Ansichten eines Petzers: Deutschland gibt 200 Millionen Euro dafür aus, in Dresden ein Weltkulturerbe zu zerstören.
An diesem Dienstag wird das Welterbekomitee der Unesco in Sevilla über die Elblandschaft entscheiden. Den 21 Delegierten wird nichts anderes übrig bleiben, als Dresden von der Liste der Welterbestätten zu streichen.
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Nobelpreisträger für Medizin: Günter Blobel ist Mitinitiator für das Vorgehen der Unesco gegen die Waldschlößchenbrücke. (© Foto: Reuters)
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Damit wird der Schlusspunkt unter eine schier einzigartige Kette von Peinlichkeiten gesetzt. 2006 wurde in einem Gutachten der Unesco festgestellt, dass der Bau der Waldschlößchenbrücke das Elbtal an seiner schönsten Stelle zerschneiden und damit irreversible Schäden anrichten würde. Das Elbtal wurde daher von der Unesco auf die Rote Liste gesetzt. Doch die sächsische Regierung berief sich auf einen Bürgerentscheid, der im Jahre 2005 vom ADAC sowie der Dresdner CDU und FDP initiiert worden war.
Vaterlandsloser Geselle
Darin stimmte zwar nur ein Drittel der Wahlberechtigten Dresdner für den Brückenbau, trotzdem wurde im Herbst 2007 mit dem Bau begonnen. 2008 machte die Unesco klar, dass das Welterbe im Jahr 2009 von der Liste gestrichen werde, wenn das Baugebiet nicht wieder in seine ursprüngliche Gestalt zurückgeführt würde. Aber der Bau ging weiter, mit der klaren Absicht, vollendete Tatsachen zu schaffen. In einer peinlichen Weise begannen führende sächsische und Dresdner Politiker von CDU und FDP, die Unesco als undemokratische Organisation zu verunglimpfen. Das Dresdner Elbtal werde Welterbe bleiben, auch wenn die Unesco den Titel aberkenne; man lasse sich doch nicht von anderen Staaten diktieren, was man in Dresden mache; der Titel sei verzichtbar, und dass die Touristen weiterhin nach Dresden kommen werden. Brückengegner wurden von führenden sächsischen Politikern der CDU und FDP verunglimpft. Ich wurde von Dresdner CDU und FDP-Prominenten, als "vaterlandsloser Geselle" und "Petzer" bezeichnet.
Das Dresdner Elbtal wäre das erste Weltkulturerbe, das von der Unesco-Liste gestrichen würde. Viele der Hunderten von Kulturwelterbestätten befinden sich in armen Ländern, die sich bemühen, diese mit ihren beschränkten Mitteln zu erhalten. In Deutschland hingegen gibt man 200 Millionen Euro aus, um ein Weltkulturerbe zu zerstören. Das Elbtal ist eingebettet in kilometerweite, weitgehend unberührte Wiesen und umgeben von Hängen mit Weinbergen, Villen und Schlössern, welche die Zerstörung der Stadt im Februar 1945 überstanden haben. Vieles, was während der DDR-Zeit verkommen war, wurde nach der Wende wiederhergestellt.
Diese Oase der Stille und Schönheit ist allen, auch den weniger bemittelten Dresdnern, beiderseits des Flusses leicht zugänglich: zum Wandern, Fahrradfahren, Drachensteigen, Rudern, Schwimmen, Picknicken, Schlittenfahren und zum Meditieren auf einer in den Wiesen ausgebreiteten Decke. Man braucht kein Geld ausgeben, braucht nirgendwohin zu fahren oder zu fliegen. Man hat alles vor der Tür.
Symbol der Völkerversöhnung
Die fast vollkommene Zerstörung der historischen Innenstadt Dresdens im Februar 1945 hatte damals selbst in England und Amerika Empörung ausgelöst. Mit großer Sympathie hat man daher weltweit verfolgt, wie die Dresdner ihre Bauten wiederherstellten. In der DDR-Zeit waren zunächst der Zwinger, dann die Katholische Hofkirche und letztlich die Semperoper wieder aufgebaut worden. Als dann nach der Wende der Wiederaufbau der Frauenkirche verkündet wurde, haben insbesondere England und Amerika diesen Wiederaufbau auch als ihre Aufgabe betrachtet. Millionen wurden dort gesammelt, um bei diesem Kraftakt mitzuhelfen. Dresden wurde zu einem Symbol der Völkerversöhnung.
