Ehebuch von Amelie Fried Kampf den Heiratsmuffeln

Schriftstellerin und Moderatorin Amelie Fried und ihr Mann Peter Probst haben etwas zu berichten, was angeblich gar nicht mehr möglich ist: Sie sind glücklich verheiratet. Ihr gemeinsames Buch "Verliebt, verlobt...verrückt" ist mediale Selbstdarstellung, persönlicher Erfahrungsbericht und Eheratgeber in einem.

Von Monika Wienfort

Im Universum pluralisierter Lebensstile scheint die Ehe heute vielen als Auslaufmodell. Man gewinnt beinahe den Eindruck, ihre Popularität beschränke sich auf Traditionalisten einerseits und auf homosexuelle Paare, die die rechtliche Gleichstellung fordern, andererseits. Tatsächlich ist die Ehe in zahlreichen europäischen Ländern bei der jüngeren Bevölkerung zum Minderheitenprogramm geworden. Auch die Verbindung zwischen Ehe und Elternschaft hat sich gelockert. In den neuen Bundesländern kamen im Jahr 2009 mehr als sechzig Prozent der Neugeborenen nicht ehelich zur Welt. In Skandinavien, Großbritannien, Frankreich und Portugal liegt diese Rate ebenfalls deutlich über dem gesamtdeutschen Wert von 33 Prozent.

Dabei handelt es sich um eine Entwicklung, die in mancher Hinsicht die Verhältnisse der Frühen Neuzeit wieder herstellt. Die uns aus dem 20. Jahrhundert vertrauten hohen Verheiratetenzahlen sind in Europa Resultat der Moderne seit dem späten 19. Jahrhundert gewesen. Noch im 18. und frühen 19. Jahrhundert ließ sich Ehe dagegen als Privileg beschreiben, das längst nicht allen Einwohnern, besonders nicht den armen, offenstand. In Bayern, Württemberg oder Tirol mussten ehewillige Paare bis in das zweite Drittel des 19. Jahrhunderts ein Gesuch an die Gemeinde richten, und häufig wurden diese Gesuche wegen schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse abgelehnt.

Auf das "Privileg" der Ehe wird also heutzutage gern verzichtet. Warum trotz allem weiter geheiratet werden soll, versucht jetzt ein erfahrenes Ehepaar dem Publikum auf möglichst unterhaltsame Weise schmackhaft zu machen: Die prominente Fernsehmoderatorin Amelie Fried und ihr Mann, der Drehbuchautor Peter Probst, haben zusammen ein Ehebuch geschrieben, das gleichzeitig als mediale Selbstdarstellung, persönlicher Erfahrungsbericht, Eheratgeber und gesellschaftliche Geschlechteranalyse gelesen werden kann.

In 36 knappen Kapiteln kommen Ehemann und Ehefrau (meist getrennt) und einschlägige Interviewpartner - darunter ein Eheberater, ein untreuer Ehemann, die Geliebte eines Ehemanns, ein lesbisches Elternpaar - zu Wort. Aufgelockert wird der Mix durch die Parodie eines Eheeignungstests (mit Pointe!), wie man ihn in Frauen- und Fernsehzeitschriften findet, durch knappe Dialoge von Ehepaaren in Loriot-Manier sowie durch Hochzeitsfotos aus verschiedenen Epochen. Die Ordnung der Kapitel ist grob chronologisch und orientiert sich an der Geschichte einer Ehe.

Das Kennenlernen des Autorenpaares geschah zufällig, und die Entscheidung zur Ehe ergab sich aus einer Mischung aus Torschlusspanik einer beinahe dreißigjährigen Frau auf der einen und romantischer Hingabe eines Mannes, der bis dahin gut ohne lebenslanges Bindungsverlangen ausgekommen war, auf der anderen Seite. À propos: Peter Probsts Erinnerungen an einige Vor-Amelie-Liebschaften ("Susi hatte sich in der Zwischenzeit mit ihrem Gürtel am Fenstergriff aufgehängt. Ihr Gesicht war dunkelrot, sie japste. Ich hängte Susi ab und fragte, was los sei") könnten auch aus einem Drehbuch des Autors stammen...

Trend zum rauschenden Hochzeitsfest

Die Hochzeit geriet - typisch noch für die achtziger und beginnenden neunziger Jahre - ziemlich unspektakulär. Heute kehren dagegen viele Paare zur kirchlichen Trauung "ganz in Weiß" und zum rauschendem Fest zurück. Damit beleben sie ein Kernelement der bürgerlichen Ehe des 19. Jahrhunderts wieder. Die Hochzeit wurde zum "schönsten Tag im Leben" besonders der Braut stilisiert. Die Bedeutung der Feier allerdings hat sich geändert. Während der Hochzeitstag früher vor allem für die Braut lebensentscheidend wurde, weil sich ihre Stellung in der Gesellschaft mangels eigener Berufstätigkeit aus der Position des Ehemanns ergab, bleiben die meisten Frauen heute, was sie sind.

Amelie Fried blieb jedenfalls Amelie Fried. An die Annahme des Mannesnamens hat sie vermutlich nicht eine Minute gedacht. Wie anders war es früher: "Frau Doktor" bedeutete den vom Mann übernommenen Titel einer Ehefrau, vom Namen ganz zu schweigen.

Bilderbuchehe mit Vertrag

Die Moderatorin und der Drehbuchautor berichten viel Positives von ihrer "intellektuellen Ehe", in der sich beide Partner auf Augenhöhe gegenüberstehen. Besonders gefällt die Verbindung von intellektuellem Anspruch mit der geprüften Alltagstauglichkeit beider Gatten. Das Paar präsentiert sich als eine ideale Symbiose von Romantik und Rationalität. Viele der rationalen Elemente entsprechen dabei den Ratschlägen moderner Eheberatung: Gemeinsamkeiten statt Gegensätze in zentralen Werten, gegenseitige Akzeptanz, Gesprächsbereitschaft ohne permanente Beziehungsreflexion, als Eltern im Team arbeiten und so weiter.

Im Gegensatz zur Mehrheit der Bevölkerung hat das Paar Fried/Probst einen Ehevertrag geschlossen, der nachehelichen Unterhalt für beide Partner ausschließt. Die Initiative ging dabei von Amelie Fried aus, die bei der Heirat bereits eine erfolgreiche Moderatorin war. Die Ehefrau orientierte sich damit an den Vorgaben für wohlhabende Frauen, die auch im 19. Jahrhundert regelmäßig einen Ehevertrag schlossen. Damals ging es allerdings meist darum, die Befugnisse des Ehemanns hinsichtlich des Vermögens der Ehefrau einzuschränken; das ist heute angesichts der Eherechtsreformen des 20. Jahrhunderts nicht mehr notwendig. Stattdessen spielen heute Vereinbarungen für den Fall des Scheiterns der Ehe eine wichtige Rolle. Unter dem strengen Ehescheidungsrecht des BGB hätten die Gerichte bis in die 1920er Jahre solche Regelungen übrigens als "sittenwidrig" zurückgewiesen.