Art Cologne Ach, ist das schön

Gediegene Gemütlichkeit und gefällige Abstraktion: Auf der 50. Art Cologne gibt es nur wenig Neues zu sehen.

Von Magdalena Kröner

Die Art Cologne feiert 50. Geburtstag, doch der inoffizielle Jubilar der Messe heißt eindeutig: Heinz Mack, der, wie es einer seiner zahlreichen Galeristen ausdrückte, "gut im Saft steht und noch richtig was will". Galerien wie Baumgarte, Beck & Eggeling und Holtmann haben weite Teile ihrer Kojen für den eben 85 Jahre alt gewordenen Zero-Künstler freigeräumt, und selbst Neuzugang Perrotin (Paris) kommt dem entgegen und zeigt ein Tafelrelief von Mack.

Das Zero-Revival dominiert auch in diesem Jahr die Sektion mit Kunst der Moderne und Nachkriegszeit; neben Mack fluten Arbeiten von Günther Uecker und Otto Piene die Stände. Da wundert es nicht, dass die neuen internationalen Trends nur in homöopathischen Dosen im Rheinland sichtbar werden, so etwa Abstraktion aus Korea, die sich in den letzten Monaten in Miami und Hongkong entdecken ließ. Vervoordt zeigt die monochrome Malerei des 1928 geborenen Yun Hyong-Keun, bis zu seinem Tod im Jahr 2007 einer der wichtigsten Künstler der "Dansaekhwa"-Bewegung. Er setzt irisierende Farbflächen aus schwarz schimmerndem Ultramarin auf Nessel, die über dem Grund zu schweben scheinen. Pearl Lam, die aus Hongkong stammende Großgaleristin mit der charakteristischen, purpurfarbenen Perücke, die seit einem Jahr Präsenz auf europäischen Messen zeigt, fällt auf im gediegenen Umfeld der rheinischen Händler. Ihrem Stand nützt das: hier drängen sich zur Preview die Sammler, die sich vor allem für die plastischen, monochromen Objekte aus gefaltetem Maulbeerpapier des 1944 geborenen Koreaners Chun Kwang Young interessieren. Er ist auch im Untergeschoss bei seinen deutschen Händlern Beck & Eggeling (Düsseldorf) mit einer 188 Kilogramm schweren Skulptur vertreten, die wie ein Meteorit in die Koje gekracht zu sein scheint. (710 000 Euro)

Jegliche Art von Politik scheint auf dieser Messe keinen Platz zu haben

Bei den Zeitgenossen zeigt neben den "Blue Chips" aus New York vor allem die neue Kunstmarkthoffnung Los Angeles Präsenz. Bei Hauser & Wirth hat Richard Jackson drei Tage lang seine Regenbogen auf die Kojenwände gemalt. Die Schweizer erinnern mit ihrem Aufgebot der Westküstenstars Richard Jackson, Paul McCarthy und Jason Rhoades unbescheiden an die Eröffnung ihrer 10 000 Quadratmeter großen Galerie in Los Angeles vor ein paar Wochen.

Verwunderlich: jegliche Art von Politik scheint jenseits der vielfach geäußerten Klagen über Mehrwertbesteuerung und Kulturschutzgesetz keinen Platz auf der Messe zu haben. So wird Claus Föttingers Bar bei Van Horn (Düsseldorf) zum einzig weithin sichtbaren politischen Statement. Der Düsseldorfer Künstler, der zeitweise in der Türkei lebt, kombiniert Bilder und Videos zum europäischen Flüchtlingsdrama mit Pressefotos zur bundesrepublikanischen Geschichte der 60er-Jahre, dazu wurden Raki und türkischer Tee ausgeschenkt. (60 000 Euro)

Hier offenbaren viele Händler, wie etwa Anke Schmidt (Köln), das Neues zwar goutiert wird, wie Arbeiten von Ingrid Calame aus Los Angeles, die Maschinenteile in der Essener Zeche Zollverein mit farbigen Pigmenten abgepaust hat, Bekanntes jedoch gekauft, wie Gemälde des Galerieklassikers David Reed, von einem Kölner Sammler bereits in den ersten Messestunden erworben.

Auch die vor vier Jahren begonnene Zusammenarbeit der Messe mit der New Art Dealers Alliance aus New York geht weiter: die "NADA + Art Cologne Collaborations" geben in diesem Jahr mit 41 Ausstellern aus 16 Städten Galerie- und Künstlerpartnerschaften Raum. Die New Yorker Galeristin Kathy Grayson setzt in Köln auf einen etablierten Namen und zeigt die skurrilen Köpfe Donald Baechlers, dazu psychedelische Portraits seines ehemaligen Assistenten Taylor McKimens und dessen Ateliernachbarin Misaki Kawai. Ein wohltuender Beweis für nach wie vor existierende produktive Künstlerverbindungen im gentrifizierten New York.

Wer wissen will, was die Kunst antreibt, fährt zum Gallery-Weekend nach Berlin

Insgesamt gibt es hier oben wie auch bei mancher Förderkoje der "New Positions" jede Menge dessen zu sehen, was sich unter dem Begriff Zombie-Formalismus verbirgt: betont nachlässig gemalte oder gesprühte abstrakte Flachware in dekorativer Farbigkeit, die nur darauf zu warten scheint, von jemandem wie dem kalifornischen Art-Flipper Stefan Simchowitz entdeckt zu werden, der seinen zweifelhaften Ruhm damit erlangte, junge Kunst in großen Mengen mit noch größeren Rabatten zu erstehen und sie blitzschnell übers Internet weiterzuverkaufen.

Einen wohltuend verschrobenen Akzent zu so viel Gefälligkeit setzt der Stand von Delmes & Zander und Guido Baudach, an dem die Werke von Thomas Zipp und von dem vor zwei Jahren gestorbenen Berliner Outsider-Künstler Adelhyd van Bender aufeinandertreffen. Zipps flüchtige Zeichnungen treffen auf die manischen Diagramme van Benders. Auch wenn beide Künstler sich in ihren fantastischen Forschungen zur Welterkenntnis zwischen Philosophie, Religion und Wissenschaft auf Augenhöhe begegnen, sprechen die Preise eine andere Sprache: Blätter von Bender gibt's ab 800 Euro, bei Zipp geht es bei 4200 Euro los.

Das Fazit ist eindeutig: In Zeiten der zunehmenden Krise bleibt gerade im mittleren Marktsegment der rheinische Handelsplatz der wichtigste in Deutschland, auch mangels Alternative aus Berlin. Die Messe zeigt ebenso deutlich: Wer wissen will, was die aktuelle internationale Kunst antreibt, fährt im Frühjahr zum Gallery-Weekend nach Berlin. Das dürfte auch die Aufregung um den Zusammenfall von Gallery-Weekend und der Art Cologne im nächsten Jahr beschwichtigen. Rund zwanzig Berliner Galeristen, die am Galerienwochenende teilnehmen, bespielen auch die Kölner Messe, müssen also sehen, wie sie im nächsten Jahr Präsenz an beiden Orten zeigen. Berlin und das Rheinland, beide Pole sind unverzichtbar für die deutsche Kunstszene. Kaum denkbar, dass sich nach dem Abklingen der öffentlichen Erregung nicht eine Lösung finden sollte, vielleicht schon im rheinischen Messegedränge.