mannes" und dem Leben am Rande der Gesellschaft.
"Literarisches Zentrum der Welt"
Auch deutschen Literaten wurden durchaus Chancen auf den berühmtesten Preis für Literatur ausgerechnet: Neben dem Schriftsteller und Dramatiker Botho Strauß wurde überraschend in den letzten Tagen auch der Name Herta Müller gehandelt, eine in Rumänien geborene deutsche Schriftstellerin.
Für Zündstoff sorgten die Europa-freundlichen Verlautbarungen des schwedischen Chef-Jurors vor allem deshalb, weil Engdahl die US-Literatur als "zweitklassig, isoliert und vom Massengeschmack abhängig" bezeichnet hatte. Nobel-Spekulanten sahen in diesen Äußerungen die Bestätigung eines Kontinentalmatches zwischen Europa und USA.
Wenngleich die Europäer in den letzten Jahren zumeist die Nase vorne hatten, wurden gerade in diesem Jahr auch viele amerikanische Autorennamen gehandelt. Neben den Postmodernisten Don DeLillo und Thomas Pynchon, waren der Dichter John Ashbery und der Romancier Philip Roth im Gespräch.
Als aussichtsreiche Nicht-Europäer auf das Nobel-Diplom und das Preisgeld von zehn Millionen schwedischen Kronen galten abseits davon der syrisch-libanesische Lyriker Adonis, sein südkoreanischer Kollegen Ko Un und der politisch engagierte israelische Schriftsteller Amos Oz.
Am 10. Dezember findet in Stockholm die offizielle und feierliche Verleihung des Literatur-Nobelpreises durch den schwedischen König Carl Gustaf statt.
- Nobelpreis für Physik Die Retter der Symmetrie 07.10.2008
- Nobelpreis für Chemie Eine grün leuchtende Revolution 08.10.2008
- Nobelpreis für Medizin "Gegen ein Dogma angegangen" 06.10.2008
- Fotos aller lebenden Nobelpreisträger Schau mir ins Hirn, Kleines 30.09.2008
- Kurzbiographie Alfred Nobel 06.10.2008
(sueddeutsche.de/dpa/rtr/ap/jb/rus)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Als eingefleischte Buchhändlerin, weitgereiste Abenteurerin und zudem frankophil kenne ich Le Clézio seit Jahren. Seine Bücher stehen selbstverständlich in meiner Bibliothek und ich freue mich für ihn. Nur traurig, dass es momentan keine lieferbaren Titel gibt, damit ihn nun auch das breitere Publikum endlich kennenlernt. Ansonsten hätte ich den Preis an Alice Munro vergeben. Sie bleibt auch noch zu entdecken!
Über die Äußerungen des Kommittee-Mitglieds braucht man nicht zu streiten, die sind ziemlich dumm. Aber wer die Verleihung des Preises an Le Clézio anzweifelt, ist ignorant. Le Clézio ist einer der produkivsten und angesehensten Autoren im französischsprachigen Raum und wird an den Unis schon seit Jahren gelehrt und als Geheimtip gehandelt. Mit Philip Roth kann er es allemal aufnehmen, und daß er eine bessere Wahl ist als Doris Lessing, ist sowieso klar (aber wer ist das nicht).
Ein Ungleichgewicht besteht nämlich tatsächlich: Da Englisch von weitaus mehr Lesern verstanden wird als die anderen westlichen Sprachen, haben Engländer/Amerikaner einen Vorteil bei der Vergabe von internationalen Literaturpreisen, weil man eben lieber im Original liest und deshalb die Engländer/Amerikaner eher kennt als die anderen. Wer sich hier abfällig über Le Clézio äußert, hat wahrscheinlich noch keine Handvoll französischer Gegenwartsautoren gelesen, aber schon wesentlich mehr englischsprachige.
Karlstadt: Also was wollns denn nun überhaupt?
Valentin: Na, den Ding, den Nobeln den nobeln Preisträger halt, den wo die in Stockholm...
Karlstadt: Ahh, den Böll wollns...
Valentin: Naa, net den Böll, iih will
ob das Kommitee den "besten" Schriftsteller kuert, was ja eh objektiv nicht moeglich ist, sondern um die arroganten Auslassungen des Chef-Jurors ueber amerikanische Literatur. Schweden ist ja bekanntlich der Nabel Europas und mit weltberuehmten Schriftstellern nur so gesegnet, da kann man ruhig mal herablassend sein. Amerika nahm manche der, sagen wir mal, eigenwillig-eurozentrischen, Entscheidungen der juengsten Vergangenheit (Pinter, Jelinek, Grass und Lessing) mit Sportsgeist, aber sowas kann man von einem schwedischen Juror offenbar nicht erwarten.
Bin gespannt wer den Friedens-Nobelpreis erhaelt: ABBA? IKEA? Oder doch Bono fuer seinen unermuedlichen Einsatz vom Learjet aus fuer die armen Unterprivilegierten dieser Welt.
Abdyk? Sie meinten Updike, oder? Schon gelesen? oder wollen Sie sich hier nur als großer Literaturkenner in Positur werfen. Vielleicht ist es aber auch gar nicht so schlecht wenn relativ unbekannte drankommen. Die Üblichen Mainstream- Kandidaten, die nicht schlecht sein müssen, drängeln sich schon auf allen anderen Preis-Galas. Das ist dann so wie beim dt Fernsehpreis, wenn jedes Jahr Mario Adorf und Iris Berben die Preise in versch. Kategorien abräumen. auch langweilig. Der Vertreter der schwed. Akademie hat gesagt, dass abseits davon, dass Beschwerden nicht kommentiert werden, es mit den Preisentscheidungen wie mit einem Kuss sei, um den man nicht vorher bittet und für den man sich hinterher nicht entschuldigt. Finde ich schön. auch schön, das Nobelkommitee nimmt ausdrücklich nicht für sich in Anspruch den "besten" Schriftsteller zu küren. das ist sowieso denkbar schwer. Ich finde es sowieso fragwürdig ob man einen solchen Preis braucht, der ja auch ein Stückweit als eine Art Entscheidungshilfe für den Leser und den Buchmarkt gilt. Es braucht viel mehr solcher renomierter Preise für junge Schriftsteller, die haben es nötiger als die Alten, die schon alles abgeräumt haben.
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