Lesenswert Texttheater

Badewannenmonolog: Gerhard Polt mit Sektkübel und Duschhaube in "Ekzem Homo".

(Foto: Andrea Huber / Münchner Kammerspiele)

Polt-Biermösl-Programm "Ekzem Homo" als Buch

Von Karl Forster

Das Resümee: Ja, es funktioniert. Das Poltsche Projekt von der Bühne zum Buch funktioniert sogar ganz wunderbar. Und das ist erstaunlich aus mehreren Gründen. Zum einen ist das Rezept, nach dem Gerhard Polt & die Well-Brüder ihr in den Münchener Kammerspielen im Februar 2015 uraufgeführtes Stück "Ekzem Homo" gebastelt haben, schon etwas abgespielt. Nur halt mit einem dezent anderen Personal nach dem Auseinandergehen der Biermösl Blosn. Man denke nur an "Tschurangrati" oder "Obatzt is". Zum anderen ist es etwas anderes, Polts Texte und die Lieder der Well-Brüder im Theater live zu erleben als sie in gedruckter Version sich mehr oder weniger selber vorlesen zu müssen. Und zum ganz anderen ist es so, dass Texte, die Gerhard Polt aus Aufsatz, also zum Lesen schreibt, selten jenen bösen Gaudifaktor haben, wie seine gesprochenen, gestolperten, verdrehten, auch wenn vorher jeder Stolperer, jeder Verdreher auf dem Papier aufs Exakteste ausgearbeitet worden ist.

"Ekzem Homo" also. Aus dem Bibelwort "Ecce Homo" - siehe, ein Mensch - wurde also "Das Ekzem Mensch". Und dass ein Ekzem etwas recht Bösartiges ist, dürfte bekannt sein. Wenn also sich jetzt beim Lesen dieser Theatertexte einen immer wieder Lachanfälle anwandeln, dann darf man von einer perfekten Zweitverwertung sprechen; noch dazu der Autor dieser Zeilen dieses Polt-Well-Werk damals in den Kammerspielen verpasst, also nicht gesehen und gehört hat. Nach der Lektüre bedauert er dies jetzt um so mehr. Wobei das Lesen der Poltschen Auslassungen zu den aktuellen politischen Themen vom Nazi-Grattler über den Pegida-Schießbefehl an den Grenzen bis zur Miesbacher Landkreispolitik inklusive Sparkassenvorstand, Vorteilsnahme und Bestechung während des Lesens schon substituiert wird von der intensiven Kenntnis Poltscher Vortragskunst. Dieses Wissen liest quasi mit, und man sieht ihn immer irgendwie vor oder neben sich, wenn es im Text beispielsweise heißt: "Wenn wir den Ersten Weltkrieg nicht verloren hätten, hätte es den Zweiten nicht gebraucht."

Johan Simons, den Matthias Lilienthal, sein Nachfolger als Kammerspiel-Intendant, durch ein etwas merkwürdiges Verständnis von Theater unfreiwillig zur Legende geadelt hat, führte Regie bei "Ekzem Homo". Was hier wohl bedeutete, nur hie und da ein paar Anmerkungen gemacht zu haben. Stefan Merki gibt den Kammerspiele-Schauspieler Stefan Merki und die stark pigmentierte Funke Konate spielt die stark pigmentierte Funke Konate. Eine sehr typische Polt-Well-Exposition also. Dass das gedruckte Ergebnis dieses musikalisch-theatralen Hybrids gefällt, liegt letztlich an der Wortmächtigkeit des Bühnen-Polt, die sich auch ins Gedruckte hinüber zu retten vermag. Polts Leib- und Magen-Verlag Kein & Aber wird hier nicht draufzahlen.

Gerhard Polt & Die Well-Brüder, "Ekzem Homo", Fotos Andrea Huber, Verlag Kein & Aber, 20 Euro