Kurzkritik Zauberhaft

Der Festspiel-Liederabend mit Damrau und Deutsch

Von Andreas Pernpeintner

Die fünfte Zugabe bei diesem Liederabend im Nationaltheater bringt eine letzte Intensivierung. Helmut Deutsch hat gar keine Noten mehr dabei. Doch Diana Damrau kramt lächelnd auf ihrem Pult und übergibt ihrem Klavierbegleiter das Benötigte. Ein entspannter Moment, der zeigt, wie groß bei Sängerin, Pianist und Publikum das Wohlbefinden ist. Deutsch setzt sich - und dann schwebt kristallklar heran, was man sich insgeheim wünschte, seit er Schuberts "Ganymed" die denkbar schönste Klavier-Oberstimme schenkte: Richard Strauss' "Morgen!" So hübsch und honigtriefend all die Rachmaninow-Lieder waren und so sehr Damrau und Deutsch sie genossen - vor diesem Strauss-Lied muss Rachmaninow kapitulieren. "Und auf uns sinkt des Glückes stummes Schweigen" lautet der letzte Vers, und nicht einmal Damraus köstliche Textvariante "dummes Schweigen" kann den Zauber brechen.

Angekündigt ist der "Festspiel-Liederabend Diana Damrau". Heißt der Pianist aber Helmut Deutsch, ist das nur die halbe Information. Mit welchem Gespür für Tongebung und Stimmgewichtung dieser Liedbegleiter aller Liedbegleiter Lieder begleitet, ist ein Erlebnis. Damrau weiß das und ist in ihrer sprühend frischen Art der Kommunikation mit dem Publikum redlich bemüht, beim Applaus den etwas knorrig neben ihr stehenden Herrn ins rechte Licht zu rücken.

Auch musikalisch kommt das frisch Sprühende nicht zu kurz. Strauss' "Nichts", eine der Zugaben, beweist es - aber auch, wie beredt Damrau die Schubert-Lieder gestaltet, etwa die rhythmisch feinsinnige Goethe-Vertonung "Geheimes". Herrlich luftig zeichnet sie leise Linien, artikuliert präzise und natürlich, ohne je überprägnant zu werden. Ob sich Lied-Puristen noch weniger Vibrato wünschten, müssen die Lied-Puristen sagen. Aber gewiss nicht bei Strauss. Hier ist der sängerisch gewachsene Ton Konsens, und Damrau gelingen die Lieder überragend.