Hörenswert Schöne Jugendsünde

Katerina Hebelkova in Verdis frühem "Oberto"

"Oberto" ist Giuseppe Verdis erste aufgeführte Oper. Sie kam 1839 an der Mailänder Scala heraus und enthält bereits vieles von dem, was man in späteren Opern des Komponisten wiederfindet, auch wenn das meiste davon noch roh und rau ist. "Oberto" ist auch ein Streifzug durch die Opernkonvention der Zeit; Chöre, Arien, orchestrale Gebrauchsmusiken und durchaus überfallartige Effekte finden sich alle im damals gängigen Opernbaukasten.

Aber alles wirkt frisch und unverblümt, gerade auf der eben erschienenen Einspielung des Werks unter der musikalischen Leitung von Marcus Bosch. Der Nürnberger Generalmusikdirektor leitet seit 2010 die Opernfestspiele in Heidenheim, dort kam der "Oberto" 2016 heraus und wurde für CD mitgeschnitten. Bosch hemdsärmelige Art zu dirigieren passt bestens zu dem Frühwerk, die Besetzung ist beeindruckend, vor allem Anna Princeva und Katerina Hebelkova.

Hebelkova verkörpert gerade die Frau Schindler am Gärtnerplatztheater, hier kann man sie nun mit etwas viel Konventionellerem hören. Sie singt eine betrogene Gattin in spe, ihr Mezzo ist von lichter Schönheit, viel weniger dunkeldrohend als in "Frau Schindler", aber hier wie dort: Die unmittelbare Klangwucht ihrer Stimme, die es ihr ermöglicht, noch aus dem kleinsten Material ein Ereignis zu machen, wirkt auch hier. Viel Gescheites ist Verdi für die Partie der Cuniza nicht eingefallen, aber dann kommt zu Beginn des zweiten Akts eine Arie der verlorenen Träume, gefolgt von einer Art Furor-Stretta, einfach hinreißend schön und dank Hebelkova sehr anrührend.

Verdis "Oberto"; Coviello Classics