SZ-Werkstatt Dicke, staubige Bündel

Hubert Wetzel, 44, ist Redakteur in der Außenpolitik. Sein Interesse am Ersten Weltkrieg wurde geweckt, als er die Kriegserinnerungen seines Großvaters las, der in Verdun kämpfen musste.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Hubert Wetzel, Vizechef des Ressorts Außenpolitik, schildert im Buch Zwei die Schlacht von Verdun entlang bislang unveröffentlichter Akten eines bayerischen Regiments. Hier berichtet er von seiner Archivrecherche.

Das Gemetzel bei der Schlacht von Verdun vor 100 Jahren beschreibt Hubert Wetzel im Buch Zwei (vorige Seiten). Hier schildert der Vizechef des Ressorts Außenpolitik seine Archivrecherche dazu:

"Ein Krieg produziert unglaubliche Mengen Papier. Berichte, Befehle, Listen, Meldungen, Karten, Anweisungen, Vorschriften, Rundschreiben - die Schreibstuben hatten im Ersten Weltkrieg reichlich zu tun. Heute ist all das gesammelte Papier freilich eine großartige Quelle, aus der sich der Einsatz eines Infanterie-Regiments vor Verdun fast in Echtzeit rekonstruieren lässt. Anders als durch Aktenstudium geht das auch kaum - alle Zeitzeugen sind tot, und die offiziellen Regimentsgeschichten und zeitgenössischen Darstellungen der Schlacht strotzen zumeist vor hohlem Heldenpathos. Die Akten sind dagegen wohltuend nüchtern.

Während das preußische Heeresarchiv im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde, sind von den bayerischen Regimentern des deutschen Heeres noch große Aktenbestände erhalten. Sie werden in München im Kriegsarchiv des Bayerischen Hauptstaatsarchivs verwahrt: dicke, staubige Bündel, vollgestopft mit Hunderten Seiten Papier, von brüchigen Bändern zusammengehalten. Ganz einfach ist die Recherche darin nicht, denn die meisten Aktenstücke wurden damals mit der Hand in einer alten deutschen Schreibschrift verfasst, die schwer zu entziffern ist. Zudem sind die Akten oft ungeordnet, zwischen Papieren über Verdun stecken Dokumente, die sich mit anderen Schlachten befassen.

Die Unordnung kann aber einen Vorteil haben: Je nachlässiger die Schreibstube damals beim Aussortieren war, desto größer ist heute die Chance, auf kleinen unscheinbaren Zetteln Informationen zu finden, die einem das Grauen der Schlacht plötzlich nahebringen."