Trainee-Programme Einstieg mit Aussicht

Einen Einblick in alle Sparten eines Unternehmens sollte ein Trainee-Programm ermöglichen. Die Verträge sind teils befristet, teils unbefristet.

(Foto: imago)

Berufsanfänger können sich als Trainee auf Führungsaufgaben vorbereiten. Weiterbildung und Mentoring sollten Teil des Programms sein.

Von Bianca Bär

Sprungbrett in die Führungsriege oder doch nur ein besser bezahltes Praktikum? Traineeprogramme gelten bei Hochschulabsolventen weithin als attraktive Alternative zum Direkteinstieg in ein Unternehmen. "In der Regel sind Traineeships Programme, die den Führungs- und Fachkräftenachwuchs ausbilden", erklärt Hanna Quelle von der Jobbörse Absolventa GmbH, zu der auch das Portal www.trainee-gefluester.de gehört. Doch da der Begriff "Traineeprogramm" nicht rechtlich geschützt ist, lasse er keinen Schluss auf die Ausbildungsinhalte und den Aufbau der Programme zu. Bewerber sollten daher genau prüfen, was in den Programmen steckt, die ihnen angeboten werden.

"Die Trainees dürfen im Unternehmen auf keinen Fall niedriger gestellt sein als die Direkteinsteiger", sagt Quelle. Ein wichtiges Kriterium sei dabei die Bezahlung. "Das Einstiegsgehalt eines Trainees sollte nicht signifikant geringer sein als das eines Direkteinsteigers", betont sie. Ein kleiner Unterschied sei jedoch am Anfang fast immer festzustellen. Daher sollten sich die Bewerber informieren, ob sie während des Programms oder beim Übergang in die Festanstellung mit Gehaltssprüngen rechnen können. Die Höhe des Gehalts hängt laut Quelle stark von Größe und wirtschaftlicher Situation der Unternehmen ab. "Grundsätzlich sollte aber ein Jahresgehalt von 30 000 Euro schon sein."

Doch nicht nur auf den finanziellen Aspekt kommt es an. Miriam König (Name geändert), die als Trainee bei einem Verlag für Lifestyle-Magazine in München arbeitete, schätzte vor allem die intensive Betreuung durch ihre Mentorin: "Wir haben uns in regelmäßigen Feedbackgesprächen immer sehr eng abgestimmt. Ihr lag es am Herzen, dass ich viel vom Verlagswesen mitbekomme", berichtet die 24-jährige Kommunikationswissenschaftlerin.

Mentoring durch erfahrene Mitarbeiter ist auch nach Ansicht von Beraterin Quelle eine der wichtigsten Säulen eines hochwertigen Traineeprogramms - und gleichzeitig ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zu einem Direkteinstieg. "Ein Direkteinsteiger wird nicht so fürsorglich an die Hand genommen wie ein Trainee", sagt Susanne Nitzsche. Sie ist Referentin für Personalmarketing beim Recycling- und Entsorgungsdienstleister Alba Group mit Sitz in Berlin. Das familiengeführte Unternehmen bietet zwei verschiedene Traineeprogramme für etwa 15 Hochschulabsolventen pro Jahr an. Meist erhalten Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure, Maschinenbauer und IT-Spezialisten einen der Plätze. "Fachtrainees konzentrieren sich dabei auf einen einzigen Unternehmensbereich, wie etwa Technik oder Trading. Dort durchlaufen sie dann verschiedene Abteilungen", erläutert Nitzsche. Corporate Trainees hingegen arbeiten je drei Monate in vier verschiedenen Unternehmensbereichen.

Ein ausgeklügeltes Rotationsprinzip gehört laut Quelle zu den Charakteristika. Wichtig sei, dass die Trainees lernen, fach- und abteilungsübergreifend zu handeln. Auch König bewertet das Konzept positiv: "Meine Stammabteilung war Anzeigenmarketing, aber dank der Abteilungsexkursionen habe ich die Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche wie Finanzen, Redaktion und Produktion immer besser verstanden."

Einige Unternehmen bieten den Trainees auch an, einen Teil ihres Programms im Ausland zu absolvieren. So zog Robin Hoffmann, Trainee beim Automobilhersteller Daimler, nach den ersten vier Monaten in Stuttgart in die chinesische Metropole Peking. Dort ist der 26-jährige Wirtschaftsingenieur derzeit für den Bereich After Sales Einkauf tätig. In Fernost hat er sich schnell eingelebt -vor allem dank der anderen 15 Trainees, mit denen er in einer von Daimler bereitgestellten Unterkunft wohnt. "Da nicht alle Projekte zum gleichen Zeitpunkt starten, helfen diejenigen, die schon länger da sind, den Neuen bei der Orientierung", erzählt Hoffmann. Sein nächstes Projekt führt ihn in die Nähe von New York, wo er an einem Großprojekt im Bereich IT-Systeme für Händler mitwirkt.

Häufig ergänzen Weiterbildungen die praktischen Erfahrungen. Bei der Alba Group sind vier zweitägige Seminare Pflicht. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Trainees erfolge in hochwertigen Programmen auch durch regelmäßige Gelegenheiten zur Netzwerkbildung, so Hanna Quelle von Absolventa. Ein weiteres Indiz für ein seriöses Traineeprogramm sei eine hohe Übernahmequote.

Königs Vertrag war befristet, doch sie hatte Glück. Im Anzeigenmarketing wurde eine Stelle frei, die sie bekam. "Im Idealfall erhalten die Trainees sogar von Anfang an einen unbefristeten Vertrag, mit dem sie längerfristig an das Unternehmen gebunden werden", sagt Quelle. Diesem Credo folgt auch die Alba Group: "Natürlich steht es den Trainees frei, nach dem Programm ganz normal zu kündigen. Aber für uns wäre das das Worst-Case-Szenario", sagt Nitzsche. "Das Traineeprogramm ist für uns schließlich eines der wichtigsten Mittel zur Nachwuchsrekrutierung im Führungsbereich."

Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit besteht in der Regel auf beiden Seiten: "Wir sind zwar nicht verpflichtet, nach dem Traineeprogramm für eine bestimmte Zeit beim Unternehmen zu bleiben, aber für mich persönlich käme ein Wechsel nicht infrage", versichert Robin Hoffmann, der ebenfalls unbefristet bei Daimler beschäftigt ist. "Das Programm macht doch nur dann Sinn, wenn man das Netzwerk und die spezifischen Kompetenzen nutzt, die man sich währenddessen aufgebaut und angesammelt hat."