Graphic Novel Sisyphus-Trip

Aufgeweckter Autor.

(Foto: Avant Verlag)

Hamed Eshrat reflektiert sein Dichterleben in "Venustransfer" mit Zeichnungen und Text - nicht immer überzeugend.

Von Christoph Haas

Ben hat's nicht leicht. Der Brötchenjob als Programmierer ödet ihn an, und beim Comic-Machen, seiner eigentlichen Berufung, fehlt es ihm an Elan. Schlechte Laune ist angesagt, die dadurch nicht besser wird, dass seine hübsche Freundin Julia ihn zugunsten des angeberischen Alex verlässt. Auf einer langen Indienfahrt sucht Ben Erleuchtung. Nach Berlin zurückgekehrt, findet er eine neue Freundin. Gleichzeitig erfährt er, dass Julia schwanger ist - fragt sich nur, von wem.

Ähnlich seiner Hauptfigur, die zwischen mehreren Lebensentwürfen schwankt, probiert Hamed Eshrat in seinen Bleistiftzeichnungen verschiedene Stile aus. Das sorgt für Abwechslung; allerdings enthält die Wiedergabe von Bens gezeichnetem Reisetagebuch einiges ziemlich banale Gekritzel, das nur den Umfang, nicht aber den Wert dieser Graphic Novel steigert. Auch die Idee, die nicht allzu arge Hipster-Trübsal in so monumentalen Referenzen wie Camus' "Mythos von Sisyphos" und Kafkas "Verwandlung" zu spiegeln, kann nicht recht überzeugen.

Am besten ist "Venustransit", wenn mit wenig oder gar keinen Worten von Entfremdung und Sehnsucht erzählt wird, etwa wenn Ben melancholisch eine zerbeulte Plastikflasche betrachtet, die in der Spree treibt, oder wenn er, ohne damit glücklich zu werden, im Nachtleben One-Night-Stands aufgabelt. In diesen Momenten besitzt der Comic eine Dichte, eine poetische Kraft, die er sonst vermissen lässt - vielleicht sollte Eshrat sich einmal an Kurzgeschichten versuchen?

Hamed Eshrat (Text und Zeichnungen): Venustransit. Avant Verlag, Berlin 2015. 255 S., 24,95 Euro.