Alterspubertät Die Krise als Chance

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Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen.

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Vom Leitbild der Gelassenheit beim Altern ist Werner Bartens noch ein Stück weit entfernt, behaupten Leser und empfehlen stattdessen, sich viel zu bewegen und die Krise zu nutzen, um sich neu zu entdecken und anzunehmen.

"Hey Alter" vom 12./13. Mai:

Der Diagnose "Alterspubertät" kann ich als teilnehmender Beobachter des Prozesses des Älterwerdens nur zustimmen. Der Grund ist einfach: So wie Jugendliche irrlichtern, weil sie (gottlob) noch kein klares Konzept des Erwachsenwerdens im Kopf haben, so befindet sich die heute alternde Generation in einem verunsichernden Prozess der Suche nach der angemessenen Form des Alterns - ob mit 50 oder mit 70. So wenig, wie schon meine Mutter keine alte Frau im Stile ihrer Mutter mehr sein wollte, so wenig passt mein Kindheitsbild alter Menschen aus den 50er-Jahren zu meinem heutigen Lebensgefühl. Die Stones-Generation muss ihr eigenes Feeling des Altseins finden. Wir werden älter, sind oft fitter und verfügen über mehr materielle Freiräume für eine kreative Lebensgestaltung als die Alten früherer Generationen. Dass solche Suchprozesse im Spannungsfeld zwischen 'wie ich mich fühle' und 'wie ich wirke' mitunter auch ein wenig lächerlich anmuten - ähnlich wie die Suchprozesse von Teenies - bleibt dabei nicht aus. Das Leitbild der Gelassenheit (wie bei Teenies das des "Cool-Seins") ist hier bestimmt hilfreich. Von diesem Leitbild aber ist Werner Bartens noch ein Stück weit entfernt, wenn er Versuche, neue Wege des Alterns zu erproben, pauschal als "Entblödung" denunziert und wenn er dabei die Außenwirkung auf andere zum Maßstab für angemessenes Altern nimmt.

Prof. Dr. Theo Rauch, Berlin

Die sportliche Greisin

Ich wollte mich nur entschuldigen, dass ich es mir erlaube, im Greisinnenalter mit Funktionstrikot und gepolsterter Radlerhose auf meinem Carbonrad noch meine Runden zu fahren. Leider habe ich nicht bedacht, dass ich mich der Lächerlichkeit preisgebe und das Ästhetikempfinden des Autors verletze. Tut mir aufrichtig leid. Wahrscheinlich ist es in meinem Alter angebracht, weite, graue Kleider zu tragen und die freie Zeit auf dem Sofa zu verbringen. Brigitte Dachs, Pielenhofen

Sich selbst entdecken

Der Autor scheint stellenweise zu suggerieren, ab Mitte 40 seien "ein träger Geist und ein teigiger Leib" (oder auch das Umgekehrte) schicksalhaft. Dem möchte ich deutlich widersprechen. Meines Erachtens sind diese Phänomene vor allem eine Zivilisationserscheinung und zwar eine krankhafte. Wie träge mein Geist ist, müssen andere beurteilen, aber mein Leib ist mit Mitte 40 jedenfalls nicht teigig und wird es - wenn mich nicht ein tatsächlicher Schicksalsschlag ereilt - auch mit Mitte 60 nicht sein. Denn der vom Autor verächtlich behandelte Sport oder schlicht regelmäßige körperliche Betätigung mit einer Portion Ehrgeiz machen es möglich, sich innerhalb der durch die Veranlagung und das Alter gegebenen Grenzen fit zu halten. Insofern sehe ich die wesentliche Botschaft in den letzten drei Absätzen enthalten: die Midlife-Crisis als Chance wahrzunehmen, sich selbst neu zu entdecken und anzunehmen.

Mathias Effenberger, Unterschleißheim

So fällt man auf

"Schnitt und Tritt" vom 28./29. April: Immer wieder kann man lesen, dass die "normalen" Radtrikots der Vereine oder Teams so himmelschreiend hässlich, weil vielfarbig/auffällig seien. Das mag man so sehen können, dabei wird jedoch ein - in meinen Augen wesentlicher - Faktor völlig außer Acht gelassen. Diese Grellheit hat auch einen extrem positiven Effekt: Man fällt auf! Wird wahrgenommen! Wird deswegen weniger oft fast vom Rad gefahren!

Franziskus Weinfurtner, München