Literatur Entwicklungsroman

Das schreibende Trio hat sich bewährt: Thomas Schmidt, Carolin Frölich und Daniel J. Kühn (von links).

(Foto: oh)

Der "Bergfrauendoktor" wird fortgesetzt

Von Jürgen Moises

Die richtig feine Art war das ja nicht von Lucky Frohwein. Einfach dem "Bergfrauendoktor" Adi Stürzel die große Liebe auszuspannen. Bei den Lesern des Romans "Der Bergfrauendoktor - Ein Leben voller Abstriche" von Carolin Frölich, Thomas Schmidt und Daniel J. Kühn hat das dem ehemaligen Schlagerstar wohl nicht gerade Sympathien eingebracht. Aber trotzdem. Wer ganz tief in sich hineinhorcht, muss sich eingestehen: So ein richtig, richtig übler Kerl ist dieser Lucky Frohwein doch nicht. Und seine besten Zeiten, die hat er ebenfalls schon hinter sich. Verdient er da nicht eher unser Mitleid?

Wer jedenfalls dem alten Aufschneider und Weiberer ein wenig Mitgefühl entgegenbringt oder auf seine Hits wie "Ich zeig Dir gleich mein Edelweiß" abfährt, der stellte sich nach der Lektüre des Romans sicher die Frage: Hey, was ist eigentlich aus Frohwein geworden? Die Autoren des "Bergfrauendoktors" haben das jedenfalls getan und den Musikjournalisten E. Blume erfunden, der mit derselben Frage im Kopf dem Ex-Schlager-Star nachspürt. Was er herausgefunden hat, kann man an diesem Donnerstag in der Import Export Kantine erfahren. Dort werden Frölich, Schmidt und Kühn einen Teil von Blumes Recherchen unter dem Titel "Das Lucky Frohwein Experiment" vorstellen.

Diese führen, das sei schon mal verraten, tief in die Abgründe der Schlagerindustrie. Und sie könnten sogar eine Antwort darauf liefern, warum verdammt nochmal fast jeder Schlagersänger gleich klingt. Lucky Frohwein wollte der Industrie entkommen und sein eigenes Ding durchziehen. Aber seine neuen "Psychoballaden" will einfach keiner hören. Und als dann dieser Musikjournalist auftaucht, der sonst nur über anspruchsvollen Jazz schreibt, wittert Lucky die Chance auf ein Comeback. Ein bisschen könne man Frohwein mit einem "traumatisierten Nestbeschmutzer" vergleichen, meint Daniel J. Kühn. Oder auch mit einem "singenden Donald Trump".

Auf jeden Fall sei er eine "recht dankbare Figur" und dies auch der Grund dafür, warum sie am Spin-Off-Roman zum "Bergfrauendoktor" arbeiten. Im Moment sind sie nämlich noch mitten drin, entwickeln die Geschichte von Lesung zu Lesung weiter, genauso wie sie es beim "Bergfrauendoktor" getan haben. Die Lesungen, von denen es schon ein paar gab - am 26. Oktober wird noch eine weitere im Teamtheater Salon stattfinden - funktionieren dabei fast so wie ein "Druckmittel". Auch, dass man sich zu dritt gegenseitig pusht, findet Thomas Schmidt ideal, der auch schon vorher Texte geschrieben aber immer Probleme hatte, diese fertig zu kriegen.

Carolin Frölich hat die Dreier-Konstellation überhaupt erst zum Schreiben gebracht. Daniel J. Kühn hat bereits Erzählungen veröffentlicht und jahrelang die Lesereihe "speak&spin" mit veranstaltet, die bis 2013 im völlig sinnlos abgerissenen Café Gap stattfand. Das fertige Frohwein-Buch soll nächstes Jahr erscheinen, im Idealfall inklusive Platte. Denn die Musik von Lucky Frohwein muss man natürlich hören. Dazu gibt es dank der Band The Lucky Frohwein Experience auch bei der Lesung Gelegenheit. Diese hieß früher Luca Rose, war eigentlich schon aufgelöst und wurde durch die Kraft von Frohweins Lyrics reanimiert. Ein Beispiel gefällig? Okay, aus "Discofieber": "Ich der King im Discofieber / 42 Grade aus / Schweiß und Schminke, Lack und Leder / Heute heißt es Fang die Maus."

Das Lucky Frohwein Experiment, Do., 29. Sep., um 21 Uhr, Import Export Kantine, Dachauer Str. 114