SZ: Wie viel Zeit geben Sie der Papierzeitung noch, welche Titel wird es auch in 20 Jahren noch geben?
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Lloyd: Zu den Qualitätszeitungen, die überleben, gehören wahrscheinlich "FAZ", "Die Zeit", "Figaro", "Financial Times", "New York Times", "Washington Post", "Corriere della Sera", "La Repubblica", "El País" und einige andere. Sie werden überleben, weil sie eine Kernleserschaft haben, die sie am Leben hält, weil sie eine Online-Strategie gefunden haben und Unterstützer besitzen oder in Zukunft noch welche finden werden. Zeitungen, die ich für gefährdet halte, sind einige der großen Stadtzeitungen in den Vereinigten Staaten oder "Libération" in Frankreich, "La Stampa" in Italien und möglicherweise "Die Welt", wenn es für den Verlag irgendwann zu teuer wird, sie zu halten. Der springende Punkt ist, dass Papierzeitungen den Übergang ins Netz schaffen und dort genug Geld verdienen müssen, um eine beachtliche Belegschaft an Korrespondenten zu finanzieren. Scheitern sie damit, ist es egal, ob sie überleben oder nicht.
SZ: Sehen Sie in "Googles News" eher einen Freund oder Feind für die Zeitungswirtschaft?
Lloyd: "Google News" ist derzeit eher unser Feind als Verbündeter. Und zwar weil dort Nachrichten nicht selbst produziert, sondern einfach Anderen weggenommen werden. Dadurch wird die Anziehungskraft derer geschwächt, die fürs Nachrichtensammeln bezahlen müssen. Die stellen Google unfreiwillig ihre Ressourcen zur Verfügung und bekommen nichts zurück.
SZ: Werden soziale Netzwerke wie Facebook das Internet revolutionieren?
Lloyd: Facebook und andere Social Networks ziehen radikale Effekte nach sich, gar keine Frage. Die Kombination aus Networking und der Bereitstellung von Nachrichten und Videos ergänzt die klassischen Nachrichtenmedien um einen völlig neuen Faktor: Der Konsument ist nicht mehr länger Kunde, sondern ein "Freund" oder sagen wir besser: ein "Kontakt", dessen Interessen seine anderen "Kontakte" bestens kennen. Über diese Kontakte erhält eine neue Generation von Mediennutzern das Gros ihrer Information, und nicht aus der Presse oder dem Fernsehen.
SZ: Welche Bedeutung räumen Sie Heimvideos nach dem "WeTube"-Prinzip ein?
Lloyd: Das weitet den Journalismus ins Persönliche. Dort sehe ich große Wachstumschancen für den Journalismus, allerdings wird das nicht als Journalismus anerkannt. Es sind vor allem jüngere Leute, die über sich selbst und ihre Welt berichten und so mit Nachrichten größere oder kleinere Kontaktkreis beliefern. Das ist eine Form von Journalismus - und wenn wir nach den reinen Nutzungszeiten gehen wollen, ersetzt es sogar den eher konventionellen Journalismus.
SZ: Stehen in naher Zukunft noch weitere Medienrevolutionen an?
Lloyd: Die nahe Medienzukunft wird eine Konsolidierung heutiger Trends sein: Es wird noch einfacher, schneller und bequemer werden, einen Zugang zu Programmen, Unterhaltung, Kommunikation und Information über einen Bildschirm oder ein Mobiltelefon zu erhalten. Unsere Kommunikation wird flüchtiger und zugleich intensiver. Das größte Problem für den Journalismus aber ist, ob das, was wir "Public Service Journalism" nennen, also die Analyse und Recherche, aber auch Schlagzeilen, überlebt oder nicht - und wer das finanzieren wird.
John Lloyd ist Direktor am Reuters Institute for the Study of Journalism an der Oxford Universität, Mitherausgeber der "Financial Times" und Kolumnist für "La Repubblica". Zuvor leitete er mehrere Jahre das Moskauer Redaktionsbüro der "Financial Times" und war Gründungsherausgeber des "FT Magazine". Darüber hinaus gehört er dem Direktorium des "Prospect Magazine" sowie der Moscow School of Political Studies an, arbeitet als Referent des St. Anne's College in Oxford und hat eine Gastprofessur der School of Journalism an der City University. Lloyd wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. als Journalist des Jahres, Fachautor des Jahres und mit dem David Watt Prize. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen gehören "Rebirth of a Nation: An Anatomy of Russia" (1998) und "What the Media are Doing to Our Politics" (2003). Lloyd ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt in London.
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(sueddeutsche.de/kur)
Bundespräsident Gauck in Israel
Vor allem bei Wirtschafts- und Unternehmensthemen, jetzt wieder bei der Generale: Selbst in so einem Leitmedium der Qualitätspresse wie der ZEIT fand ich die fundierten Beiträge dazu in den Leseforen, wo, wie es scheint, Insider aus den Banken, im Schutze der Anonymität, die bisherigen offiziellen Aussagen, die von den Medien , auch der Qualitätspresse, übernommen wurden, Punkt für Punkt gnadenlos zerpflücken. Diese Frechheit gegenüber Finanzherrschern kann sich eben nicht jeder Verlagsangestellte leisten.
