Kurzkritik Der Mixer

Keiner mischt Latin und Jazz so brillant wie der Pianist Arturo O'Farrill

Von Oliver Hochkeppel

Anfangs schlich sich Arturo O'Farrill sozusagen ins Konzert. Begann ansatzlos solo am Flügel der Unterfahrt, sodass das Publikum erst langsam gewahr wurde: Aha, das Konzert hat schon begonnen. Man kann das symbolisch für das Credo O'Farrills, für seine Methode halten: Der 56-Jährige ist zum aktuellen König des Latin Jazz geworden, weil er geradezu osmotisch zwischen den Zellwänden der beiden Stile rein- und rausschleichen kann. Gelernt hat er das wohl schon bei seinem Vater, dem kubanischen Komponisten Chico O'Farrill, vor allem aber dann als Pianist oder gar musikalischer Leiter so unterschiedlicher musikalischer Exponenten wie Carla Bley, Wynton Marsalis, Lester Bowie, Jerry Gonzales oder Harry Belafonte: Jazztradition wie -avantgarde, afrokaribische wie nordamerikanische Rhythmik und Spielweise, Komposition und Improvisation gehen bei ihm Hand in Hand.

Diese Meisterschaft bewies er auch beim außer hier nur an einigen erlesenen europäischen Clubs wiederholten Auftritt mit seinem Afro-Latin Jazz Octet , einer abgespeckten Variante des Orchesters, das er von seinem Vater übernommenen hat: Eben noch mit klassischer Clave im typischen Salsa-Modus, ist er einen Takt weiter plötzlich in reinem Bebop; kaum hat man sich an Rumba-, Bolero- oder Son gewöhnt, bricht unmerklich Swing durch.

Zumeist geht das nicht in Reinform vor sich, sondern wird in Schichten übereinander gelegt, aus denen sich mal die eine, mal die andere absetzt und hervortut. Das ergibt nicht nur ein dichtes Klanggewebe, das sich meist nach viel mehr als nur einem Oktett anhört, sondern es versöhnt auch - und das unterscheidet O'Farrills und seine rhythmisch wie im Ton bezwingend sattelfeste Band von vergleichbaren Latin-Truppen - die auf seiner rhythmischen Wiederholung basierende Eingängigkeit der lateinamerikanischen Musik mit der Varianz und Kreativität des Jazz. Oder auch die Füße mit dem Kopf, Tanz mit Meditation, wie in den fünf Movements seiner Ballettmusik für die Malpaso Dance Company, die zum Eindrucksvollsten dieses Abends gehörte. Da fehlten nur noch die hübschen kubanischen Tänzer und Tänzerinnen.