Großformat Ein ultrarechter Präsident?

Dass Werner Schwabs Roman "Joe Mc Vie alias Josef Thierschädl" ein Comic wird, war nicht zu erwarten. Der Zeichner Bertram Könighofer stürzte sich dennoch in den Stoff.

Von Helmut Schödel

Es kommt nicht häufig vor, dass ein solcher Text auch in Form eines Comics erscheint. "Joe Mc Vie alias Josef Thierschädl", der im Jahr 1988 entstandene Roman des vor allem als Dramatiker bekannten Grazer Autors Werner Schwab, ist nicht unbedingt der Stoff, der sich Comic-Verlagen zur Zweitverwertung anbietet. Publiziert wurde der Text erst posthum im Jahr 2007 als erster Band einer auf elf Bände angelegten Gesamtausgabe im Literaturverlag Droschl. Ermöglicht wurde diese Edition durch die selbstlose Arbeit von Ingeborg Orthofer, der Witwe des Autors. Doch damit nicht genug: Ingeborg Orthofer, der aufgefallen war, dass ihr Mann beim Schreiben dieses Romans noch mehr zeichnete als sonst, machte sich auf die Suche nach einem Zeichner, der den Text in eine Bilderfolge verwandeln könnte. Auch weil sie wusste, wie sehr Werner Schwab Comics schätzte. Sie fand den als freier Künstler in Wien lebenden Bertram Könighofer, einen Grazer und Comicfan, dessen Stil vor allem durch die Underground-Comics der Sechziger- und Siebzigerjahre geprägt ist.

Was Könighofer, einen Kenner der Literatur von Schwab, zum Zeichnen brachte, war dann aber nicht die Titelfigur "Mc Vie", sondern eine, die als "der Präsident" eingeführt wurde. Sie ist an Kurt Waldheim angelehnt, den österreichischen Bundespräsidenten, dessen nationalsozialistische Vergangenheit zur Entstehungszeit des Romans gerade politisch Wellen schlug. Könighofer begann seine Arbeit am Comic dann zur Zeit der letzten Präsidentenwahlen, während man befürchten musste, ein Rechtsausleger, der FPÖ-Politiker Norbert Hofer, könne das Rennen machen. Werner Schwabs Text steigt jetzt in den Sprechblasen der knallvoll gezeichneten Bildchen auf, wie ein Kommentar zur aktuellen politischen Situation.