Auszüge aus "Wölfe in der Nacht" Nur ein Lächeln steht noch in der Luft

Im Jahr 2015 wurde Ángel Santiesteban überraschend aus dem Gefängnis entlassen. Daran hat auch das Auswärtige Amt mitgewirkt.

(Foto: Hendrik Rojas/S. Fischer Verlag)

Im Band "Wölfe in der Nacht" erzählt Ángel Santiesteban düstere, kritische Geschichten von Kuba. Geschichten, die im Krieg spielen oder im Gefängnis. Einige werden hier erstmals veröffentlicht.

Von Ralph Hammerthaler

Nach dem Luftangriff sind nur noch acht Soldaten am Leben. Der Schwerverletzte wird nicht lange durchhalten. Trotzdem befiehlt der Hauptmann, weiterzumarschieren. In welche Richtung, ist eigentlich gleichgültig. Das Funkgerät ist kaputt. Ein Sonderling unter ihnen, Brille im Gesicht, blasse Haut, spielt Geige. Niemand gibt zu, dass die Musik tröstet. Als sie auf das Haus einer portugiesischen Familie stoßen, schlägt der Hausherr einen Handel vor: Medikamente, Dosenfleisch und Schnaps für die Geige. Der Hauptmann willigt ein. Erst später wird ihnen klar, ...