Folgen der Überschwemmungen Wenn die Kultur ins Wasser fällt

Die Semperoper in Dresden wird von mobilen Hochwasserschutzwänden geschützt.

(Foto: dpa)

Besonders in Ost- und Mitteldeutschland schwellen die Flüsse weiter an. Das hat auch für kulturelle Veranstaltungen und Einrichtungen Folgen, zahlreiche Festivals wurden wegen des Hochwassers abgesagt. Die Dresdner Semperoper hält den Fluten stand - sie ist jedoch die Ausnahme.

Von Katharina Nickel

In vielen Städten Ost- und Mitteldeutschlands steigen die Wasserpegel noch immer dramatisch an. Zahlreiche Dresdner mussten ihre Häuser verlassen, hunderte Einsatzkräfte kämpfen in Halle an der Saale dafür, dass die Dämme nicht brechen. Das Hochwasser hat auch für Bauten und Anlagen von kulturellem Wert sowie für Kultur-Veranstaltungen.

Einige Kulturgüter von landesweiter Bedeutung sind bedroht, darunter die Stadtkirche im Stuttgarter Stadtteil Bad Canstatt und das Schloss Luisium im Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Die Unesco-Welterbestätte könne durch die Mulde überschwemmt werden und sei deshalb für den Besucherverkehr gesperrt, teilte die Kulturstiftung "DessauWörlitz" mit. 2002 reichte das Wasser bis ins Schloss Luisium hinein.

Vor allem Festspiele und Kulturfestivals in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Rheinland-Pfalz sind von den Wassermassen betroffen. So mussten die Händel-Festspiele in Halle an der Saale wegen der Überschwemmungen abgesagt werden. Sie sollten vom 6. bis 16. Juni in der Geburtstadt des Barockkomponisten Georg Friedrich Händel stattfinden. "Wir müssen die Deiche sichern und können nicht feiern, wenn Menschen mit den Naturgewalten kämpfen," sagte der Rathaussprecher Drago Bock die Entscheidung der Tageszeitung Die Welt. Auch im überfluteten Meißen wurde eine kulturelle Veranstaltung Opfer des Hochwassers. Das Literaturfest, das an 50 verschiedenen Leseorten in der Stadt geplant war, wurde am Dienstag abgesagt. Etwa die Hälfte der Orte werde direkt von den Fluten der Elbe betroffen sein. Das Fest wird um genau ein Jahr auf den 5. bis 9. Juni 2014 verlegt.

Glück haten dagegen die Länder Sachsen und Rheinland-Pfalz. Zwar musste das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen wegen des Wasserpegels seinen Platz auf der Parkinsel räumen, es findet jedoch wie geplant ab 13. Juni unmittelbar daneben auf einem Gelände am Luitpoldhafen statt.

Und auch die Dresdner können sich langsam entspannen. "Momentan reichen unsere Dämme und Mauern aus, um die staatlichen Kulturgüter zu schützen", sagt Stefan Gößl vom Sächsischen Staatsministerium der Finanzen zu Süddeutsche.de. "Seit der Flut von 2002 ist sehr viel getan worden. So wurden um die Altstadt herum Mauern errichtet und aufgestockt, die einem Wasserpegel von 9,40 Meter standhalten können. Dahinter befinden sich mobile Schutzeinrichtungen, die die Zugänge zu Semperoper und Schauspielhaus sichern." Zusätzlich sorgen Brunnenanlage und fünf Pumpen rund um die Uhr dafür, dass etwa die Frauenkirche nicht von dem stündlich vier bis fünf Zentimeter steigenden Hochwasser erfasst wird.

Man habe aus den Fehlern von 2002 gelernt, sagt Gößl. So befindet sich etwa die Galerie Alte Meister nun im umgebauten, zweistöckigen Albertinum. Vor elf Jahren war ein Teil des Galerie-Depots noch in einem Kellergeschoss untergebracht. Für die Sicherheit von Schloss Pillnitz am Rande von Dresden sorgte im 18. Jahrhundert bereits August der Starke. "In den Kellerräumen läuft das Hochwasser einfach durch", so Gößl. Dennoch bleibt das Barockschloss vorerst geschlossen, weil der Garten und einige Räume in Mitleidenschaft gezogen worden sind.

So schlimm wie in Meißen, Passau oder Halle ist die Lage der Kulturgüter Dresdens also nicht. "Die Schäden sind nicht so gravierend wie beim letzten Mal, weil wir uns keinen reißenden Fluten aussetzen müssen", sagt Gößl. Trotzdem rät er: "Die Technik muss aus den Kellern raus."