Chanson Feinsinn mit Wucht

Pigor & Eichhorn im Lustspielhaus

Von Oliver Hochkeppel

Seit ein paar Tagen steht es im Netz, das "SWR2 Chanson des Monats März" von Thomas Pigor. Als "Sozialkunde-Tom" singt er ein paar gelangweilten Schülern einen Folk-Song über "Gewaltenteilung" vor ("das kann alles morgen in der Prüfung dran kommen"), witzig, intelligent und hochmusikalisch. Seit 2010 kommt jeden Monat ein Chanson dazu, 77 sind es bis jetzt, wie sie thematisch nicht breiter aufgestellt sein könnten. Da geht es von "Das Deutsche Volk" ("das geht mir ziemlich auf den Senkel") über "Gott ist tot" oder "Skispringer-Interviews" bis zum "Brexit" (natürlich als Brit-Rock-Song) und "Der Rechtspopulist" (klar: ein Marsch mit Blechbläsern). Einen schlechten Song wird man da nicht finden, und schon deswegen kann niemand mehr sagen, er wüsste nicht, dass dieser Thomas Pigor der beste Chansonnier des Landes ist.

Das ist er nämlich auf der Bühne schon seit 20 Jahren, im Duo mit seinem Pianisten Benedikt Eichhorn. Mit allerhöchsten Auszeichnungen ist deren "Salon-Hip-Hop" mit dandyhaften Chansons und intelligentem Zank inzwischen dekoriert. Leider ist dieses einmalige Musikkabarett, diese Aufklärung der unterhaltsamsten Art, die Zeitkritik mit Entertainment, Aphoristik mit ausholenden Geschichten, Feinsinn mit Wucht zusammenbringt, immer noch eine Art Geheimtipp für Eingeweihte. Doch auch noch mit dem Anspruch ihres Publikums treiben die beiden ihr Spiel. Sind ihre Programme sonst schlicht durchnummeriert (es wäre "Volumen 10" dran), spielen sie am Donnerstag im Lustspielhaus ein "München spezial" mit Altem und Neuem - "damit endlich Ruhe ist."

Pigor & Eichhorn, Do., 16. März, 20 Uhr, Lustspielhaus, Occamstr. 8