Kunst Happy End im Lenbachhaus

Rudolf Schlichter: Porträt der Helene Weigel (1928).

(Foto: Ernst von Siemens Kunststiftung / Viola Roehr-v. Alvensleben / Lenbachhaus)

Stiftung erwirbt Weigel-Porträt, das bald neben Brecht hängen soll

Von Evelyn Vogel

Als das neusachliche Porträt Helene Weigels von Rudolf Schlichter Ende vergangenen Jahres in der Herbstauktion der Villa Grisebach in Berlin angeboten wurde, schätzten die Fachleute, dass es für 200 000 bis 300 00 Euro unter den Hammer kommen würde. Es kam jedoch anders. Der Zuschlag erfolgte erst bei 480 000 Euro und summierte sich mit Zuschlägen auf 600 000 Euro. Ein stolzer Preis, den - wie man jetzt weiß - die Ernst von Siemens Kunststiftung zahlte.

Denn soeben hat das Lenbachhaus in München bekannt gegeben, dass es das 1928 entstandene Schlichter-Porträt Helene Weigels als Dauerleihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung zukünftig ausstellen wird, nachdem es "im ausdrücklichen Einvernehmen mit den Erben" bei Grisebach versteigert wurde. Hängen wird das wertvolle Gemälde nicht irgendwo, sondern direkt neben Schlichters Bildnis von Bertolt Brecht, einer Ikone der Neusachlichkeit. Womit das Paar Brecht und Weigel, das die Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts wesentlich mitprägte, bildlich vereint sein werden.

Dass es zu einem solchen Happy End kommen würde, schien lange Zeit Wunschdenken. Denn das Gemälde hat eine wechselvolle Geschichte. Es gehörte spätestens seit 1929 dem Schauspieler Alexander Granach. Geboren 1890 in dem jüdischen Schtetl Werbowitz in Ost-Galizien, ging dieser 1906 über Wien nach Berlin und spielte von 1909 an dort sowie in München. 1933 floh er zunächst in die Sowjetunion, später in die Schweiz und emigrierte 1938 in die USA, wo er in Hollywood unter anderem an der Seite von Greta Garbo in "Ninotschka" Karriere macht. Er starb im Alter von 54 Jahren an den Folgen einer Blinddarmentzündung in New York.

Das Bild ließ Alexander Granach vor seiner Flucht aus Deutschland über seine Lebensgefährtin Lotte Lieven-Stiefel an Bruno Hübner zur Aufbewahrung geben. Zunächst befand es sich in Familienbesitz und anschließend in einer süddeutschen Privatsammlung. Der Sohn Granachs suchte lange nach dem Gemälde. Unter anderem wurde es im Lost Art Register, der Datenbank für Raub- und Beutekunst, geführt. Nach der Einigung zwischen Granachs Erben und dem damaligen Besitzer im vergangenen Sommer wurde das Gemälde dann in Berlin versteigert. Dass es die Ernst von Siemens Kunststiftung erwarb und dem Lenbachhaus zur Verfügung stellt, sorgt dort für helle Freude. Und ermöglicht allen Besuchern einen schönen Vergleich der Neusachlichen Bildnisse im Lenbachhaus.