Ausstellung Auf der Strecke zur Stunde Null

Die Deutsche Bahn kaufte mit der Stinnes AG auch deren Kunst. In Nürnberg wird sie erstmals gezeigt

Von Katja Auer, Nürnberg

Bisher haben die meisten Bilder die Wände in den Büros und Fluren der Deutschen Bahn geziert, verteilt in der gesamten Republik. Werke von Günther Uecker und Otto Piene, von George Grosz und Jirí Kolár. 300 sind es insgesamt, die zur Sammlung der Deutsche Bahn Stiftung gehören. Nun ist etwa die Hälfte davon zum ersten Mal öffentlich zu sehen. "Von Zero an" heißt die Ausstellung auf AEG in Nürnberg, in deren Mittelpunkt die Düsseldorfer Künstlergruppe Zero um Uecker, Piene und Heinz Mack steht.

"Das sind Werke, die noch nie gezeigt wurden", sagt Russalka Nikolov, die Direktorin des DB Museums in Nürnberg, die nicht nur die Ausstellung plante, sondern die Bilder überhaupt erst einmal einsammelte. Nicht nur zur Freude all jener Mitarbeiter, in deren Büros die Werke bislang hingen. Aber erst in ihrer Gesamtheit zeige sich die Bedeutung der Sammlung, sagt Nikolov. Und in der riesigen Halle 20 auf AEG, die für die Ausstellung eigens zu einer wunderbar tauglichen Kunsthalle umgebaut wurde, gibt es nun eine bislang ungesehene Schau zeitgenössischer Kunst. Der Ort passt auch zum Titel "von Zero an": Schließlich hat auch das AEG-Gelände eine Stunde Null erlebt, mehrere vielleicht sogar. Im Zweiten Weltkrieg bombardiert, entstand danach ein großes Fabrikareal, und seit 2007 die letzte Waschmaschine vom Band lief, entwickelt sich im Nürnberger Westen ein neues Quartier für Kultur und Forschung. Und für die Kunst, zeitweise wenigstens.

Die Kunstsammlung hat Günther Winkelmann begründet, der frühere Vorstandsvorsitzende der Stinnes AG. Er begann Anfang der Siebzigerjahre damit, zeitgenössische Künstler zu fördern und ihre Werke zu kaufen. Auch jene jungen Düsseldorfer Maler, die damals noch recht unbekannt waren. Als Stinnes 2003 an die Deutsche Bahn verkauft wurde, fiel der auch die Kunstsammlung zu. Aber erst 2013, als die Deutsche Bahn Stiftung gegründet wurde, in deren Besitz auch das Nürnberger DB Museum ist, wurden die Werke kunsthistorisch analysiert. Das DB Museum hat einen Katalog herausgegeben. Gerade sei sie mit verschiedenen Museen in Verhandlungen, sagt Russalka Nikolov, damit die Sammlung nach der Ausstellung in Nürnberg und einer zweiten in der Alten Baumwollspinnerei in Leipzig, die im Herbst folgen soll, nicht wieder in Gängen und Kellern verschwindet. Verkauft werden sollen die Bilder allerdings auch nicht.

Die Werke der drei Zero-Gründer stehen im Mittelpunkt der Schau. Eines der berühmten Nagelbilder von Georg Uecker ist zu sehen, die farbintensiven Werke von Heinz Mack und Bilder von Otto Piene, der sich das Licht zum Hauptmotiv erwählt hatte. Die Zero-Gruppe erlebt derzeit eine Art Renaissance, im Berliner Gropius-Bau ist die größte Ausstellung zu sehen, die der Bewegung je gewidmet wurde. Zero stand in der deutschen Kunst für einen Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Piene und Mack sie 1958 gründeten, wollten sie die Schrecken von Krieg und Nachkriegszeit endgültig hinter sich lassen. Als Günther Uecker 1961 zum Gründungsduo stieß, entwickelte sich die Gruppe zu einer der international einflussreichsten Künstlerbewegung der Nachkriegszeit - obwohl sie nur acht Jahre bestand.

Jahrzehntelang war die Gruppe fast in Vergessenheit geraten, bis die in Düsseldorf gegründete Zero-Foundation 2008 mit der Erforschung ihres Werks begann. Um drei Gründer seien zudemKünstler versammelt, die Parallelbewegungen anhingen oder als Erben von Zero zu sehen sind, sagte Mit-Kuratorin Janina Hoffmann - etwa Adolf Luther, Jan Schoonhoven oder Jef Verheyen. Dazu gehören auch Werke der Op-Art, der Optical Art, deren geometrische Abstraktion den Betrachter in leichten Schwindel geraten lassen kann. Wie eine Achterbahnfahrt.

Von Zero an, Auf AEG, Halle 20, Muggenhofstr. 132/135, Nürnberg, von Freitag, 8. Mai, an bis 7. Juli, Di - So, 10 - 19 Uhr