Hindernislauf zur Hochschule

Anzeige

Ganz offensichtlich fällt es nicht nur der ZVS, sondern auch vielen Hochschulen schwer, den Wandel zu vollziehen: Statt Studienplätze zu verteilen, müssen sie lernen, Studierwillige zu beraten und zu betreuen. Denn Deutschland kann es sich nicht leisten, talentierte junge Menschen auf einen monatelangen Hindernislauf zur Hochschule zu schicken. Stattdessen muss den Abiturienten der Weg in den passenden Studiengang geebnet werden. Momentan ist eher das Gegenteil der Fall: Manche müssen wegen verspäteter Zusagen der Hochschulen das erste Semester abschreiben, weil sie den Lernrückstand nicht mehr aufholen können.

Die Politik reagiert entsprechend genervt auf die neuen Botschaften aus den Hochschulen. "Wir haben keine Zeit mehr für Fehler, Experimente und Kompromisse", mahnt Jan-Hendrik Olbertz, parteiloser Kultusminister von Sachsen-Anhalt und einer der angesehensten Bildungspolitiker Deutschlands. Alle Universitäten und Fachhochschulen müssten jetzt mitwirken, ein bundesweites Servicesystem aufzubauen.

Bundesweiter Abgleich

In der Tat ist der Zeitdruck inzwischen groß. In den nächsten Jahren drängen die letzten Abiturjahrgänge des neunjährigen Gymnasiums gleichzeitig mit den ersten Abgängern des achtjährigen Gymnasiums an die Hochschulen. Bislang gingen Prognosen für die Jahre 2011 bis 2015 von 265.000 notwendigen zusätzlichen Plätzen aus, nach einer aktuellen Studie des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (Fibs) könnte der Bedarf aber bei etwa 370.000 liegen. Damit alle Interessenten studieren können, bedarf es eines bundesweiten Abgleichs freier Plätze.

Die SPD und viele Verbände wollen die Hochschulen deshalb per Bundesgesetz dazu verpflichten, sich einem deutschlandweiten System anzuschließen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) aber will es weiterhin auf freiwilliger Basis versuchen.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Deutsches Roulette
  2. Sie lesen jetzt Deutsches Roulette
Leser empfehlen 

(SZ vom 14.2.2009/bön)