Berlinale 2012 Christian Petzold gewinnt Silbernen Bären

Der Goldene Bär der diesjährigen Berlinale geht an den italienischen Film "Caesar Must Die" der Regie-Brüder Taviani. Gut schneidet auch der deutsche Film ab: Christian Petzold erhält den Regie-Preis für sein DDR-Drama "Barbara" und der Kameramann Lutz Reitemeier wird für seine Arbeit an einem chinesischen Historiendrama geehrt.

Überraschender Triumph für Italien: Der Film Caesar Must Die ("Cäsar muss sterben") über eine Shakespeare-Inszenierung von Häftlingen in einem römischen Gefängnis hat den Goldenen Bären der 62. Berlinale gewonnen. Jury-Präsident Mike Leigh und Berlinale-Direktor Dieter Kosslick überreichten die Auszeichnung am Samstagabend den über 80-jährigen Regie-Brüdern Paolo und Vittorio Taviani.

Sichtlich berührt bedankten sich die Brüder auf der Bühne des Berlinale-Palastes bei den mitspieldenden Häftlingen. "Es ist für die Häftlinge ein paar Tage wieder möglich gewesen, wieder zu leben. Wir grüßen sie", sagte Paolo Taviani. Er hoffe, dass die Kinobesucher merkten, dass auch Schwerverbrecher Menschen seien und blieben.

Vor der Preisverleihung waren Cesar Must Die von der internationalen Kritik lediglich Außenseiterchancen eingeräumt worden. Gezeigt wird, wie Häftlinge in einem Gefängnis eine Shakespeare-Inszenierung einüben. Sie erkennen Parallelen zwischen dem klassischen Drama und ihrem eigenen Leben, und der Stolz nach der Premiere ist ihnen anzusehen. Gespielt werden die Insassen von wirklichen Häftlingen. Entstanden ist eine kunstvolle Verflechtung von Wirklichkeit und Fiktion.

Petzold erhält Silbernen Bären

Als Favorit galt vor der Verleihung Barbara. Den Hauptpreis erhielt Petzold zwar nicht, aber er wurde als bester Regisseur ausgezeichnet. "Ich freu' mich unglaublich, das ist ein Hammer!", rief Petzold glücklich. In seinem beeindruckenden Drama schildert er, wie eine junge Ärztin (Nina Hoss) Anfang der achtziger Jahre aus der DDR zu ihrem Geliebten in den Westen flüchten will.

Mit Lutz Reitemeier wurde ein zweiter Deutscher mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet, für eine herausragende künstlerische Leistung. Der Kameramann wirkte bei dem chinesischen Epos White Deer Plain des Bären-Gewinners von 2007, Wang Quan'an, mit. Die beiden anderen deutschen Beiträge, Gnade von Matthias Glasner und Was bleibt von Hans-Christian Schmid, gingen dagegen leer aus.

Als beste Darstellerin wurden die 15-jährige Laien-Schauspielerin Rachel Mwanza für ihre Rolle als afrikanische Kindersoldatin in dem Film War Witch geehrt - und vom Publikum mit viel Applaus bejubelt. Der Silberne Bär für den besten Darsteller ging an Mikkel Boe Fölsgaard. Der Schauspieler wurde für seine Rolle in dem dänisch-internationalen Historiendrama Die Königin und der Leibarzt ausgezeichnet. Für denselben Film erhielten Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg den Drehbuch-Preis.

Den Großen Preis der Jury (Silberner Bär) erhielt der ungarische Film Just the Wind, der Gewalt und Diskriminierung gegen Roma in Ungarn thematisiert. Eine "lobende Erwähnung" inklusive eines Silbernen Bären bekam Sister der schweizerisch-französischen Regisseurin Ursula Meier. Das Sozialdrama galt als einer der großen Anwärter auf den Goldenen Bären und war einer der Publikumsfavoriten.

Mit dem Alfred-Bauer-Preis wurde der Schwarz-Weiß-Film Tabu des portugiesischen Regisseurs Miguel Gomes geehrt. Der nach dem ersten Festivaldirektor benannte Preis wird an Werke verliehen, die neue Perspektiven der Filmkunst eröffnen. Tabu erzählt die Lebensgeschichte einer Frau vor dem Hintergrund der portugiesischen Kolonialgeschichte in Afrika. Gomes zeigte sich "ein bisschen verwirrt", einen Innovationspreis zu bekommen. "Ich wollte eigentlich einen altmodischen Film drehen."

Bei den Kurzfilmen, die von einer anderen Jury bewertet wurden, wurde Rafa von Joao Salaviza aus Portugal mit einem Goldenen Bären ausgezeichnet, und Gurehto Rabitto (Frankreich) von Atsushi Wada mit dem Silbernen Bären.

"Wir waren eine nette Gruppe"

18 Filme waren im Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären. Insgesamt wurden knapp 400 Filme gezeigt. Jury-Präsident Mike Leigh sagte über die Arbeit der Juroren: "Wir waren eine nette Gruppe, wir mögen uns, wir haben alle einen Sinn für Humor." Sie hätten "interessante Filme gesehen", fügte er hinzu.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) erklärte, die Berlinale ermögliche als politisch sensible Bühne des internationalen Films berührende und eindringliche Einblicke in die Welt. Die Berlinale endet am Sonntag mit einem Publikumstag.

Die Preisträger im Überblick:

[] Goldener Bär für den besten Film: Cesar Must Die (Italien) von Paolo Taviani und Vittorio Taviani

[] Silberner Bär/Großer Preis der Jury: Just The Wind (Ungarn / Deutschland / Frankreich) von Bence Fliegauf

[] Silberner Bär für die beste Regie: Christian Petzold für Barbara (Deutschland)

[] Silberner Bär für den besten Darsteller: Mikkel Boe Fölsgaard in Die Königin und der Leibarzt (Dänemark / Tschechische Republik / Deutschland / Schweden) von Nikolaj Arcel

[] Silberner Bär für die beste Darstellerin: Rachel Mwanza in War Witch (Kanada) von Kim Nguyen

[] Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung - Abteilung Kamera: Lutz Reitemeier für White Deer Plain (China) von Wang Quan'an

[] Silberner Bär für das beste Drehbuch: Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg für Die Königin und der Leibarzt (Dänemark / Tschechische Republik / Deutschland / Schweden) von Nikolaj Arcel

[] Alfred-Bauer-Preis: Tabu (Portugal / Deutschland / Brasilien / Frankreich) von Miguel Gomes

[] Silberner Bär für eine Lobende Erwähnung: Sister (Schweiz/Frankreich) von Ursula Meier

[] Bester Erstlingsfilm: Kauwboy (Niederlande) von Boudewijn Koole

Internationale Kurzfilmjury:

[] Goldener Bär für Rafa (Portugal / Frankreich) von Joao Salaviza

[] Silberner Bär für Gurehto Rabitto (Frankreich) von Atsushi Wada