Gespräch mit Architekt Koolhaas "Der Diktatur der Marktwirtschaft unterworfen"

Der Großteil seiner Entwürfe lande im Papierkorb, sagt Rem Koolhaas, und Erniedrigung sei sein tägliches Los. Er arbeitet trotzdem noch sehr gern als Architekt.

(Foto: Mattia Balsamini)

Rem Koolhaas zählt zu den bedeutendsten Architekten unserer Zeit. Der 73-Jährige schimpft auf den Kapitalismus und die Stadtplaner - und erklärt, warum es ihm bei der Arbeit nicht um Schönheit geht.

Interview von Sven Michaelsen

SZ-Magazin: Sie sind der einflussreichste Architekt unserer Zeit, beschäftigen rund 350 Mitarbeiter und bauen auf vier Kontinenten Hochhäuser, Brücken, Stadien, Bibliotheken, Museen. Was wäre die Grunderfahrung Ihres Lebens, wenn Sie sich auf eine festlegen müssten?

Rem Koolhaas: Ich empfinde es als Segen, einer Generation anzugehören, die Hunger erlebt hat. Als ich 1944 geboren wurde, lag meine Heimatstadt Rotterdam zur Hälfte in Schutt und Asche, und meine Eltern lebten in bitterer Armut. Die Reifen ihrer Fahrräder waren aus Holz statt aus ...