Da muss sich einer von euch, möglicherweise von der Schule geflogen, wie mein Freund, jetzt beim Stern, oder zumindest den NC nicht geschafft, mit einem anspruchsvollen Thema befassen, mit niedrigsten Recherchekosten auskommen und den Wunsch der Chefs gemäß genau die Richtung treffen und alles, was die Chefs nicht wollen, unter den Teppich kehren. Und dann gibts diese ungehörigen Kommentare online. Da kippen Menschen, die bei dem Thema viel besser Bescheid wissen, völlig ohne Rücksicht auf vorgeschriebene Linien, ihre fundierten Argumente, gelegentlich sogar interessanter formuliert, auf die Seiten von SZ-Online, oft noch garniert mit Spott und Hohn auf den Redaktionsschreiber. Son Leiden kann nur einer ertragen mit allerbestem Gehalt, und das bekommt Ihr doch,, oder?
... und zwar der Quick-and-dirty-Journalist:
Schlecht recherchieren.
Besser nicht nachfragen.
Keine Hintergründe darstellen.
Den Annoncierenden nach dem Munde reden.
Das alles können Amateure viel schneller und billiger, siehe BILD-Leserreporter.
Für den U-Journalismus (U wie Unterhaltung) reicht die Betroffenheit des Konsumenten bis zur nächsten Werbung. ABER: Mehr Erkenntnis hat der Konsument damit nicht.
SZ: Könnte der Staat der Presse mit Beihilfen unter die Arme greifen?
Lloyd: Nein! Zeitungen sind reine Markterzeugnisse. Jede bezuschusste Zeitung würde früher oder später harmlos werden.
SZ: Wie viel Zeit geben Sie der Papierzeitung noch, welche Titel wird es auch in 20 Jahren noch geben?
Lloyd: Der springende Punkt ist, dass Papierzeitungen den Übergang ins Netz schaffen und dort genug Geld verdienen müssen, um eine beachtliche Belegschaft an Korrespondenten zu finanzieren. Scheitern sie damit, ist es egal, ob sie überleben oder nicht.
SZ: Stehen in naher Zukunft noch weitere Medienrevolutionen an?
Lloyd: Das größte Problem für den Journalismus aber ist, ob das, was wir "Public Service Journalism" nennen, also die Analyse und Recherche, aber auch Schlagzeilen, überlebt oder nicht und wer das finanzieren wird.
Hierzu ist folgendes anzumerken:
Während die Medien bis in die 70er Jahre primär als verantwortlicher Teil des politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Systems begriffen wurden, als Faktor der Meinungs- und Willensbildung, als Instrument zur Herstellung von Öffentlichkeit, sind sie heute vor allem eines: Wirtschaftsfaktor. Wenn über Medien diskutiert wird, dann geht es meist primär um Märkte, Zukunftstechnologien und Standorte.
Medien und Journalismus sind aber mehr als ein Gewerbe, mehr als eine reine Wirtschaftstätigkeit sein sollten.
Es muss ein Minimum an ethischen Standards gelten. Wir können es auch es eine Verantwortungsethik der Journalisten nennen.
Die Verpflichtung zur Wahrheit,
die Sorgfaltspflicht,
das Fairnessgebot,
die Achtung des Privatlebens, der Persönlichkeitsrechte,
die Achtung vor sittlichem und religiösem Empfinden,
Wenn sich die Verhältnisse also so gestalten, dass die Medienmacher und damit auch die Journalisten keine Rücksicht mehr auf ethische Standards nehmen können, um nicht wirtschaftlich zu scheitern , dann sollte es doch die dringliche Aufgabe aller politisch Verantwortlichen sein, Verhältnisse zu schaffen, in denen man auch als Medienproduzent wieder Moral haben kann
Also, die Politik ist gefordert. Wenn man die Medien, den Journalismus den neoliberalen Gesetzen überlässt ist dies nicht zu leisten.
Als ich ganz jung war fuhr die Eisenbahn noch mit Dampfloks. Die machten einen Heidenlärm, stießen während der Fahrt fette Rußwolken aus, sodass die Reisenden Staubmäntel anzogen ,um die Kleidung nicht zu beschmutzen lassen. Außerdem zockelte son Dampfzug ganz gemächlich durch die Gegend.
Etwas länger gab es Zeitungen, die aus billigstem Schmuddelpapier bestanden und auf denen mit Rußfarbe Buchstaben gedruckt waren. Für jede Zeitung musste man extra bezahlen Nach dem Lesen mussten wir uns die Hände waschen.
Die Nachrichten aus aller Welt kamen erst mit täglicher Verspätung beim Leser an. und dann waren sie noch zensiert und verstümmelt, sogar die Polizeiberichte. Als Verbrecher gab es nur junge Männer, die hatten weder Haut- noch Haar-Farbe, noch Vornamen, noch Herkunft, noch Sprache. Nach dem Lesen musste man das Papier in ne spezielle Mülltonne bringen, für dann man auch noch bezahlen musste
Daraufhin waren die Enkel sehr glücklich, dass sie in einer Welt mit ICE und Internet leben konnten.
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