Kurzkritik Präzise geführt

Die Münchner Philharmoniker unter Krzysztof Urbański

Von Klaus Kalchschmid

Wenn ein junger Dirigent weiß, was er will und das in Proben und auch bei der Aufführung mit origineller, klarer, unmissverständlicher Zeichensprache elegant vermitteln kann, dann geht ein Orchester präzise und leidenschaftlich mit. So war das auch Sonntagvormittag. Die Münchner Philharmoniker folgten - nicht zum ersten Mal - dem 35-jährigen Polen Krzysztof Urbański in der Philharmonie bei jedem Wink seines Stabs und jeder Geste seiner Hände.

Schon die dritte Leonoren-Ouvertüre war in ihrer Dramaturgie dynamisch fein gearbeitet. Wann je hat man die leisen Stellen so zurückgenommen und zugleich gefährlich lauernd wahrgenommen, wie hier? So klang das Ganze tatsächlich wie eine Zusammenfassung des dramatischen Geschehens von Ludwig van Beethovens "Fidelio", kulminierend im berühmten Trompetensignal für die rettende Ankunft des Ministers. Am Ende beglückte die zweite Symphonie von Johannes Brahms dank eines stets bestechend natürlichen Flusses der Töne. Er verhinderte, dass die manchmal schwermütige, basslastige Musik allzu erdverhaftet klang. Trotz überlegen gestalteter Steigerungen und großer Ausbrüche bestachen auch hier die leisen Momente am meisten. Zauberhaft etwa gelang mit Luftigkeit und Eleganz das sanft-heitere "Allegretto grazioso", bevor das finale "Allegro con spirito" tatsächlich vor Esprit nur so sprühte.

Dazwischen passte das letzte Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart (C-Dur KV 503) perfekt: Denn Piotr Anderszewski verstand sich am Flügel als primus inter pares und vermochte doch stets mit lebendiger, plastischer Artikulation präsent zu sein, nicht zuletzt in einer ungemein farbigen, modernen Kadenz, die trotzdem den ersten Satz am Ende nicht sprengte. Die Münchner Philharmoniker begleiteten in diesem fast symphonischen Konzert auf Augenhöhe und klanglich exquisit: So verströmte auch das schlichte Andante eine dichte Gesanglichkeit.