"Fifty Shades of Grey" im Kino Was ihr blüht

Er ist "nun mal so", weil er selbst misshandelt wurde. Und sie hat ein Daddy-Problem. Die Verfilmung des Erotik-Weltbestsellers "Fifty Shades of Grey" ist nicht nur psychologisch lahm - statt Sadomaso gibt es Blümchensex.

Von Susan Vahabzadeh

Wenn man morgens mit der U-Bahn durch Berlin fährt, dann steht man sehr oft auf dem Bahnsteig und wartet, und an der Wand gegenüber hängen Plakate aus der Kuschelkampagne der Berliner Verkehrsbetriebe, auf denen steht, dass sie ihren Fahrgast lieben, wahrscheinlich auch, während er gerade gar nicht fährt. Man hat dann oft sehr viel Zeit, darüber nachzudenken, was für eine Art von Liebe das eigentlich sein soll. Dieses Gefühl muss irgendwie mit jenem verwandt sein, das der "Fifty Shades"-Held Christian Grey für seine Angebete Anastasia hegt, ohne die er nicht sein kann, und wenn er sie dann hat, übermannt ihn das dringende Bedürfnis, ihr wehzutun.

Die Berlinale hat nun also ihr Großereignis - die Deutschland-Premiere der Verfilmung von "Fifty Shades of Grey". Die gute Nachricht vorweg: Alle, die befürchten, dass der Siegeszug von "Fifty Shades of Grey" eine Kultur der häuslichen Gewalt wieder salonfähig macht, die einigermaßen aufgeklärte Gesellschaften eigentlich seit Jahrzehnten bekämpfen, können sich erst einmal wieder beruhigen.

Zum Einstieg ein bisschen Blümchensex

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Zu den bekanntesten Arbeiten der Regisseurin Sam Taylor-Johnson, die dann letztlich den Zuschlag bekam, den Bestseller zu verfilmen, gehört ein zweiminütiger Clip, den sie 2011 gedreht hat . Er zeigt den aktuellen 007, Daniel Craig, in Frauenkleidern. Dazu erzählt die Stimme von Judi Dench, wie viele Frauen in Großbritannien körperlich misshandelt werden. Von Sam Taylor-Johnson hat Anastasia nicht viel zu befürchten.

Es geht um Unterwerfung und gebrochenen Willen

Es ist aber trotzdem so: Bondage-Spiele oder Sadomaso-Praktiken zu mögen ist eine Sache - aber es geht in der Konstellation, die "Fifty Shades" beschreibt, um mehr, um Unterwerfung und gebrochenen Willen. Das geht schon mal damit los, dass die etwas naive und komplett unerfahrene Studentin Anastasia Steele (Dakota Johnson), ihrem Gegenüber nicht gewachsen ist. Sie kommt für ein Interview in das Büro des jungen Konzernchefs Christian Grey (Jamie Dornan), den sie zwar einschüchternd findet, aber doch irgendwie verführerisch, und schon sehr bald bittet er sie, bei ihm einzuziehen.

Er will sie, im Prinzip, kaufen: Sie kann alles haben, was sie will, Kleider, ein neues Auto - solange er mit ihr machen darf, was er will. Er möchte das, ganz der smarte Geschäftsmann, gern vertraglich absichern - es wird genau festgelegt, was das heißt, und darüber hinaus noch, was sie essen darf und was ihr blüht, wenn sie ihm nicht den gebührenden Respekt entgegenbringt. Für so was wurden, das sollte man bei aller Offenheit für sexuelle Spielarten nicht vergessen, Frauenhäuser gebaut. Anastasia braucht aber keins, ihr eigener Wille bleibt ihr erhalten.

So richtig masochistisch ist Anastasia nämlich nicht; das Etikett "Sadomaso-Buch" hat schon zu E.L. James' Vorlage nur bedingt gepasst. Es ist nicht gerade dazu geeignet, den Marquis de Sade erröten zu lassen, und es beschreibt alles Mögliche (in einem sehr wiederholungsfreudigen, begrenzten Vokabular) - in Beschreibungen von Schmerz schwelgt es nicht. Im Film sieht das dann so aus: Anastasia kriegt verschiedentlich ein paar auf den Po, und als der Geliebte dabei dann das erste Mal, auf ihren eigenen Wunsch, richtig zuhaut, packt Anastasia ihre Siebensachen; aber das ist ja auch erst Teil 1 der Trilogie.