Kurzkritik Elegisch

Poppy Ackroyd im Einstein Kultur

Von Martin Pfnür

Es sind durchaus vertraute, mitunter allzu vertraute bewegte Bilder, die über der Musikerin in Schwarzweiß auf eine kleine Leinwand geworfen werden. So sieht man dort etwa die grazilen Flugmanöver eines Vogelschwarms. Das transparente Kräuseln aufsteigenden Zigarettenrauchs. Die hoch aufgelösten Texturen einer Feder. Das Schimmern der Meeresbrandung. Oder die Krater-Oberfläche des Mondes. Innovativ sind diese Eindrücke freilich nur bedingt. Und dennoch fügen sie sich mittels ihrer engen illustrierenden Verbindung zu der Musik, die auf der Bühne im Einstein Kultur erklingt, perfekt in ein audiovisuelles Erlebnis ein, dessen elegischer Schönheit man sich bald nur allzu gern ergibt.

Denn, herrje, was ist das doch für ein fluides Perlen und Strömen, das die britische Neo-Klassik-Solistin Poppy Ackroyd da aus ihrem Piano zaubert, welches ihr sowohl als Tasten- als auch als Perkussions- und Saiten-Instrument dient. Angereist, um ihr drittes Album "Resolve" vorzustellen, für das sie erstmals auch mit Gastmusikern arbeitete, spielt sich die Londonerin allein durch eine erlesene Auswahl ihrer ungemein charakteristischen Kompositionen. Wo sie sich für neue Stücke wie "The Calm Before" zuweilen des Samplings bedient, um auch dessen rhythmisierende Klarinetten-Töne einzuflechten, entsteht das Gros ihrer Tracks über den Einsatz einer Loop-Station, in die sie eine Vielzahl an live eingespielten Klangpartikeln einspeist.

Mal ist es ein sanftes Pochen, mal ein energischeres Klopfen auf Korpus und Saiten ihres Pianos, mal sind es gezupfte Pizzicati, die sie ihrer E-Geige ebenso entlockt wie den Piano-Saiten. Im geloopten Zusammenklang ergibt das eine wunderbar entrückend zirkulierende Musik zwischen feinteiliger Fragilität und kraftvoll aufbrausenden Crescendi, die einen besonders in Form von Geniestreichen wie "Feathers" oder "Glass Sea" jenseits jedes Kitschs an Orte trägt, wie sie kontemplativer kaum sein könnten.