Friedenspreis für Boualem Sansal Für das freie Wort

Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal erhält den Friedenspreis 2011 des Deutschen Buchhandels. Der renommierte Kulturpreis soll ein Zeichen für die Demokratiebewegung in Nordafrika setzen: Die Bücher des 61-Jährigen stehen in seinem Heimatland auf dem Index.

Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal erhält den Friedenspreis 2011 des Deutschen Buchhandels. Dies teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Donnerstag in Berlin zur Eröffnung der Buchtage mit. Er wolle damit ein Zeichen für die Demokratiebewegung in Nordafrika setzen, erklärte Vorsteher Gottfried Honnefelder.

Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal, aufgenommen in seinem Heimatland am in 2009.

(Foto: dpa)

Der renommierte Kulturpreis, der mit 25 000 Euro dotiert ist, wird seit 1950 vergeben. Die Preisträger der vergangenen Jahre waren unter anderen der deutsche Soziologe und Philosoph Jürgen Habermas (2001), die US-Schriftstellerin Susan Sontag (2004), der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk (2006), der deutsche Maler und Bildhauer Anselm Kiefer (2009) und der israelische Schrifftsteller David Grossman im Jahr 2010.

Die Auszeichnung wird Sansal zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 16. Oktober überreicht. Mit ihm werde ein Autor geehrt, "der als leidenschaftlicher Erzähler, geistreich und mitfühlend, die Begegnung der Kulturen in Respekt und wechselseitigem Verstehen befördert", heißt es in der Begründung des Stiftungsrats.

Der 61-Jährige, dessen Bücher in Algerien auf den Index gesetzt wurden, gehöre zu den wenigen im Land verbliebenen Intellektuellen, die offen Kritik an den politischen und sozialen Verhältnissen übten: "Mit seinem hartnäckigen Plädoyer für das freie Wort und den öffentlichen Dialog in einer demokratischen Gesellschaft tritt er gegen jede Form von doktrinärer Verblendung, Terror und politischer Willkür auf."

Der in einem Bergdorf aufgewachsene Sansal war als Ökonom in leitender Stellung in der algerischen Regierung tätig. Erst 1999 veröffentlichte er in Frankreich unter dem Eindruck des Bürgerkriegs in seinem Land seinen ersten Roman "Der Schwur der Barbaren", der 2003 auf Deutsch erschien. In der Folge wurde Sansal in Algerien im Ministerium beurlaubt und später entlassen. Er lebt trotz wachsenden politischen Drucks weiter in seinem Heimatland.