Festival Feminismus in Aktion

Martina Marini Misterioso in ihrer Performance "Final Act".

(Foto: Sinaí Solis)

Das Magdalena-Projekt tritt mit Installationen, Theater und Workshops für Gleichberechtigung ein

Von Sara Behbehani

"Ich gehöre zu einer Familie, in der mein Großvater meine Großmutter schlug und mein Vater meine Mutter und mich selbst", sagt die serbische Aktivistin Zoe Gudović in der Villa Waldberta in Feldafing. "Ich bin eine neue Generation, die jetzt die Chance hat, diese Vererbung von Gewalt zu durchbrechen."

Gudović ist Teil einer Gruppe internationaler Künstlerinnen, die bis Ende April mit der "Magdalena München Saison" Theater, Performances und Workshops an verschiedenen Orten in und um München herum zeigen. Das Magdalena-Projekt wurde 1986 in Wales gegründet, um für Gleichberechtigung der Frauen im Theater einzutreten. Heute umfasst das internationale Netzwerk weit mehr als tausend Mitglieder, die Treffen finden stets in einer anderen Stadt statt. Zu tun gibt es auch 2018 noch genug: Noch immer sind weibliche Stimmen am Theater unterrepräsentiert, an deutschen Häusern haben Männer das Sagen. Magdalena soll den Künstlerinnen Kraft geben: Frauen stark machen und als Frau stark sein.

Zoe Gudović erfährt Gewalt nicht in der Familie, aber sie erlebt sie immer wieder in ihrer Heimat Serbien, weil sie offen homosexuell lebt. Diese Gewalt will sie in ihren Arbeiten sichtbar machen. In ihrer Installation "Dissociation", die derzeit im "Klo-Häuschen" an der Großmarkthalle zu sehen ist, läuft ein Film mit Szenen der Gay Pride Parade 2001. Unter die Worte "Tötet alle Schwulen", die die Gegner der Parade schmettern, mischen sich Szenen, in denen homosexuelle Menschen blutig getreten werden. "Wovon ich erzähle, ist hart. Aber ich tue es in lockerer Atmosphäre." Dass sie ihre Installation in einem Klohäuschen zeigt, in einem künstlerischen freilich, bereitet ihr Freude. "Ich besitze ein eigenes Klohäuschen - und dann muss ich die Straße runter zum nächsten Café rennen, um aufs Klo gehen zu dürfen." Den Ort hat sie nicht zufällig gewählt. "Wenn du, während du aufwächst, mit deiner ganzen Familie in nur einem Zimmer zusammen lebst, dann ist die Toilette der einzige Ort, an dem du privat und für dich sein kannst, an dem du träumen, denken, masturbieren darfst. Dann gehst du raus, und dort musst du stark sein."

Auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen möchte auch die brasilianische Künstlerin Thaís Medeiros. Am Abend in der Villa Waldberta, an dem die Künstlerinnen zusammengekommen sind und ihre Kunst vorstellen, legt sie auf dem Boden ein den Raum ausfüllendes Transparent aus. 140 Slips in jeder möglichen Form sind darauf zu sehen - Teil ihrer Installation "Tapete Manifesto". "140 Höschen, das ist die Anzahl von Vergewaltigungen in Brasilien pro Tag", sagt sie.

In den kommenden Wochen bieten die Künstlerinnen in München teils öffentliche Workshops an, es gibt Performances zu sehen und Vorträge (zum Beispiel am 6. März im Hoch X, "Feministischer Aktivismus als Performance"). Die knapp 40 Künstlerinnen aus 15 Ländern setzen sich auf unterschiedliche Weise mit Themen wie Migration, Gleichberechtigung und Gewalt auseinander. Festivals wie Magdalena, sagen sie, stärkten das Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Ein wichtiges Thema in diesem Jahr wird auch die "Me Too"-Debatte sein. Durch sie ist sexualisierte Gewalt gegen Frauen wieder mehr ins gesellschaftliche Bewusstsein gerückt. "Es ist wichtig, sich nicht zu verstecken, sondern sichtbar zu werden, laut zu sein und darüber zu sprechen", sagt Zoe Gudović. Helen Varley Jamieson, künstlerische Leiterin der Magdalena-München-Saison, erklärt: "Die ganze Harvey-Weinstein-Sache hat doch gezeigt, dass das, wogegen wir kämpfen, sehr viel subtiler geworden ist. Da sind all diese berühmten Schauspielerinnen, und man würde denken, sie lassen sich so einen Scheiß nicht gefallen. Aber sie tun es doch. Wir alle tun es." Dass Feminismus für viele heute wieder ein Schimpfwort ist, findet sie schade: "Der Kampf des Feminismus' hat doch dazu geführt, dass Frauen ein Stimmrecht haben, zur Schule gehen und arbeiten dürfen, dass sie in Erziehungsurlaub gehen können oder die Pille nehmen."

Was Feminismus genau ist, definieren die Frauen je nach Herkunftsland für sich unterschiedlich. Da ist die Maskenbildnerin Deborah Hunt, die ein modernes Schneewittchen als Puppenspiel inszeniert hat (24. Februar, Meta Theater Moosach), oder die Theaterpädagogin Kordula Lobeck de Fabris, die in ihrer Multimedia-Installation "Unsichtbare Orte" Bilder geflüchteter Menschen aus Afghanistan zeigt, die Heimweh und Dankbarkeit zugleich empfinden (zu sehen von 1. bis 4. März im Pathos). Vielleicht wird es Festivals wie Magdalena einmal nicht mehr brauchen, wenn Frauen und Männer wirklich gleichberechtigt sind. Bis dahin ist noch viel zu tun.