Kurzkritik Sehr persönlich

Raphaela Gromes bei den Münchner Symphonikern

Von Egbert Tholl

Was für ein reizender Beginn. Die Münchner Symphoniker spielen im Herkulessaal die Musik der sehr selten zu hörenden "Don Juan"-Ballett-Pantomime von Gluck, und es ist eine reine Freude. Attilio Cremonesi ist ein Spezialist für Alte Musik, er dirigiert ohne Taktstock, aber mit einem Lachen im Gesicht. Miniatur reiht sich an Miniatur, jede besteht aus einer neuen Idee. Zwar ist nicht jede dieser Ideen unbedingt geistreich, aber die Lust und die Verve, wie die Symphoniker straff und dynamisch sauber abgestuft diese Aphorismen in tönende Miniszenen verwandeln, sind herrlich. Es endet mit furiosen Furien, die Gluck später ans Ende seines "Orpheus" setzte.

Dann betritt Raphaela Gromes in einem schönen, klassizistischen Kleid die Bühne, passend zu Luigi Boccherini und dessen erstem Cellokonzert, aber nicht unbedingt zu ihrem Spiel, denn wie eine Karyatide wirkt sie da wahrlich nicht. Mit dem ersten Ton stellt sie eine ungeheure Intimität her, ihr Spiel ist vom Fleck weg sehr persönlich, nichts wirkt gemacht. Mit leicht heiserem Celloton erzählt sie die Musik, empfindet sie. Im ersten Satz probiert sie einen schelmischem Flirt mit dem Konzertmeister, doch der schaut da gerade in seine Noten. Im zweiten Satz geht es andersrum, doch sie ist versunken in die Musik, im dritten Satz klappt es. Gromes begeistert mit ihrer Freude, paart eine gesunde Erdigkeit mit federleichten Ausflügen. In der ersten Kadenz probiert sie ein paar interessante Dissonanzen aus, verwirft sie, präsentiert dann ganz locker stupende Virtuosität, kehrt zur Klangexegese zurück und schafft immer wieder Momente reiner Poesie. Zur Zugabe spielt sie zusammen mit dem Solocellisten der Symphoniker, Philipp Wiede, Pablo Casals' Adaption eines katalanischen Volkslieds, er ist ihr Schatten, sie der helle Gesang.

Nach der Pause fehlt es leider ein wenig an Glanz und Klangmacht, und auch Cremonesi kann nicht plausibel machen, weshalb Louis Spohrs dritte Symphonie lohnend zu entdecken sei.