Hörenswert Country versöhnt

Auf "Nero" beschäftigt sich Ian Fisher mit seiner Heimat

Von christiane lutz

Dafür, dass Ian Fisher schon vor Jahren von Sainte Genevieve, Missouri, nach Europa gezogen ist, hat er ein ganz schön amerikanisches Album gemacht. Das liegt wohl daran, dass die eigene Heimat erst wieder aus der Ferne zu ertragen ist. Weil der Singer-Songwriter so viel mit den USA haderte, zog er mit 21 Jahren nach Europa. Er tingelte durch kleine Clubs, lebte in Wien, Berlin, schlief auf dreckigen Matratzen und machte mit der Band Junior launige Popmusik. In München steht er als klampfender Narr in "Was ihr wollt" am Residenztheater auf der Bühne. Nun hat Ian Fisher sein erstes Solo-Album veröffentlicht: "Nero". Ein Country-Album durch und durch. Die Pedal-Steel Gitarre quäkt gleich zu Beginn des ersten Songs "Nero". Mandoline, wilde Fidel, schwermütiges Klavierspiel, Cowboy-Chor, alles da. Er besingt in "Almost Darlin'" Liebesbeziehungen, die seinem Leben on the road zum Opfer fallen. In "Again and Again", einem getragenen Duett mit der Musikerin Alexia Peniguel, klagt er: "I am young but I'm too old for this. Livin' on the run for nothing."

Es ist natürlich Quatsch zu glauben, dass sich die neue Heimat eines Künstlers in seiner Musik widerspiegeln müsste. Dennoch überrascht, dass auf der Platte so gar keine kreuzbergerischen oder wienerischen Einflüsse hörbar sind. Nein, "Nero" ist ein klares Versöhnungsangebot an die Heimat. Eine Beschäftigung mit dem Teil der US-Kultur, dem er sich am ehesten verbunden fühlt, dem Country. "I'm always wondering how it'd be, to move back to Saint Genevieve, to start a little family and do some settling down" singt er in "Just like a stranger". Dass er das in absehbarer Zeit tut, ist unwahrscheinlich.

Ian Fisher, Samstag, 13. Februar, 21 Uhr, Milla