Alles vorbei! Mit der empörenden Unnachgiebigkeit gegenüber der Unesco verliert Dresden nicht nur das Welterbe, sondern auch seinen Status als Ikone des Weltgedächtnisses. Unglaubwürdig werden auch die Bemühungen sein, in Dresden ein "Weltkulturforum" zu etablieren (quasi als Pendant zum Weltwirtschaftsforum in Davos). Wenn man die Welt nur will, wenn sie einem nützlich ist, aber nicht, wenn man sich an ihre Normen halten soll, soll man sich auch nicht wundern, wenn man als rückständig und provinziell eingestuft wird und mit einem Weltkulturforum nicht vorankommen wird.
Darf man nun resignieren, wie es viele bereits getan haben? Nein, absolut nicht!
Man sollte erst recht versuchen, einen Baustopp zu erreichen. Leider sind die führenden Politiker in Dresden und Sachsen aus eigener Kraft und Einsicht nicht in der Lage dazu, deshalb muss sich Bundeskanzlerin Merkel persönlich engagieren. Sie sollte ihre Parteikollegen in Dresden und Sachsen ermahnen, dass ein Verlust des Welterbes für Deutschland und besonders für Dresden nicht akzeptabel ist! Sie hat ja auch Papst Benedikt öffentlich ermahnt, da sollte sie wohl auch die Traute haben, ihren Dresdner Parteikollegen in die Parade zu fahren. Eine knappe Mehrheit des Stadtrats ist seit langem gegen die Brücke, was durch die Kommunalwahl erneut bestätigt wurde. Nun müssten sich nur ein paar CDU-Stadträte besinnen, und es wäre eine breite Mehrheit für den Baustopp zu erzielen.
Rettung der Schönheit
Der Bau ist schon sehr weit fortgeschritten. Trotzdem lohnt sich die Kehrtwende noch. Denn die bereits gebauten Betonteile könnten Teil einer Tunnellösung werden. Klar, dies würde nun noch mehr kosten und zu Verzögerungen führen. Doch seit dem Bau der Autobahnspange rund um Dresden hat der Verkehr in der Stadt so dramatisch nachgelassen, dass diese sechste Elbquerung ohne weiteres auf sich warten lassen kann.
Würden sich die sächsischen CDU- und FDP-Politiker mit einer Kehrtwende so kurz vor Landtags- und Bundestagswahlen eine Blöße geben? Ganz im Gegenteil! Diese Korrektur könnte viele Wähler zurückgewinnen, die durch die potentatenhaften Allüren abgeschreckt wurden, mit denen der Bau durchgepeitscht wurde. Man würde großen Respekt dafür ernten, wenn man zeigt, dass man auf Befürchtungen und Argumente eingeht. Wenn man eine welterbeverträgliche Lösung findet, würde die Unesco dies sicher mit einer Wiederaufnahme des Elbtals in die Liste honorieren. Dresden könnte ein glaubwürdiges Weltkulturforum werden, wo man aus eigener Erfahrung diskutieren kann, wie dornige Probleme mit Weltoffenheit gelöst werden können. "Die Schönheit wird die Welt retten", schreibt Dostojewski. In seiner Nobelpreis-Rede im Jahr 1970 nahm Alexander Solschenizyn dies auf und sagte, dies sei keine Phrase, sondern eine Prophezeiung. Es lohnt sich daher auch, im Fall des Dresdner Elbtals an eine Rettung der Schönheit zu glauben und weiter dafür zu kämpfen.
Günter Blobel erhielt 1999 den Nobelpreis für Medizin, stiftete den Großteil des Preisgelds für die Dresdner Frauenkirche. Auch auf seine Initiative ging die Unesco gegen die Waldschlößchenbrücke vor.
In der Krise wird der Norden zum Zuchtmeister des Südens – dabei könnte er manches von ihm lernen. Jetzt lesen ...
(SZ vom 23.06.2009/bey)
Wikipedia nimmt noch Hirn an. Dafür kann jeder kostenloses Wissen erwerben. Was allerdings nicht reicht um Dresden zu kennen. Wenn die Presse richtig mitspielt, kommt sicher die Forderung alle Brücken in Dresden abzureißen und das ganze Elbtal zu untertunneln. Das wäre doch für Einige wieder mal ein Thema. Wir freuen uns aber derweil auf die neue tolle Brücke.
Im Rahmen des Konjunkturprogramms könnte man immer noch die Brücke in einen Tunnel umfunktionieren. Dresden und Sachsen haben sich lieber auf einen Kampf mit der UNESCO eingelassen und mussten verlieren. Sie stehen jetzt auf einer Stufe mit den Taliban, die unersetzliche Statuen in Afghanistan mittels Kanonen zerstört haben. Herzlichen Glückwunsch.
