Studienanfänger an Universitäten ZVS und Online-Servicestelle

Englisches Vorbild

Die Zeitknappheit birgt ein weiteres Risiko: Sie könnte alle Vorteile des geplanten Umbaus der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in eine Serviceeinrichtung wieder zunichte machen. Die ZVS soll künftig anhand von einfachen Kriterien, wie Noten oder Wartezeiten, eine Rangliste mit den besten Bewerbern erstellen. Danach können die Unis die Auswahl nach eigenen Vorstellungen verfeinern, etwa Gespräche führen oder Essays verlangen. Drängt die Zeit, könnte jedoch die Verführung groß sein, die Zulassung anhand der einfachen Notenliste vorzunehmen.

Ein möglicher Ausweg wäre, dem englischen Vorbild zu folgen. Engländer bewerben sich meist nicht mit dem Abschlusszeugnis, sondern mit dem Zeugnis des elften Schuljahrs und den Prognosen der Lehrer. Erst die Zulassung der Studenten erfolgt auf Basis der Abschlüsse. So kann die Bewerbungsphase bereits im Januar abgeschlossen werden und die Studierwilligen erhalten schon im April die Bescheide. In Deutschland dagegen können sich Abiturienten erst bewerben, wenn sie das Zeugnis in den Händen halten. Die Schulen sperren sich gegen vorläufige Zeugnisse; das würde eine Entwertung des Abiturs bedeuten, sagen sie.

Zusätzliche Verwirrung

Die ZVS schlägt als möglichen Zwischenschritt deshalb vor, dass die Schulen künftig die Abiturnoten direkt nach der Vergabe, also spätestens Anfang Juni, online an die Servicestelle überspielen, was zumindest wieder einen zusätzlichen Monat für die Auswahlverfahren bringen würde. Um sich die besten Abiturienten zu sichern, hat jetzt außerdem die Universität Bochum angekündigt, Bewerbern mit sehr guten Noten umgehend eine Zusage zu senden, also nicht erst bis Mitte August zu warten.

Ob dagegen der Vorschlag, die Semesterzeiten vorzuziehen, jemals realisiert wird, ist fraglich. Derzeit liege der Plan auf Eis, sagt Karl-Dieter Grüske, Rektor der Uni Erlangen-Nürnberg und HRK-Vizepräsident. In den nächsten Jahren drängen die letzten starken Jahrgänge an die Unis; in dieser Zeit würde eine weitere Reform nur zusätzliche Verwirrung stiften. Wegen der doppelten Abiturjahrgänge, die durch die Verkürzung der Gymnasialzeit entstehen, mussten die Schulen allerdings bereits ihre Blockade gegen vorläufige Zeugnisse aufweichen - anders würde der Ansturm von Studienanfängern nicht zu bewältigen sein.