Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Weiterbildung

"Wer hat, dem wird gegeben": Nach diesem Prinzip läuft in deutschen Unternehmen Weiterbildung. Gut ausgebildete Besserverdiener nehmen deutlich häufiger an entsprechenden Maßnahmen teil als gering Qualifizierte. Auch Teilzeitjobber und ältere Arbeitnehmer haben weniger Chancen auf Fortbildungen, zeigt eine DGB-Studie.

Von Thomas Öchsner, Berlin

Bei der Weiterbildung gibt es in Deutschland eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Gut ausgebildete junge Vollzeit-Arbeitskräfte können ihr Wissen häufig auffrischen. Wer Teilzeit arbeitet, wenig verdient und über keinen guten Schulabschluss verfügt, hat auch später deutlich geringere Chancen auf Weiterbildung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack spricht deshalb von einer "sozialen Spaltung" bei der Weiterbildung. "Es gilt das Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben", sagt sie.

Für seine Untersuchung hat der DGB Zahlen der statistischen Ämter, der Bundesregierung und des Instituts für Berufsbildung ausgewertet. Dabei zeigt sich: "Je höher der berufliche Abschluss, desto eher profitieren die Beschäftigten von Weiterbildung." So haben sich von denjenigen ohne Berufsabschluss im vergangenen Jahr nur 37 Prozent weitergebildet, bei denen mit Hochschulabschluss waren es 68 Prozent. Von den Beschäftigten mit einem Bruttoverdienst von mehr als 4000 Euro beteiligten sich 78 Prozent an Weiterbildung. Bei einem Einkommen von 401 bis 1000 Euro lag die Quote nur bei 43 Prozent. Auch Un- und Angelernte, Teilzeitjobber und Ältere werden eher seltener weitergebildet.

Der DGB fordert, das Meister-Bafög auszuweiten

In Kleinstbetrieben nahmen 2012 etwa 36 Prozent der Mitarbeiter an Weiterbildung teil, in Großbetrieben waren es 63 Prozent. In der Analyse heißt es auch: "Menschen mit Zuwanderungsgeschichte werden im Weiterbildungssystem zunehmend abgehängt." Nur ein Drittel aus dieser Gruppe konnte sich voriges Jahr weiterbilden. Ihre Teilnahmequote stagniert, während sie insgesamt zunimmt. So hat sich 2012 fast jeder zweite (49 Prozent) weitergebildet, 2010 waren es erst 42 Prozent. Beim Dresdner Bildungsgipfel 2008 hatten sich Bund und Länder auf eine Zielmarke von 50 Prozent im Jahr 2015 geeinigt.

An diesem Dienstag wird in Berlin der Erwachsenen-Pisa-Test vorgestellt. DGB-Vize Hannack fordert auf jeden Fall Reformen. Die Betriebe seien angesichts des demografischen Wandels darauf angewiesen sein, bisher weniger gut ausgebildete Arbeitnehmer weiter zu qualifizieren, um ihren Fachkräftebedarf zu decken. Die mangelnde Transparenz der Angebote, fehlende Beratung und eine unklare Finanzierung erschwerten aber den Zugang gerade für diese Menschen.

"Diese Themen muss eine neue Regierungskoalition endlich anpacken", sagt Hannack. Die Gewerkschaften verlangen deshalb, das Meister-Bafög auszuweiten und künftig auch das Nachholen von Schul- und Berufsabschlüssen mit einem Vollzuschuss zu fördern.