Fotografie-Messe Rare Aura

Die Auflagen werden kleiner, die Formate größer: Die Händler auf der Messe Paris Photo berichten, warum die digitale Bilderflut ihrem Geschäft nicht schadet und was sie an der Messe so schätzen.

Von Ulrich Clewing

Letztes Jahr trübte Donald Trumps Wahlsieg die Stimmung, im Jahr davor wurde die Veranstaltung nach den Terroranschlägen ganz abgebrochen. Doch seit diesem Mittwoch ist Paris wieder im Fotofieber. "Am Abend der Eröffnung herrschte eine unglaubliche Atmosphäre", sagt Thomas Zander, "wir haben von unserem Stand weg an mehrere amerikanische Museen verkauft."

Der Galerist aus Köln ist einer der Teilnehmer, die seit der Gründung der Paris Photo vor 20 Jahren ununterbrochen auf der Fotomesse vertreten sind. In dieser Zeit konnte er mitverfolgen, wie sich die Messe und mit ihr der Markt für Fotografien generell verändert haben. Früher, so Zander, war "die Qualität an den Ständen manchmal durchwachsen, doch inzwischen ist das Niveau so hoch wie nie".

Mit dieser Einschätzung ist Zander nicht alleine. Noch bis zum Sonntag zeigen in diesem Jahr 189 Galerien aus 30 Ländern Arbeiten aus ihrem Programm im Grand Palais, wobei das Spektrum der Angebote von der Frühzeit der Fotografie um die Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart reicht.

So findet man am Stand von Robert Hershkowitz aus London etwa eine eindrucksvolle, trotz ihres kleinen Formats erstaunlich monumental wirkende und wunderbar erhaltene Ansicht von Périgueux, die die Fotopioniere Gustave Le Gray und Auguste Mestral 1851 aufgenommen haben. Hans P. Kraus Jr. aus New York, seit Langem eine der ersten Adressen für alte Fotografie, hat seine Koje mit Werken von William Henry Fox Talbot, Charles Nègre, Nadar, Lewis Carroll und anderen, diesmal ausschließlich mit sehr frühen, Porträts bestückt. Am anderen Ende der Zeitschiene borgte sich eine Galerie wie Gagosian dieses Jahr Popstar-Aura und ließ ihren Stand von der fotografierenden Sängerin Patti Smith kuratieren.

Die Londoner Messe muss in einem Zelt unterkommen, diese residiert im Grand Palais

Das erklärt aber noch nicht den Erfolg der Paris Photo. Dem liegen viele Faktoren zugrunde: Zum einen ist sie die älteste Messe ihrer Art. Zum anderen bietet das Grand Palais einen Rahmen, an den jüngere Konkurrenten wie die Photo London in ihren Zelten im Hof des Somerset House nicht annähernd herankommen. Und drittens ist Paris eben Paris. Hier bleibt man gerne ein paar Tage länger. "Für die Fachwelt ist die Paris Photo der Pflichttermin im Jahr", sagt Alexander Golya von der Berliner Galerie Camera Work, wie Thomas Zander ein Teilnehmer der ersten Stunde. "Der Grad der Professionalität ist hier sehr hoch." Das kann sein Berliner Kollege Sebastian Klemm nur bestätigen: "Auf reinen Kunstmessen sieht man die wichtigen Museumsleute und Sammler nur an den ersten zwei Tagen, in Paris bleibt das Fachpublikum bis zum Schluss in der Stadt. Daraus ergeben sich nicht nur Verkäufe, sondern auch viele interessante Gespräche über geplante Ausstellungen oder andere künftige Projekte."

Das alles hat dazu geführt, dass man auf der Paris Photo gut sehen kann, wohin sich der Markt bewegt. In den letzten Jahren sind sich die Usancen des Kunsthandels und des Markts für Fotografie immer ähnlicher geworden. Dabei ist das Interesse an der Vintage-Fotografie ungebrochen. Aber für jüngere Werke gilt inzwischen mehr und mehr das Gesetz der künstlichen Verknappung. Die Zeiten, in denen Fotos in hohen Auflagen und beliebigen Formaten gedruckt wurden, scheinen endgültig vorbei.

Fotos werden heute wie Malerei präsentiert. Die Zeit der vollgehängten Kojen ist vorbei

Eine der teuersten Arbeiten am Stand von Camera Work ist dieses Jahr etwa ein Bild, das der Modefotograf Patrick Demarchelier in den Achtzigern von Christy Turlington aufgenommen hat. Der Abzug ist über drei Meter hoch, die Auflage beträgt zwei Stück und entsprechend steil ist der Preis: 525 000 Euro pro Exemplar.

So etwas hat auch Auswirkungen auf die Form der Präsentation. Waren auf der Paris Photo noch vor wenigen Jahren kleine, mit Fotos vollgehängte Kabinette die Regel, so haben sich auch da die Gewichte in Richtung Kunst verschoben. Das Unikat, das Bild als Einzelstück mit viel Wandfläche drumherum, gewinnt auch in der Fotografie immer größere Bedeutung.

Dass auf der Welt heute mehr Bilder denn je entstehen, ist nur vermeintlich ein Widerspruch. Im Jahr 2017, so Golya, werden jeden Tag weltweit 800 Millionen Fotos gemacht, die meisten natürlich mit dem Smartphone. Diese Bild-Inflation habe bei Liebhabern den Blick für das eine, ganz besondere Bild und dessen Wertschätzung nur geschärft. Auch sein Berliner Kollege Sebastian Klemm ist sehr zufrieden mit der Entwicklung auf dem Fotomarkt. Er plant, auch im nächsten Jahr wieder nach Paris zu kommen, dann aber "mit einem größeren Stand".

Paris Photo. Grand Palais. Bis Sonntag. www.parisphoto.com.