Alben der WocheHerzen brechen, Familien auch

Lily Allen, die freieste Schnauze des Pop, kehrt mit einem Album voller Sucht, Suff und Selbstentzauberung zurück. Lykke Li schrammt mit emotionaler Wucht knapp an der Zwölf vorbei.

Lykke Li - "So Sad So Sexy" (RCA/Sony)

Es bereitet schon sehr große Freude, Li Lykke Timotej Svensson Zachrisson alias Lykke Li dabei zuzuhören, wie sie immer gerade nicht dort steht, wo man glaubt, dass sie steht. Der schwedischen Indie-Königin gelingt mit jeder neuen Platte etwas, was im Pop überhaupt nicht so selbstverständlich ist: die fortwährende Weiterentwicklung. Weshalb ihr neues, viertes Album auch gar nichts mehr zu tun hat mit ihrem fröhlich federnden Hit "I Follow Rivers", der ihr vor sieben Jahren den Durchbruch bescherte.

"So Sad So Sexy" (RCA/Sony) ist eine Sammlung reinster und feinster Pop-Songs, die aber mit so heftiger Schlagseite herumtorkeln, dass man ihnen beim Auseinanderfallen zuhören kann. An "Hard Rain Falling", dem Eröffnungssong der Platte, hat Rostam Batmanglij mitgeschrieben und -produziert. Was Lykke Li und der Sound-Tüftler der New Yorker Art-Pop-Band Vampire Weekend da aus Stimmengewaber und Instrumentengeistern zusammenweben, ist ein Song, der sich streckt, windet, aufbäumt - und doch immer nur wird und niemals ist. "So Sad So Sexy" ist sehr zeitgenössische Popmusik, die mit größtmöglicher emotionaler Wucht knapp an der Zwölf vorbeischrammt. So gut danebenliegen kann außer Lykke Li gerade nur die Neuseeländerin Lorde. Von Julian Dörr

Bild: Sony Music 8. Juni 2018, 08:372018-06-08 08:37:32 © SZ vom 6. Juni 2018/ SZ.de/crab/biaz