Ich habe seinerzeit auch gegen diese Brücke gestimmt aber an die Gefährdung der Elbwiesen dachte ich dabei nicht. Ja es ist wohl genau die Stelle, von der aus man den weitesten Blick hat aber eben auch die flachste und wahrscheinlich die einzig mögliche für eine weitere Querung.
Nur ein Drittel der Dresdner stimmte für die Brücke genauer gesagt: Die Hälfte der Dresdener hat sich für die Waldschlösschenbrücke interessiert (mehr als zur Europawahl) und 70% stimmten dafür. Ich weiß wohl, dass einige Brückengegner nicht zur Wahl gingen, mit der Hoffnung die nötige Stimmenanzahl nicht zu erreichen - aber man hat ja andere Wege gefunden.
Stellt man sich den Stadtplan von Dresden vor, hat man in der Innenstadt auf ungefähr 1,5 km 3 von 4 Brücken, die für den täglichen Arbeitstransit genutzt werden. Wer hier jeden Nachmittag steht, würde sicherlich für jede noch so unsinnige Brücke stimmen. Von hier aus auf der rund 15 km-Strecke bis zu nächsten Stadt (Pirna) befindet sich eine weitere Brücke eine Spur pro Richtung: Das angeblich bald sanierungsbedürftige Blaue Wunder. Diese gesamte Strecke ist auf beiden Elbseiten fast durchgehend besiedelt und als Dresdner kennt man den dortigen berüchtigten Feierabendstau.
Interessant wäre es auch einmal Dresdner Politik anhand der Waldschlösschenbrücke zu erläutern: Auf beiden Seiten ist kein Weg zu weit oder zu umständlich keine Konsequenzen werden gescheut, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Auch nicht der Gang zur Unesco!
Ich finde die Brücke weder hässlich, noch macht sie den Eindruck sich auf den Lebensraum an der Elbe für Mensch und Natur dauerhaft und in größerem Maße auszuwirken. Eher wird sie die Verkehrssituation stark verändern über das Konzept lässt sich streiten aber das geht die Unesco nichts an.
Was ich viel schlimmer finde: Seit vom Verlust des Weltkulturerbetitels die Rede ist, reiben sich die Bauherren die Hände die Elbhänge wären dann freigegeben.
Was mir hier (zum Teil) fehlt, ist der Sachbezug. Ich mag keine Sittenwächter, die keine Position beziehen.
Hier sind viele Scherben gemacht worden, und das aufgrund der Unfähigkeit die Situation nicht nur asu ihrem situativen Kontext heraus zu beurteilen, sondern auch aufgrund ihrer zeitlichen Fernwirkung.
Während der Oman wenigstens - leider aus einem in unserer Gesellschaft als legitim angesehenen Grund heraus - sein Kulturerbe aufgegeben hat, gibt es aus Dresdner Sicht heraus wenig Gründe warum es so kommt wie es anscheinend hat kommen müssen. Weniger Aufgeregtheit, mehr Sachlichkeit und Verzicht auf Egozentrik hätten besser getan.
So, und nun schlachtet mich :-)
Völlig niveauloser Kommentar. Die subtile Kunst der Rhetorik besteht darin, zum kritischen Nachdenken anzuregen (das Reflektieren von Zitaten ist dazu bestens geeignet) und nicht den Andersdenkenden zu beleidigen, was vielmehr Sie indirekt versuchen. Vielleicht fühlen Sie sich aus gutem Grund angesprochen, oder fehlt`s vielleicht an Reflexionsvermögen? Um es unmissverständlich klarzustellen: Ich möchte den Leser zum kritischen Reflektieren dieses (schlechten) Artikels anregen, sonst nichts: 1. Dieser SZ-Artikel ist polemisch, da die Meinung bzw. Argumente der Andersdenkenden (Brückenbefürworter) nicht ausreichend sachlich dargestellt werden. Ich würde einen derart gebiasten Artikel in der "Welt-online", oder in der "Bild" erwarten. 2. Ich bin weder für, noch gegen den Brückenbau und mitnichten darin interessiert, irgendwen in seinem "Andersdenken" - wie auch immer - abzuwerten. 3. Ich bin definitiv gegen schlechte, einseitige und polemisierende Artikel, so viel Kritik muss erlaubt sein! Alles weitere ist ggf. persönliche (Fehl-)interpretation.
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