Alle Gewinner Krebsdrama räumt die Goldene Lola ab

Als besten deutschen Film kürt die Jury "Halt auf freier Strecke" - nicht die einzige Auszeichnung für Regisseur Andreas Dresen. Ein Ehrenpreis geht an "Kameragott" Michael Ballhaus. Wer sonst noch gewonnen hat und warum der Kulturstaatsminister bejubelt wurde.

Halt auf freier Strecke ist der große Sieger beim Deutschen Filmpreis. Das Krebs-Drama von Andreas Dresen ist zum besten deutschen Film gekürt worden. Die Produktion über einen an einem Hirntumor erkrankten Mann wurde heute Abend im Friedrichstadtpalast in Berlin auf der Gala zum 62. Deutschen Filmpreis mit der Goldenen Lola ausgezeichnet. Der Preis ist mit 500.000 Euro dotiert. Dresen durfte sich außerdem über die Auszeichnung als bester Regisseur freuen.

Der Regisseur Andreas Dresen freut sich über die Auszeichnung in der Kategorie "Beste Regie" für den Film Halt auf freier Strecke.

(Foto: dpa)

Der Produzent des Siegerfilms, Peter Rommel, sagte: "Das ist nicht mal Europapokal, sondern Champions-League." Das mit acht Nominierungen als Favorit ins Rennen gegangene DDR-Drama Barbara von Christian Petzold erhielt dagegen nur einen "Trostpreis" - den Filmpreis in Silber. Der Filmpreis in Bronze ging an das Neonazi-Drama Kriegerin von David Wnendt.

Iris Berben würdigt den "Kameragott"

Eine Lola fürs Lebenswerk ging an Kameramann Michael Ballhaus, den die Präsidentin der Filmakademie, Iris Berben, als "Kameragott" gewürdigt hat. Der 76-Jährige erhielt auf der Gala des 62. Filmpreises in Berlin vor rund 1.800 Gästen am Freitagabend den Ehrenpreis.

Er sei einer der größten seines Fachs, aber Allüren seien ihm fremd, sagte Berben. "Du hast von allem mehr - mehr Begabung, Fleiß, Leistungsbereitschaft und Emotion." Die rund 1.800 Zuschauer gaben lange Standing Ovations. Ballhaus (Departed - Unter Feinden, Zeit der Unschuld) sagte: "Ich bin zutiefst gerührt." Er wolle Geschichten erzählen und Gefühle in den Menschen erwecken." Vielleicht ist mir das gelungen." Das sei die schönste Laudatio gewesen, die er je bekommen habe, weil sie so persönlich gewesen sei.

"Das ist Wahnsinn", so Milan Peschel unter Tränen

Alina Levshin und Milan Peschel sind zu den besten deutschen Schauspielern gekürt worden. Die 27-Jährige wurde für ihre Rolle als Neonazi in Kriegerin ausgezeichnet, Peschel für sein Spiel in Halt auf freier Strecke. "Es ist unglaublich", sagte Levshin mit gebrochener Stimme. Sie habe neun Jahre auf dieser Bühne im Friedrichstadtpalast getanzt, wo sie nun diese Trophäe überreicht bekomme. Auch der 1968 in Ost-Berlin geborene Peschel war überwältigt. "Das ist Wahnsinn", sagte er unter Tränen. Das habe er von seiner Mutter, die heule auch immer gleich los.

Dagmar Manzel und Otto Mellies wurden zu den besten Nebendarsteller des Jahres gewählt. Mellies spielt in Andreas Dresens Krebs-Drama den Vater eines todkranken Sohnes. Er habe 50 Jahre am Deutschen Theater in Berlin große und kleine Rollen gespielt, sagte er. "Als mich Andreas Dresen anrief und mir eine Nebenrolle anbot, habe ich sofort zugeschlagen." Manzel stellt in Die Unsichtbare von Christian Schwochow eine alleinerziehende Mutter einer behinderten Tochter dar.

Erstmals vergeben: der Bernd-Eichinger-Preis

Roland Emmerichs Shkespeare-Thriller Anonymus erhielt in den Kategorien Kostümbild, Beste Kamera, Szenenbild, Maskenbild und Tongestaltung eine Lola.

Die Produktion Gerhard Richter Painting von Corinna Belz wurde als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Der Beitrag, in dem Belz den Mahler Richter unter anderem in seinem Atelier begleitete, erhielt die mit 200.000 Euro dotierte Auszeichnung. Richter gilt derzeit als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart und erzielt bei Auktionen Höchstpreise.

Der Regisseur, Produzent und Schauspieler Michael "Bully" Herbig wurde mit dem erstmals vergebenen Bernd-Eichinger-Preis ausgezeichnet. "Wenn Bernd zuschaut, möchte ich ihm sagen: Bernd, ich werde deine Liga wohl nie so richtig erreichen, aber ich werde in deinem Sinne weitermachen", sagte Herbig. Der vor gut einem Jahr überraschend gestorbene Eichinger hatte vor zwei Jahren den Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhalten. Mit dem neuen Preis werden Persönlichkeiten gewürdigt, die durch kreative Leistungen einen maßgeblichen Beitrag zur Kinokultur leisten.

Beifall für Kritik an der ARD

Jubel und viel Beifall heimste Kulturstaatsminister Bernd Neumann ein. Er warf der ARD vor, entgegen des Auftrags, sich insbesondere für Kultur zu engagieren, würden Dokumentarfilme immer weniger unterstützt und auf Sendeplätze kurz vor Mitternacht verlegt, sagte der CDU-Politiker unter dem Jubel der rund 1.800 Gäste. Er empfehle den Intendanten, lieber eine Talkshow weniger zu senden, dafür mehr Kultur. Darüber hinaus sprach er sich für eine umfangreiche Urheberrechtsnovelle aus. Der Schutz des geistigen Eigentums müsse gerade im Internetzeitalter gewährleistet sein. Die Gratisnutzung im Internet habe einen hohen Preis - "und den zahlen alleine die Kreativen", monierte Neumann. Er versprach den kleinen Kinos, sie bei der Digitalisierung ihrer Säle zu unterstützen. "Jedes der 1.600 Kinos in unserem Land muss uns am herzen liegen", sagte er. Er wolle nicht nur Multiplexe in den Städten haben.

Die Präsidentin der Filmakademie Iris Berben bedauerte, dass ihr Co-Präsident Bruno Ganz nicht dabei sein konnte. "Es geht ihm nicht so gut", sagte sie. Er könne das Bett nicht verlassen. Deswegen stehe sie nun wacklig. "Er fehlt mir, der wunderbare, ruhige Kollege." Moderiert wurde die Veranstaltung von Jessica Schwarz und Elyas M'Barek.

Zu der Veranstaltung gab sich die Creme de la Creme der deutschen Filmszene die Ehre: Über den roten Teppich vor dem Friedrichstadtpalast schritten unter anderem Stars wie Volker Schlöndorff, Roland Emmerich, Hannelore Elsner und Henry Hübchen.