Das ist schön Donnerstagsspaß

Der Kolumnist M. kommt nach München

Von Karl Forster

Sie sind die Könige unseres Berufs. Denn sie können viel und dürfen (fast) alles: die Kolumnisten. Damit sind nicht die gemeint, die auf Abruf mal einen Kommentar oder eine Glosse liefern. Nein, gemeint sind die Meister des Periodikums, die, die es geschafft haben, zu einem festen Tag oder Zeitpunkt Gedanken, Meinungen oder auch Pamphlete zu veröffentlichen, die sogar das kleine, große Wort "ich" gebrauchen dürfen. Sie sind Subjekte des Subjektivismus und werden deswegen von allen anderen Journalisten, die weitmöglichst der Objektivität verpflichtet sind, beneidet. Und einer ihrer größten kommt nun nach München: Harald Martenstein liest am Montag, 7. März, aus seinem neuen Buch "Nettsein ist auch keine Lösung" im Literaturhaus um 20 Uhr.

Martenstein hat seit vielen Jahren einen prominenten Platz: die allererste journalistische Seite nach dem Inhaltsverzeichnis im Zeit-Magazin. Er hatte und hat noch mehr prominente Plätze, zum Beispiel im Tagesspiegel, aber der hier ist ganz besonders "ausgesetzt", wie wir Bergsteiger sagen. Hier gibt der Autor viel von seiner Seele preis. Als er unlängst Vater wurde, durfte der Leser quasi mitpressen. Als Martenstein sein letztes Buch "Gefühlte Nähe" veröffentlichte, war der Verriss in der SZ so deftig, das man das Werk unbedingt lesen wollte. Der Rezensent warf ihm "Samenstaugewinsel" vor, das war nicht nett. Doch für Harald M.'s Replik auf der Seite nach dem Zeit-Magazin-Inhaltsverzeichnis war das ein Elfmeter, im Netz unbedingt nachzulesen unter "Martenstein" und "Samenstaugewinsel".

Das also ist die Macht des Kolumnisten? Wahrscheinlich hätten auch Martin Walser et alii gerne so eine Kolumne, um einigen ihrer Kritiker deren Meinung um die Ohren zu hauen. Haben sie aber nicht. Und verspüren so auch nicht den Zwang des Periodikums, liefern zu müssen. Pünktlich und auf die Zeile genau. Das kann man zwar lernen. Doch die richtige Mischung aus Selbstmitleid und Selbstironie, aus Streicheleinheit und Lust an der Watschn, aus Provokation und Pflege von Minderheiten inklusive des Talents zur Wahl des richtigen Themas zur richtigen Zeit, das muss genetisch bedingt sein oder sonst irgendwie endogen erklärbar. Und macht den Donnerstag als Zeit-Tag einfach schön.