Mehr als Tarantino
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Resnais wollte wohl eine leichte und leicht bizarre Komödie um Liebeswirren im fortgeschrittenen Alter drehen, rund um seine immer noch bezaubernde Frau Sabine Azéma und ein paar Freunde, wie André Dussolier und Emanuelle Devos. Das funktioniert auch phasenweise wunderbar, etwa im Stil seiner früheren Erfolge wie "Smoking/Non Smoking". Nur diesmal reichen die Ambitionen weiter, müssen Stimmungen und Entwicklungen durch die Willkür des Regisseurs ins Unerklärliche verschoben werden - und so ist die ganze Übung leider schnell wieder vergessen.
Michael Haneke erklärt auch nicht gern, das kennt man schon, aber die bewussten Verrätselung im "Weißen Band" wirkt aufgesetzt. Der Film blickt mit dem doch sehr präzisen, beinah detektivischen Blick eines Dorflehrers auf Gutshof, protestantische Pfarrei, Arzthaushalt und Bauernschicksale im deutschen Norden, schwarzweiß gedreht, mit phantastischen, teilweise unbekannten Darstellern, teilweise äußerst dienstwilligen Stars wie Birgit Minichmayr in winzigen Rollen. Böse Unfälle in der Gemeinde häufen sich, jemand muss sie provoziert haben, Kinder werden misshandelt, der Täter bleibt unerkannt, eine Atmosphäre von Frömmelei, Verklemmung und Bedrohung drückt alles nieder.
Moralische Minenfelder
Man folgt dem gern und hofft die ganze Zeit, die vielen bösen Miniaturen mögen sich zu einem zwingenden Thema verdichten. Aber das passiert nie, und am Ende fallen die Einzelteile, die auch in der Tonalität wild zwischen Vorkriegspathos, Bierbichler-Grummelei und Rückfällen ins Psychodrama der Gegenwart schwanken, recht folgenlos auseinander.
Der Eindruck, der sich in Sachen Tarantino schließlich verfestigt, ist ein anderer: dass nämlich "Inglorious Basterds", der alle Erwartungen zunächst zu unterlaufen scheint und dabei die moralischen Minenfelder seines Stoffs mit farcehafter Leichtigkeit überspringt, in Wirklichkeit doch weit tiefere Themen enthält, als man zunächst wahrhaben will.
Da ist die Sprache als Waffe, zum Beispiel, die alle Sturmgewehre und Baseballschläger an Gefährlichkeit weit übertrifft. Die skalpschlitzenden "Basterds", trotz ihrer Dominanz im Titel, kommen da nicht so gut weg - teilweise verliert sie der Film fast aus den Augen. Und wenn er nicht gerade selbst eine tolle Rede schwingen darf, friert das aufgesetzte Hillbillie-Grinsen in Brad Pitts Gesicht etwas unglücklich fest.
Umso mehr rückt die Gewandtheit der anderen Darsteller, die fast alle mehrsprachig agieren, in den Vordergrund: Daniel Brühl, brillant als deutscher Scharfschütze, dringt mit seinem verführerisch leichten Französisch fast bis ins Herz der jüdischen Kinobesitzerin vor; Michael Fassbender, ein Shootingstar in England, aber in Deutschland geboren, wechselt als britischer Undercover-Agent die Sprachen so leicht wie die Uniformen; und im mindestens viersprachig perfekten "Judenjäger" Landa schließlich, einem "linguistischen Genie" (Tarantino), verdichtet sich diese Idee noch mehr. Er lullt seine Opfer mit einer Konversation ein, die fast wie eine Art Hypnose funktioniert. Was sie aber sehen, wenn sie diesem Mephisto schließlich direkt ins Schlangenauge blicken? Es könnte durchaus eine reine Idee sein - die Idee des Bösen an sich.
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(SZ vom 21.5.2009/vw)
"...Man ist es ja gewohnt, dass öffentliche Gelder für fragwürdige Kulturprojekte vergeben werden. Aber für einen antideutschen Gewaltfilm? ...
Na sehen Sie, das eröffnet Ihnen doch tolle Möglichkeiten: drehen Sie selbst einen Film. Muß ja kein antideutscher Gewaltfilm sein, kann ja auch ein antifranzösischer Pornofilm oder ein antiitalienischer Horrorfilm oder ein antiamerikanischer Western oder, oder, oder sein.
Also: Selbst ist der Mann!"
... oder einen anti-amerikanischen Gewaltfilm oder einen anti-jüdischen Gewaltfilm?
DANN wäre es plötzlich zu Ende mit "Kult" und "künstlerischer Freiheit", nicht wahr? ;-)
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Wichtig bei einem Film sind doch die Zwischentöne. Was will der Film ausdrücken, welche Figur erfüllt welchen Zweck usw.
Schaue ich mir bspw. Soldat James Ryan an, der den Anspruch hat, Krieg realistisch, authentisch und als menschliches Drama darzustellen, dann erwarte ich auch, dass er allen Figuren gerecht wird. Daher stört es mich sehr, dass der einzige Deutsche Soldat der mehr Text als "Vorsicht!" o.ä. hat, als Verräter und Bösewicht dargestellt wird.
Wenn ein Film allerdings den 2. Weltkrieg als Bühne benutzt, dann darf er die Figuren auch überzeichnen. Tarantinos deutsche Soldaten sind nunmal böse, fiese Nazis. Es sind fiktive Gestalten, Ikonen des Bösen. Wenn Sie so wollen ist der Nazi-Major der Darth Vader des Kriegsfilms. Gerade die billigen B-Kriegsfilme der 50er und 60er Jahre (gemeint sind hier ausdrücklich nicht "Die Brücke von Arnheim" o.ä.) sowie Comics haben diese Ikonen hervorgebracht. Inglorious Basterds als Hommage an dieses Genre bedient sich daher ebenfalls dieser Ikonen. Mit Ihrem oder meinem Großvater haben diese Gestalten nichts zu tun, genau so wenig, wie die tumben Legionäre in Asterix & Obelix nichts mit den Römern zu tun haben.
Ich nehme an es handelt sich um die Folge "Patterns of Force", die in Deutschland erst Ende der Neunziger synchronisiert und ausgestrahlt wurde.
@CERS: Was er mit Antideutsch meint ist denke ich schon klar. Den es gibt keine anderen Menschen (und auch die Na.zis waren Menschen und wie wir wissen die Soldaten meist keine Na.zis...)in der Geschichtre die man im TV/Kino ungehemnt niedermätzeln darf und mit Vorurteilen belegen darf wie eben die Deutschen damals. Gäbe es einen Film in dem mann Wehrmachtssoldaten wie im K.Z behandelt würde die Welt beifall klatschen und meinen das das schon in ordnung ist weils nur Na.zis sind und mit denen kann man alles machen. Alles ist rechtesn.
Das aber wiederspricht den menschenrechten un der Realöität. Und sollange das so ist darf man das gerne Antideutsch nenne und hat natürlich vollkommen recht damit.
Aber sich darüber aufregen ist wie sich über den morgendlichen Sonnenuntergang aufregen. beides ändert sich nie.
Paging