Kurzkritik Ausdrucksfeuer

Cellist Johannes Moser und Pianist Denis Kozhukhin

Von Harald Eggebrecht, Wildbad Kreuth

Am Ende glitt mit elegant-stolzem Schwung Camille Saint-Saëns' "Schwan" aus dem "Karneval der Tiere" in die etwa zu zwei Dritteln besetzte Festhalle des Bildungszentrums herein, die Cello-Kantilene schlechthin. Johannes Moser, Jahrgang 1979, gebürtiger Münchner, weltweit als einer besten Cellisten unserer Tage gefeiert, besticht weiterhin mit energiegeladenem, dabei stets schlankem, federndem Ton, er röhrt nicht in der Tiefe und schreit nicht in der Höhe. Es ist technisch wie klanglich kultiviertes Cellospiel ersten Ranges mit eher tenoralem als baritonalem Timbre. Als Klavierpartner war Denis Kozhukhin dabei, 1987 geboren, Sieger im Brüssler Wettbewerb 2010, neben der Solokarriere auch Kammermusiker.

Besonders gelang an diesem Abend die e-Moll-Sonate von Johannes Brahms, deren Kopfsatz gern mit der Melancholie des späten Brahms dargestellt wird. Doch Moser und Kozhukhin zeigten die unverstellte Dramatik und Aggressivität in dieser Sonate, wenn man sie mit so zupackender wie unnachgiebiger Intensität spielt. Gewiss, der lange Abschied am Ende des Kopfsatzes, der doch ins Versonnene und Schmerzliche gerät, kam dabei etwas zu kurz, was aber die Wirkung von Mosers elektrisierender Spannung nicht schmälerte. Auch die Zopfigkeit des zweiten Satzes kostete Moser so spöttisch aus, wie sie Brahms konzipiert hat. Da blieb Kozhukhin allerdings etwas zu neutral. Hingegen bewiesen die beiden, welche Funken aus der Schlussfuge zu schlagen sind. Der Satz verführt oft zu stumpfem Gehacke und Gedröhne. Hier dagegen loderte Ausdrucksfeuer und bebte geschmeidige Kraft. Zuvor hatten sie Sergei Rachmaninows ausladende Sonate um eine Spur zu eilig geboten. Dabei lädt das Stück ein, im besten Sinne sich auszusingen und raffiniert zu schwelgen.

Begonnen hatte der Abend mit einem der bedeutendsten Stücke der Celloliteratur überhaupt: Debussys später Sonate, deren unerhörte Knappheit höchste Präzision im Lichtwechsel, Geistesgegenwart und Reaktionsschnelligkeit verlangt. Doch zu Beginn ist das einfach zu viel von den Spielern verlangt, also kam es nur zu einer respektablen Annäherung. Es wäre schön, Johannes Moser, diesen jugendlichen Cellohelden, wieder öfter in München hören zu können.