Faber-Castell Preis für ZeichnungenUnvergesslich in einer spektakelsüchtigen Szene

Es wirkt fast widersinnig, im Jahr 2012 einen internationalen Preis für Zeichenkunst auszuloben. Doch das so flaue Projekt Faber-Castell Preis hat nicht nur eine sehenswerte Ausstellung in Nürnberg verursacht, sondern mit Trisha Donnelly auch eine herausragende Künstlerin ausgezeichnet.

Es wirkt fast widersinnig, im Jahr 2012 einen internationalen Preis für Zeichenkunst auszuloben. Doch das so flaue Projekt Faber-Castell Preis hat nicht nur eine sehenswerte Ausstellung in Nürnberg verursacht, sondern mit Trisha Donnelly auch eine herausragende Künstlerin ausgezeichnet. Von Catrin Lorch.

Wer Kunst noch nach Gattungen sortiert, wirkt heute altvorderlich; die klassische Einteilung Skulptur, Malerei, Zeichnung gilt seit dem vergangenen Jahrhundert als überholt. Weil auch technische Medien wie Fotografie und Video lange schon zum Kanon gehören und inzwischen überhaupt jedes Material als kunsttauglich gilt, vor allem aber, weil die Künstler an Sparten nicht einmal mehr so weit interessiert sind, dass sie diese überwinden wollen.

Insofern wirkt es fast widersinnig, im Jahr 2012 einen internationalen Preis für Zeichenkunst auszuloben, wie er gerade in Nürnberg erstmals vergeben wurde. Dass hier mit Stiften um die Auszeichnung gefochten werden soll, rechtfertigt sich einzig aus der Position des Preisgebers: Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell stellt Stifte her und kann in der Firmenchronik darauf verweisen, dass unter anderem van Gogh, Munch und Beuys mit den Produkten der Firma nicht ungeschickt gearbeitet haben. Man fühlt sich dem Medium verpflichtet - und hat bis in die neunziger Jahre hinein auch schon Stipendien an ,,Stadtzeichner'' vergeben.

Doch das so flaue Projekt hat nun nicht nur eine sehenswerte Ausstellung in Nürnberg verursacht, die mit den fünf Nominierten - zu ihnen gehören Jorinde Voigt, Paulina Olowska, Sabine Moritz und Sevda Chkoutova - tatsächlich ein aussagekräftiges Spektrum von Arbeiten auf Papier versammelt. Der Preis kann auch eine herausragende Künstlerin als erste Trägerin verzeichnen: die im Jahr 1974 in San Francisco geborene Trisha Donnelly. Was auch insofern spannend ist, als jetzt zwei Städte in der bundesdeutschen Provinz - nämlich Nürnberg und Kassel - aktuelle Arbeiten dieser Ausnahme-Künstlerin zeigen, die vor allem eins sind: rar.

Text: Catrin Lorch/SZ vom 13.07.2012

Im Bild: Sevda Chkoutova, Weibsbild 20, 2009 © Sevda Chkoutova / courtesy of Neues Museum Nürnberg.

"Internationaler Faber-Castell Preis für Zeichnung" im Neuen Museum in Nürnberg bis zum 21. Oktober. Der Katalog kostet im Museum 20 Euro.

Bild: Sevda Chkoutova, Weibsbild 20, 2009 © Katalog. 13. Juli 2012, 11:052012-07-13 11:05:02 © SZ vom 13.07.2012/ihe