Kunst Live, aber nicht echt

Facebook-Tour zu Van Goghs Sonnenblumen

Von Evelyn Vogel

Er wollte die Sonne Südfrankreichs festhalten. So malte Vincent van Gogh im Sommer 1888 in Arles eine Serie von Sonnenblumen-Bildern, die weltweit zu den bekanntesten Motiven der Kunstgeschichte gehören. Fünf davon hängen in verschiedenen Museen weltweit. Und wenn ein Kurator es schafft, auch nur zwei der berühmten "Sonnenblumen" in einer Schau zu präsentieren, wie das vor drei Jahren in der National Gallery in London gelang, dann ist dieser Ausstellung sehr viel Aufmerksamkeit gewiss. Geradezu spektakulär wäre es, fünf von ihnen an einem Ort zu vereinen. Dass dies je geschieht, ist aus konservatorischer Sicht unwahrscheinlich.

So lässt die Ankündigung der Pinakothek der Moderne München, fünf "Sonnenblumen"-Versionen zusammenkommen zu lassen, aufhorchen. Neben dem eigenen Exemplar sind es die aus der National Gallery in London, dem Van Gogh Museum in Amsterdam, dem Philadelphia Museum of Art und dem Seiji Togo Memorial Sompo Japan Nipponkoa Museum of Art in Tokio. "Als Weltpremiere in einer virtuellen Ausstellung" werden die Bilder auf den jeweiligen Facebook-Kanälen der Museen für jeweils 15 Minuten zu sehen sein. "Mit Hilfe von Virtual-Reality-Technologie, 3D-Computergrafiken und den Bilddateien der Kunstwerke wurde ein digitaler Ausstellungsraum entwickelt, der ein ,echtes' Erleben der gemeinsam ausgestellten Sonnenblumen simuliert", wird versprochen. Dazu sprechen Experten über Leben und Werk van Goghs.

Nette Spielerei, fünf Museen auf drei Kontinenten virtuell zu besuchen. Aber ein "echtes Erleben"? Unterläuft ein Museum nicht seinen Auftrag, den Menschen den Unterschied zwischen Original und Abbildung deutlich zu machen, wenn es einen Live-Stream - und mag er technisch noch so raffiniert sein - als Ersatz für den Besuch verkauft? Wer mit dem Google-Art-Project ein Bild so detailliert ansehen kann, wie er es im Museum nicht tun könnte, hat einen Zugewinn. Der virtuelle Besuch von fünf Sonnenblumen-Bildern macht hingegen noch lange keinen Sommer.

Van Goghs Sonnenblumen auf Facebook, Mo., 14. August, 18.50 Uhr