Studieren an der Elite-Uni "Persönlichkeit ist wichtiger als gute Noten"

Wall-Street-Banker Thomas Rudy hat an der Eliteuni Columbia studiert. Heute wählt er deutsche Bewerber aus - und siebt rigoros.

Interview: J. Köhn-Haskins

US-Hochschulen werden bei den deutschen Abiturienten und Studenten immer beliebter. An der Columbia-Universität in New York bewerben sich jedes Semester 200 bis 400 Deutsche. Thomas Rudy, Columbia-Absolvent vom Bodensee, nimmt seit eineinhalb Jahren als Mitglied der Alumni-Organisation an den Auswahlgesprächen teil. Der 27-jährige arbeitet an der Wallstreet, er ist das bisher jüngste Mitglied in den Columbia-Auswahlgremien.

Die Columbia University in New York: Auch US-Präsident Barack Obama zählt zu den Absolventen.

(Foto: Foto: ap)

SZ: Wie lautet ihre erste Frage in den Bewerbungsgesprächen?

Thomas Rudy: Das ist immer die gleiche: "Tell me something about yourself." - Erzähle mir etwas über dich! Denn fast noch wichtiger als gute Noten, exzellente Testergebnisse, ein gutes Bewerbungsessay und die Empfehlungsschreiben ist die Persönlichkeit.

SZ: Für das Herbstsemester haben sich fast 300 Studenten aus Deutschland an der Columbia-Universität beworben. Wie viele wurden zum Interview eingeladen?

Rudy: Ich versuche, mit so vielen wie möglich zu sprechen. Mit einem Team von 20 Ehemaligen konnten wir diesmal 70 Bewerber treffen. Ich bin Anfang des Jahres extra nach Deutschland geflogen und habe 15 Bewerber interviewt.

SZ: Wie viele hatten Erfolg?

Rudy: Von meinen 15 Kandidaten hätten zwei, drei ganz gut gepasst. Einer hat es letztlich geschafft. Alles in allem wurden vier Studenten aus Deutschland angenommen, das ist relativ viel. Selbst von den amerikanischen Bewerbern schaffen es in der Regel nur zehn Prozent.

SZ: Was zeichnet einen erfolgreichen Bewerber im Gespräch aus?

Rudy: Am besten ist, wenn sich das Gespräch wie eine freundliche Unterhaltung entwickelt, der Bewerber etwas erzählen kann und nicht jede Frage mit einem Wort beantwortet. Mir geht es um die persönlichen Qualitäten; wie ein künftiger Student das Leben auf dem Campus bereichern kann.

SZ: Bringen Deutsche etwas Besonderes mit?

Rudy: Natürlich, der internationale Hintergrund ist wichtig. Auch die Geschichte ist wichtig, der Nationalsozialismus, der Holocaust, obwohl das vielleicht nach einem Klischee klingt. Ein Bewerber, der sich nach dem Abitur in einer gemeinnützigen Organisation für amerikanische Juden engagierte, hat es dieses Mal prompt geschafft.

SZ: Spielt die politische Einstellung eine Rolle beim Auswahlprozess?

Rudy: Nein, Fragen zu Politik und Religion sind tabu. Über aktuelle Themen sprechen wir aber schon. Als ehemaliger Wirtschaftsstudent interessiert mich die Ansicht der Bewerber zur derzeitigen Rezession. Ich will herausfinden, wie sehr sich jemand mit der Welt beschäftigt, ob er sich engagiert und einbringt.

SZ: Ein soziales Jahr ist also günstig?

Rudy: Nicht unbedingt. Eine deutsche Abiturientin, die aus einer sozial zerrütteten Familie stammt und sich nach einem Auslands-Semester an einer US-Highschool in Deutschland bei verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen für Kinder aus Alkoholikerfamilien einsetzte, wurde nicht angenommen. Ein amerikanischer Bewerber, der als US-Champion im Pfeifen brillierte, dagegen schon. Eine der erfolgreichen deutschen Bewerberinnen war musikalisch sehr begabt, eine andere spielte in der Volleyball-Nationalmannschaft. Talent und Engagement können Eintrittskarten sein, man braucht allerdings auch eine große Portion Glück.

SZ: Was wäre ein schlimmer Fauxpas im Bewerbungsgespräch?