Kurzkritik Aufgeputscht

Zum Glück zurück: Der Rapper Marteria im Backstage

Von Stefan Sommer

In den Wirren der Aufbruchstimmung hievt sich am Rand des sich leerenden Raumes ein nackter Oberkörper zurück auf die Bühne. Als wäre er in Seenot und würde sich am Schiffsbug retten, windet er sich nach dem Konzert zwischen den letzten Besuchern nach oben - und torkelt aus dem Licht nach hinten. Nicht nur für den fix und fertigen Kid Simius, den Kopf der Band hinter Marteria, ist das Konzert des Rostocker Rappers ein Ereignis. Bei seiner triumphalen Rückkehr ins Backstage mangelt es nicht an Höhepunkten: Oben-ohne-Stage-Diving, Unten-ohne-Stage-Diving, teambildendes Band-Stage-Diving, ein Wiedersehen mit Marsimoto und die Premiere eines starken neuen Albums.

Genau hier hatte 2009 auf seiner ersten Tour durch Deutschland die Karriere des Rappers begonnen. Nur wenige Monate nach dem Tod von Michael Jackson hatte der damals 27-Jährige gerade den ersten großen Plattenvertrag beim Fanta-Vier-Label "Four Music" unterschrieben und laborierte an seiner zweiten Platte "Zum Glück in die Zukunft I". Zusammen mit Kollegengrößen wie Jan Delay, Casper oder Peter Fox entstanden Songs wie "Verstrahlt" und "Endboss", die zu Schlüsselwerken einer neuen Deutschrap-Schule werden sollten. Die von Baller-Beats und Görenchören orchestrierten Vollgas-Synapsen-Kitzler "Kids (2 Finger an den Kopf)" oder "OMG!" vom Nachfolgealbum rückten den Sound des Wortwitz-Virtuosen mit der tiefergelegten Stimme klar Richtung Pop und machten "Zum Glück in die Zukunft II" zum Nummer-Eins-Album.

Die Single "Aliens", der erste Vorbote der Ende Mai erscheinenden neuen Platte "Roswell", führt die Entwicklung Marterias weiter. Gerade mit Live-Schlagzeug und einer präzisen Band werden neue Stücke wie "Das Geld muss weg" im Backstage zu aufgeputschten Alles-oder-Nichts-Hits. Die vielleicht längste und wildeste Zugabe der Welt, ein bestens aufgelegter Marteria, seine charismatische Aura und der anarchische Spieltrieb bieten am Mittwochabend beste Unterhaltung.